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Eine Pedelec-Fahrerin krachte im Melbergener Ringstraßen-Kreisel gegen ein Taxi. Die Staatsanwaltschaft klagte den Autofahrer wegen fahrlässiger Körperverletzung an. Doch vor Gericht schilderte ein Zeuge überraschende Beobachtungen. - © Verwendung weltweit
Eine Pedelec-Fahrerin krachte im Melbergener Ringstraßen-Kreisel gegen ein Taxi. Die Staatsanwaltschaft klagte den Autofahrer wegen fahrlässiger Körperverletzung an. Doch vor Gericht schilderte ein Zeuge überraschende Beobachtungen. | © Verwendung weltweit

Löhne Prozess: Taxi verletzt Pedelec-Fahrerin im Löhner Ringstraßen-Kreisel

Das Amtsgericht stellt das Strafverfahren gegen den Autofahrer ein, weil ein Zeuge überraschende Beobachtungen gemacht hat.

Ulf Hanke
14.08.2019 | Stand 14.08.2019, 19:15 Uhr

Löhne. Auto gegen Fahrrad, da ist klar, wer den kürzeren zieht. So war's auch im vergangenen Winter. Ein Taxi-Fahrer hat im Melbergener Ringstraßen-Kreisel am 4. Januar früh morgens eine Pedelec-Fahrerin angefahren. Die 23-jährige Frau stürzte schwer, erlitt eine Gehirnerschütterung, Prellungen am Knie, Becken und Bauch. Sie war wochenlang arbeitsunfähig. Das Taxi hatte nicht mal einen Kratzer, nur im linken Vorderreifen war der Abdruck einer Pedal-Schraube zu sehen. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld klagte deshalb den 64-jährigen Taxifahrer wegen fahrlässiger Körperverletzung an. Doch vorm Amtsgericht Bad Oeynhausen entwickelte sich der Strafprozess am Dienstag ganz anders als gedacht. Ein unbeteiligter Zeuge, ein 47-jähriger Paketbote, war nämlich direkt hinter der Pedelec-Fahrerin im Auto unterwegs und beobachtete nach eigenen Angaben den Unfall aus gut zehn Metern Entfernung: "Sie ist im Kreisel drüber weg gefahren", sagte der Postbote. Auf Nachfrage schilderte der Zeuge ausführlich, wie die Pedelec-Radlerin von McDonalds kommend geradeaus über den Buckel im Kreisel fuhr. Das Taxi erwischte sie seitlich vor der Ausfahrt zur Eisenbahnunterführung. Der angeklagte Taxifahrer schilderte das ähnlich. Er war von der Löhner Straße aus in den Kreisverkehr eingefahren. Genau dort fuhr der Postbote aus dem Kreisel heraus und parkte sein Auto in wenige Meter entfernt in Richtung Kohlenhof. Taxifahrer beteuert: "Ich habe sie nicht gesehen" Der angeklagte Taxifahrer bestritt den Unfall gar nicht erst, aber er beteuerte: "Ich habe sie nicht gesehen." Die Radlerin sei kurz nach dem Sturz selbst aufgestanden, beide hätten kurz gesprochen und er habe die Polizei gerufen. Danach habe er sein Taxi aus dem Kreisel gefahren. Diesen Moment erlebte der Paketbote offenbar wie eine Fahrerflucht. Der Taxifahrer parkte sein Auto nämlich auf der Nordbahnstraße und nicht etwa dicht am Geschehen. Der Verteidiger des Taxifahrers war es dann, der die Aussagen des Zeugen hinterfragte. Wie konnte der Zeuge eigentlich das weitere Geschehen nach dem Unfall beobachten, wo es doch in seinem Rücken stattfand? Fuhr die Radlerin mit Licht? Es war nicht die einzige Unstimmigkeit. Unklar blieb auch, ob die Radlerin mit oder ohne Licht fuhr und wie die Sichtverhältnisse an diesem Freitagmorgen um 7.20 Uhr waren. Der Zeuge behautete, die Radlerin sei nach ihrem Sturz sofort aufgestanden, doch die Ärzte diagnostizierten eine Gehirnerschütterung und erklärten der Patientin, dass sie wohl kurz bewusstlos gewesen sei. Nach kurzer Absprache stellte das Gericht schließlich das Verfahren gegen den Taxifahrer vorläufig ein. Der Angeklagte muss innerhalb von sechs Monaten 1.500 Euro an die Staatskasse zahlen.

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