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Der 45-Jährige werden schwere Vorwürfe von den türkischen Behörden gemacht. - © Pixabay
Der 45-Jährige werden schwere Vorwürfe von den türkischen Behörden gemacht. | © Pixabay

Anwalt geht an die Öffentlichkeit Familie fassungslos: Mutter aus Löhne in der Türkei festgenommen

Bei der Einreise soll eine 45-Jährige am Flughafen verhaftet worden sein. Ihr wird unter anderem vorgeworfen, eine Terrororganisation zu unterstützen.

Lukas Brekenkamp
16.10.2019 | Stand 22.10.2019, 08:46 Uhr

Löhne/Izmir. Familie Y. aus Löhne ist fassungslos und verzweifelt. Die 45-jährige Kurdin Dilara Y. (alle Namen der Familie geändert) soll am frühen Dienstagmorgen in Izmir verhaftet worden sein. Das berichtet der Bremer Anwalt für Migrationsrecht, Dogan Akin, der die Familie vertritt.

Eigentlich, so erklärt Ehemann Terlan Y. (47), wollte seine Frau mit der Tochter (15) Verwandte in der Türkei besuchen. Von Münster aus sei sie nach Izmir geflogen, eine Millionenmetropole an der türkischen Ägäisküste. „Und jetzt sitzt sie in Haft", sagt der zuhause gebliebene Ehemann verzweifelt.

Die Vorwürfe der türkischen Behörden lauten offenbar: Unterstützung und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation sowie Verbreitung von deren Propaganda. Anschuldigungen, die die Türkei „inflationär" erhebe, so Anwalt Akin im Gespräch mit nw.de. In der Türkei sei es einfach, Personen bei den Behörden anzuschwärzen. „Eine Anzeige reicht dann schon für eine Verhaftung aus", sagt Akin.

Und auch das Internet könnte eine Rolle spielen, mutmaßt der Rechtsanwalt: Schon einfache Posts reichten demnach aus, um in der Türkei verhaftet zu werden – wie etwa das Hashtag „#neinzumkrieg". Dieses Symbol des Friedens sei ein deutliches Zeichen gegen den Krieg und damit auch ein Statement für kurdische Gruppen, die zu einem Teil in der Türkei als terroristisch eingestuft werden.

Ehemann beteuert: "Wir sind politisch nicht aktiv"

Anwalt Akin sagt: „In der Türkei gibt es extra eine Abteilung, die sich mit den sozialen Medien befasst." Auch das sei der Grund, weshalb sich viele Bürger der Türkei über soziale Netzwerke nicht zum Nordsyrien-Konflikt äußeren. Die Identifikation der Personen über Hashtags sei zu einfach. Außerdem gebe es eine App fürs Mobiltelefon, mit der man andere Bürger im Handumdrehen anzeigen könne.

Terlan Y. beteuert derweil: „Wir sind politisch nicht aktiv, wir sind einfache Kurden." Dass sich seine Frau ausgerechnet im Internet kritisch gegenüber dem Krieg oder der türkischen Regierung geäußert haben könnte, bezweifelt der Löhner Ehemann.

Mittlerweile habe er mit seiner Frau sprechen können. „Ihr geht es nicht gut, sie ist krank", sagt Y. Erst vor wenigen Wochen habe sie außerdem eine Operation gehabt. Die Tochter sei derweil bei den Verwandten untergekommen.

Wie lange Dilara Y. in Haft bleiben muss, ist ungewiss. Sie besitzt nur die deutsche Staatsbürgerschaft. „Von der Festnahme bis zur Anklage kann viel Zeit vergehen – bis zu sechs Monate", sagt der Anwalt. Im schlimmste Fall drohe der 45-Jährigen eine Gefängnisstrafe. Der Anwalt habe konsularische Betreuung angefordert.

Noch keine offizielle Bestätigung der Haft

Nach einer Verhaftung im Ausland ist die deutsche Botschaft oder das deutsche Konsulat oft der erste Kontakt. Die deutschen Auslandsvertretungen betreuen Inhaftierte, unabhängig von Verfahrensstand oder Schuldfrage.

Bestätigt wurde die Verhaftung offiziell noch nicht. Aus dem Auswärtigen Amt heißt es auf Anfrage, das deutsche Generalkonsulat in Izmir bemühe sich derzeit um Aufklärung des Sachverhalts. Auch Terlan Y. hat den Kontakt gesucht. Ohne Erfolg.

Mittlerweile ist Dilara Y. dem Haftrichter vorgeführt worden. Anwalt Akin sucht nun die Öffentlichkeit. Er habe bereits mehrere solcher Fälle erlebt, dann jedoch von türkischen Staatsangehörigen, die verhaftet wurden. Die Vorwürfe waren stets die gleichen.
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