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Schwimmmeister Ingo Steinmeier im Freibad Löhne. - © Susanne Barth
Schwimmmeister Ingo Steinmeier im Freibad Löhne. | © Susanne Barth

Löhne Aggression im Freibad: Wie die Situation im Löhner Bad ist

Es wird wieder heiß. In einigen Freibädern ist die Stimmung momentan jedoch getrübt. Übergriffe, Beleidigungen und Schlägereien häufen sich. Ein Blick nach Löhne.

Susanne Barth
21.07.2019 | Stand 20.07.2019, 14:07 Uhr

Löhne. Aggressivität, Pöbeleien, Schlägereien: Die Negativ-Meldungen aus Freibädern häufen sich. Wenn die Temperaturen steigen, erhitzen sich oft auch die Gemüter. In Düsseldorf musste ein Bad nach einer Massenschlägerei gar geräumt werden. Seitdem ist eine Debatte darüber entbrannt, ob der Sittenverfall ein strukturelles Problem in Freibädern ist und wie dem beigekommen werden kann. "Renitente Badegäste gibt es überall", sagt Burkhard Schröder auf die zunehmende Aggressivität unter Freibadbesuchern angesprochen. Schröder ist der Vorsitzende des SC Aquarius, der zuständige Verein für das Löhner Freibad. Auch dort komme es immer mal wieder zu respektlosem Verhalten. Es werde gedroht, provoziert und lautstark protestiert. "Was da manchmal für Sätze fallen, kann man in der Zeitung gar nicht schreiben", sagt Schröder. Noch mit einem blauen Auge davon gekommen Vor Jahren ist einer Kassiererin sogar der Reifen zerstochen worden. Vor Kurzem hat der SC Aquarius von einer Schlägerei erfahren. Extreme Einzelfälle oder mittlerweile tägliche Realität? "Wir sind bisher mit einem blauen Auge davon gekommen", sagt Schröder. Einen Sicherheitsdienst wie etwa im Bielefelder Wiesenbad müsse der Verein nicht engagieren. Der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister beklagt die zunehmende Aggressivität in deutschen Bädern. „Ich bin jetzt 45 Jahre im Job", sagte Verbandspräsident Peter Harzheim. „Man hat sicherlich einiges erlebt, aber was sich in den letzten 40 Jahren getan hat, ist doch erschreckend. Das Wort ,Respekt‘ hatte früher eine ganz andere Bedeutung als heute." Jetzt bekomme man eher Sprüche zu hören wie „Alter, was willste?" Eltern lebten ihren Kindern häufig vor, dass sie sich nichts gefallen lassen müssten. Dazu kämen kulturelle Unterschiede, etwa im Umgang mit Frauen. „Es ist für mich eine traurige Entwicklung", sagte Harzheim. Extra langsam umziehen Löhne ist von diesem Umschwung glücklicherweise noch entfernt. Nichtsdestotrotz sei man auch hier von dem Verhalten einiger Gäste erschrocken. Das Problem, so Schröder: "Oft treten die jugendlichen Gäste im Rudel auf. Wenn man einen darauf anspricht, nicht ständig auf den Rasen zu spucken, weil hier Gäste barfuß laufen, kommen immer welche dazu." Da wird es auch mal unschön. "Zu 95 Prozent sind es Jugendliche mit Migrationshintergrund", so der Vorsitzende. Doch auch Einheimische würden sich unflätig verhalten. Provokation gegen die Mitarbeiter gehört dazu: "Da wird sich, wenn wir schließen wollen, extra langsam umgezogen. Das hat es früher nicht gegeben." Nach Schröders Meinung müssen die Schwimmmeister härter durchgreifen. Zu viel werde durchgelassen. "Die Schwimmmeister müssen sich auch mal unbeliebt machen." Wird es brenzlig, werde die Polizei hinzugerufen. "Wer aufmuckt, muss damit rechnen, vor die Tür gesetzt werden", findet Schröder. Trillerpfeife am Schlüsselbund Rotes Shirt, blaue Shorts: Ingo Steinmeier ist seit 1996 Schwimmmeister. Er schätzt die Situation anders ein: "Früher war es schlimmer." Oft hätten sich da große Gruppen gebildet, es gab Kloppereien. "Wie in den Großstädten ist es hier noch nicht", so Steinmeier, der während des Gesprächs stets einen Blick zum Becken wirft. Seine Stimme ist ruhig, plötzlich ein lautes "Hey". Ein Junge ist über die Rutsche geklettert und aufs Pflaster gesprungen. Das duldet Steinmeier nicht. Immer dabei hat er auch eine Trillerpfeife: "Damit wird man besser gehört." An diesem Nachmittag ist es ruhig im Freibad. Entspannt ziehen Schwimmer ihre Bahnen, Kinder springen vom Dreimeterturm, andere liegen in der Sonne. Schröder schätzt, dass an solchen Tagen - angenehm warm, Wochentag - etwa 200 Besucher ins Bad kommen. "Die Freibadzahlen sind generell überall rückläufig." An Top-Tagen kommen 1.500 Besucher nach Löhne. Schröder: "Früher waren es bis zu 6.000." Zu wenige Besucher im Juli Die Besucher brauchen immer einen Anlauf. "Es muss erst drei Tage heiß sein, dann kommen sie ins Freibad", sagt Steinmeier. Das bestätigt Schröder. In der Woche im Juni, als sämtliche Hitzerekorde gebrochen wurden, war erst der Mittwoch "pickepacke voll". Generell sei der Juni gut gelaufen. Es sind um 20 Prozent mehr Jahreskarten verkauft worden als 2018, so Schröder. Im Gegensatz dazu steht der Juli. "Da haben wir ein Defizit."

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