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Im Stadtteil Mennighüffen sticht das Zentrum deutlich heraus. - © Jürgen Schultheiß
Im Stadtteil Mennighüffen sticht das Zentrum deutlich heraus. | © Jürgen Schultheiß

Löhne Stadtteilcheck Mennighüffen: Warum ein 24-jähriger Student dort gerne lebt

Johannes Möller ist mit Leib und Seele Mennighüffer. Der 24-jährige Student ist gelernter Tischler und engagiert sich in der Gemeinde. Doch der junge Mann sieht auch die Schattenseiten seiner Heimat.

Dirk Windmöller
12.08.2019 | Stand 11.08.2019, 15:07 Uhr

Löhne. In diesem Haus haben schon Generationen ihre Spuren hinterlassen. Weit über 100 Jahre alt ist das schmucke Fachwerkhaus der Familie Möller. Johannes Möller begrüßt den Gast an der Tür. „Lassen Sie uns ins Esszimmer gehen. Da können wir uns an den Tisch setzen", sagt der 24-Jährige. Einen besseren Ort kann es für dieses Gespräch nicht geben. Der Tisch erzählt auch über den Menschen Johannes Möller und die Verbundenheit zu seiner Heimat. Der gelernte Zimmermann hat den Tisch selbst gebaut. Aus heimischer Eiche. „Der Rahmen stammt von einer Eiche, die bei einer Bekannten in Wulferdingsen gestanden hat." Seit ein paar Tagen steht der Tisch im Esszimmer. Ein Geschenk von Johannes Möller an seine Eltern. „Den haben wir vor ein paar Tagen mit zwölf Leuten eingeweiht", sagt Mutter Kathrin. "In der Gemeinde fühle ich mich zu Hause" Der Tisch mit dem Holz aus der Nachbarschaft unterstreicht die Verbundenheit von Johannes Möller zu seinem Elternhaus, aber auch zu Mennighüffen. „Seit einem Jahr bin ich Presbyter. Die haben sich gefreut, dass ich das mache. Die haben nicht so viele Jüngere", sagt er. Er sei aber nicht der einzige. Und da entstehe im Gespräch, auch zwischen den Generationen, eine eigene Dynamik, „weil sich jeder mit seiner Meinung einbringt." Der Kirche und der Gemeinde ist er schon lange verbunden. „Die Kirche als Gebäude ist schon sehr ehrwürdig, eine der ältesten Kirchen im Umkreis. Und in der Gemeinde fühle ich mich zu Hause." So ist es keine Überraschung, dass er sich als Ort für das Foto die Kirche gewünscht hat. Er hat die gleiche Stelle gewählt, an der auch ein Foto mit Pfarrer Ernst Wilm entstanden ist. Der war als Mitglied der bekennenden Kirche Gegner der Nazis und im KZ inhaftiert. Nach dem Krieg wurde er Präses. „Mit dem bin ich entfernt verwandt. Ernst Wilm ist schon so eine Art Vorbild. Den bewundere ich für seine Haltung." Bett und Tisch selbst gebaut Johannes Möller hat nach dem Abitur eine Ausbildung zum Zimmermann gemacht. „Mein Ziel war, im Bereich der Denkmalpflege zu arbeiten", sagt er. Und dafür ist die Zimmermannslehre die Grundlage. Nach der Ausbildung änderten sich seine Pläne. An der Universität Bielefeld studiert er jetzt auf Lehramt. Deutsch- und Religionslehrer für die Sekundarstufe 1 möchte er werden. Dem Thema Holz bleibt er dennoch verbunden. Nicht nur den Tisch hat er gebaut. „Ich konnte schon am Haus einiges machen und habe mir auch ein eigenes Bett gebaut. Das Arbeiten mit Holz wird immer mein Hobby bleiben." Für das Studium nach Bielefeld zu ziehen war nie ein Thema für Johannes Möller. Dafür hängt er zu sehr an seinem Heimatort. „Ich verpasse nichts, nur weil ich da nicht wohne." Im Fachwerkhaus sei genug Platz und hier könne er auch Schlagzeug spielen, ohne dass es mit den Nachbarn Probleme gibt. Mennighüffer legen Wert auf Traditionen und Rituale Der Mennighüffer spielt in der Band Mojo Working. Einer seiner Bandkollegen ist für das Studium nach Hamburg gezogen. „Den habe ich da schon mehrfach besucht. Hamburg ist schön. Dort herrscht aber zuviel Trubel und es ist zu schnell, da bin ich froh, wenn ich wieder nach Hause komme." Zu Hause, das sind auch die Menschen im Dorf. „Die sind manchmal etwas stur, aber mit ihrem Dorf tief verbunden. Die legen Wert auf Traditionen und Rituale. Ich mag das sehr." "Eine richtig gute Kneipe fehlt" Dass Johannes Möller Mennighüffer aus Leidenschaft ist, hält ihn nicht davon ab, auch die Dinge zu sehen, die ihm nicht gefallen. „Der Stadtkern wurde durch die Hauptverkehrsstraße zerstört und das neue Einkaufszentrum lässt es nicht besser werden." Er vermisst, dass man im Zentrum von Mennighüffen ein Bier trinken gehen kann. „Eine richtig gute Kneipe fehlt hier total. Es ist sehr schade, dass der Spieker abgerissen wurde." Dort, wo viele Jahrzehnte Bier gezapft wurde, stehen heute Seniorenwohnungen. Wenn er Mennighüffen verlässt, dann sowieso nur vorübergehend. Und am liebsten mit seinem Käfer aus dem Baujahr 1954. „Den habe ich aus Kostengründen abgemeldet. Aber verkaufen würde ich den nie." Spätestens nach dem Studium wird er wieder mit dem 34 PS starken Modell in grün-beige auf den Straßen unterwegs sein. Nicht nur in Mennighüffen, aber am liebsten dort.

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