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Eine Mitarbeiterin bereitet Medikamente für einen Kunden vor. Solche Tätigkeiten gehören zu den täglichen Arbeiten im Bereich der mobilen Pflege. - © Diakonie/Annette Schrader
Eine Mitarbeiterin bereitet Medikamente für einen Kunden vor. Solche Tätigkeiten gehören zu den täglichen Arbeiten im Bereich der mobilen Pflege. | © Diakonie/Annette Schrader

Löhne Personalmangel trifft mobile Pflegedienste in Löhne am härtesten

In allen Bereichen der Pflege fällt es immer schwerer, Personal zu finden. Das wirkt sich bei der ambulanten Pflege bereits auf die Kunden aus.

Dirk Windmöller
11.08.2019 | Stand 10.08.2019, 16:55 Uhr

Löhne. Fit bis ins hohe Alter, am liebsten über 100 Jahre alt werden, und dann friedlich einschlafen. Diesen Wunsch haben wohl die meisten Menschen, wenn sie an die letzte Phase ihres Lebens denken. Die Wirklichkeit ist trotz großer medizinischer Fortschritte oft anders. Viele Menschen sind auf Pflege angewiesen. Es gibt allerdings deutlich mehr Menschen, die gerne von einem ambulanten Pflegedienst betreut werden würden, als das möglich ist. Immer wieder kommt es dazu, dass Pflegedienste neue Kunden nicht aufnehmen können. In Bad Oeynhausen hat sich wegen Personalmangel ein Pflegedienst ganz aus einem Teil der Stadt zurückgezogen. Wir haben mit Kerstin Hensel, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Vlotho, das auch einen Pflegedienst betreibt und Britta Lehmann, Inhaberin der Häuslichen Kranken- und Altenpflege, über die Situation in Löhne gesprochen. "Es gibt immer wieder Situationen, in den wir Kunden ablehnen müssen" "Keiner in der Branche kann sagen, dass er nicht unter Personalmangel leidet", sagt Kerstin Hensel. Das gelte für die stationäre Pflege ebenso wie für die ambulante. Allein im ambulanten Pflegebereich die gesamte Nachfrage abzudecken, bedürfe deutlich mehr Personal als auf dem Markt vorhanden sei. Das hat ganz konkrete Folgen. "Es gibt immer wieder Situationen, in denen wir Kunden ablehnen müssen. Das hätten wir früher niemals gemacht", sagt Hensel. Doch auch die Kunden, die in ihrem Alltag mehrmals täglich von einem mobilen Pflegedienst unterstützt werden, sind direkt von der angespannten Personalsituation betroffen. "Die Wunschzeiten unserer Kunden können oft nicht mehr abgebildet werden", sagt sie. Die klassische Aufstehzeit, die mit Waschen und anderen Dienstleistungen verbunden ist, sei oft überbucht. "Es kann dazu kommen, dass wir erst um 11.30 Uhr kommen können, weil vorher keine Kapazitäten frei sind." "Die Arbeit am Wochenende wird immer unbeliebter" Das betreffe Kunden, die noch vergleichsweise fit sind. "Da, wo es medizinisch notwendig ist, sind wir zur richtigen Zeit zur Stelle", betont sie. Um die Lücken in der Versorgung der Kunden zu schließen, bemühe man sich verstärkt, die Angehörigen zu befähigen. Besonders an den Wochenenden sei es eng. Hensel: "Auch in unserer Branche wird die Arbeit an den Wochenenden immer unbeliebter." Nach Hensels Einschätzung ist der ambulante Dienst am stärksten von den Personalproblemen betroffen. "Das ist auch wegen der Arbeitszeiten der unattraktivste Bereich." Dort, wo Pflegekräfte in der Tagespflege arbeiten, sei es noch am einfachsten, Personal zu finden. "In diesen Berufen arbeitet niemand, weil er Millionär werden will" Dass die Arbeit in der ambulanten Pflege an der Bezahlung scheitere sei unwahrscheinlich. "Wir liegen weit über dem Pflegemindestlohn." Im Gegensatz zu anderen Pflegediensten würden die Mitarbeiter des Diakonischen Werks bei gleicher Leistung und Eingruppierung auch gleich bezahlt. Egal, ob sie in einem Altenheim oder beim mobilen Pflegedienst arbeiten. "Dass man in der Pflege keine Reichtümer verdienen kann, ist kein Geheimnis. In diesem Berufen arbeitet aber niemand, weil er Millionär werden will." Das Problem seien die schlechten Rahmenbedingungen wegen des fehlenden Personals. Hensel: "Dabei ist das so ein schöner Beruf, weil von den Menschen, die man pflegt, eine Menge zurückkommt." "Wir spüren den wirtschaftlichen Druck" Britta Lehmann ist Inhaberin der Häuslichen Kranken- und Altenpflege. Sie betreibt ihren mobilen Pflegedienst mit Standorten in Löhne und Herford. Beschäftigt sind dort rund 140 Mitarbeiter. Sie teilt die Einschätzungen von Kerstin Hensel in weiten Teilen, sieht aber das Thema der Bezahlung ganz anders. "Wir spüren den starken wirtschaftlichen Druck." Es rechne sich zum Beispiel nicht, wenn zwischen zwei Kunden die Fahrtzeit länger als sechs Minuten dauere. "Die Wirtschaftlichkeit der Tourenplanung ist entscheidend", sagt sie. Um Personal zu gewinnen, setzt sie verstärkt auf Ausbildung. 14 Schüler lernen zurzeit den Beruf. Die Situation wird nicht einfacher, weil private Pflegedienste geringere Löhne zahlen als Pflegeheime oder Krankenhäuser. "Wir haben da ganz andere ökonomische Voraussetzungen als zum Beispiel die Diakonie", sagt Lehmann. Da läge schnell eine Differenz von 2,50 Euro Stundenlohn dazwischen. "Wenn wir diese Löhne zahlen würden, würden wir pleite gehen." Und so muss die Inhaberin andere Anreize schaffen. "Es geht ja nicht nur ums Geld. Da gibt es noch viele andere Faktoren, die dazu führen, dass man gerne zur Arbeit geht. Wir bemühen uns, gute Arbeitsbedingungen und ein angenehmes Umfeld für unsere Mitarbeiter zu schaffen."

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