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Wie der Glöckner von Notre Dame: Dieser Künstler vom Duo Slagman und Moelnaar lässt sich von einer jungen Zuschauerin mit einer Tomate füttern. - © Ulf Hanke
Wie der Glöckner von Notre Dame: Dieser Künstler vom Duo Slagman und Moelnaar lässt sich von einer jungen Zuschauerin mit einer Tomate füttern. | © Ulf Hanke

Löhne Halbnackte Männer werfen mit Tomaten auf dem Findeisenplatz

Einige Szenen beim Straßentheater "Von Nord nach West" in Löhne verstörten, andere waren brüllend komisch. Das Publikum applaudierte trotzdem ausdauernd.

Ulf Hanke
21.07.2019 | Stand 21.07.2019, 16:00 Uhr

Löhne. Wenn Tomaten auf die Bühne fliegen, ist das Publikum unzufrieden. So lautet das kleine Einmaleins der Veranstaltungskritik. Was aber ist, wenn die Künstler die Tomaten erst unter den Zuschauern verteilen, sich absichtlich damit bewerfen lassen - und dann den ganzen Matsch auch noch zurückschleudern? So geschehen beim Straßentheater "Von Nord nach West" am Freitagabend auf dem Findeisenplatz in Löhne. Die Tomatenschlacht ergab eine ganze Menge Ketchup. Es war aber auch eine ziemlich verstörende, öffentliche Sauerei mit Lebensmitteln. Das Duo "Slagman und Molenaar" zermatschte eine ganze Palette reifer, roter Tomaten und forderte zu den Klängen von Iggy Pops "Lust for Life" die Zuschauer erst zum Nachmachen und dann zum Werfen auf. Einer der Künstler nahm eine Krücke als Baseballschläger und pfefferte Tomateneinzelteile quer durchs Publikum. Das fanden zwar die jüngsten, aber nicht alle Zuschauer witzig. Die Herren strippen bis auf die Unterwäsche Unterm Strich passte die Szene aber zur zweiten Show des Abends. Die Herren strippten bis auf die Unterwäsche, tanzten zunächst ausgewählte Vornamen ihrer Zuschauer und ließen sich dann alle Namen auf einmal zurufen. Das Kauderwelsch fingen sie mit bloßen Händen ein und häuften sämtliche Namen symbolisch in einem Seil-Kreis in der Mitte vor der Musikschule. Aus diesem unsichtbaren Haufen zogen sie die Inspiration für ihre Bühnenfiguren. Einer verwandelte sich zum Beispiel in einen fiesen Glöckner, der nur durch die vorsichtige Gabe roher Tomaten zu besänftigen war. Das wiederum fanden vor allem die älteren Zuschauer witzig. Der Versuch, in ein Plumpsklo einzusteigen Die erste Show des Abends hatte das Publikum bereits milde gestimmt: Rudi mit "Shit happens" und dem verzweifelten Versuch, in ein verschlossenes Plumpsklo einzusteigen. Der Bodenartist Michael Coine aus Belgien turnte auf, in und unter dem Klo herum, dass es eine Freude war. Als er drin war, kam er nicht mehr heraus und löste in höchster Not auch noch einen Wasserrohrbruch aus. Coine war in der Straßentheater-Reihe für die Jongleure von "Spot the drop" eingesprungen, die in den Programmen angekündigt waren, aber wegen Krankheit absagen mussten. Kommenden Freitag, 26. Juli, wird die Reihe mit den Clowns "Slow Olou" und dem Jongleuren und Akrobaten vom "Trio Mio" fortgesetzt. Beginn ist 20 Uhr.

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