0
Die drei Mädchen aus Afghanistan, Bas Bibi (9, v. l.), Nooria (12) und Zainab (9), wurden umsonst in Deutschland behandelt und haben sich auf dem Weg zurück nach Kabul angefreundet. - © Verein "Kinder brauchen uns"
Die drei Mädchen aus Afghanistan, Bas Bibi (9, v. l.), Nooria (12) und Zainab (9), wurden umsonst in Deutschland behandelt und haben sich auf dem Weg zurück nach Kabul angefreundet. | © Verein "Kinder brauchen uns"

Löhne Dank einer Patenschaft aus Löhne kann Nooria in Kabul zur Schule gehen

Das Mädchen aus Afghanistan wurde bei einem Bombenanschlag schwer verletzt und in Deutschland operiert. Möglich gemacht hat das der Verein "Kinder brauchen uns".

Susanne Barth
20.07.2019 | Stand 20.07.2019, 11:52 Uhr

Löhne. Mit nur zwölf Jahren hat Nooria Hayatullah schon viele Schicksalsschläge hinter sich. Bei einem Bombenangriff im Mai 2016 wurde sie unter Trümmern begraben, verlor Mutter, Schwestern und Brüder. Sie selbst verletzte sich so stark an der Hüfte und der Wirbelsäule, dass dem Mädchen in Afghanistan nicht mehr geholfen werden konnte. Über den Verein "Kinder brauchen uns" gelangt sie nach Deutschland, wird operiert und wieder gesund. Zurück in Afghanistan nimmt ihr Leben erneut eine Wendung. Wenn Gisela Bröenhorst das Foto von Nooria und ihren neu gewonnenen Freundinnen anschaut, geht der Löhnerin das Herz auf. Die drei Kinder strahlen um die Wette, wirken fröhlich und ausgelassen. "Sie sind nicht mehr wiederzuerkennen." Nicht nur Nooria ist über den Verein "Kinder brauchen uns" (KBU) nach Deutschland gekommen und hat medizinische Hilfe erhalten. Auch Zainab Ahmadza und Bas Bibi Mohammadi (9) haben lange Zeit bei Gastfamilien gelebt. Im schlimmsten Fall droht die Amputation Beide Kinder leiden an der schweren Knochenmarkentzündung Osteomyelitis. Die Krankheit, auch unter Knochenfraß bekannt, erfordert eine rasche und komplexe Behandlung. "In Afghanistan hatten sie nicht die Möglichkeit ins Krankenhaus zu kommen", sagt Bröenhorst, die sich seit Jahren ehrenamtlich im Verein engagiert, für die Region Gastfamilien vermittelt und Behandlungsorte sucht. Bei extremen Verläufen ist nur noch eine Amputation möglich. Das konnte sowohl bei Zainab als auch bei Bas Bibi vermieden werden. "Sie konnten sogar ohne Gehhilfe wieder nach Hause fliegen", sagt Bröehnhorst und lächelt. "Es sind Bilder, die vergisst man nicht." Das Zuhause ist jetzt das Steinhaus des Vereins in Kabul. Gemeinsam sind die drei Mädchen am 25. Juni dorthin geflogen. "Auf dem Flug hat sich eine tolle Freundschaft entwickelt", erzählt Bröenhorst und blickt aufs Foto. Dass die Mädchen in Kabul bleiben können, ist nur durch Patenschaften möglich. Für Nooria hat sich bereits eine Familie aus Löhne gefunden. Die Paten hat die Zwölfjährige, die ein Jahr lang in Deutschland lebte, auch schon kennengelernt. "Weihnachten kommt sie wieder", sagt Bröenhorst, die die Patenschaft vermittelt hat. "Nooria war überglücklich, als sie es mir am Telefon erzählte." Die Mädchen möchten unbedingt zur Schule gehen Durch die finanzielle Unterstützung kann Nooria im Steinhaus bleiben. Dort wird sie nicht nur versorgt, sondern geht auch zur Schule. Endlich. Bröenhorst: "Das war der sehnlichste Wunsch aller drei Mädchen." Gleich nach der Ankunft schnuppern die Freundinnen die erste Schulluft. Sie besuchen die Amani-Oberrealschule, die einzige Einrichtung in Kabul die Deutsch unterrichtet. Denn die Sprache sprechen die Mädchen bereits und möchten sie keinesfalls wieder verlernen. Im Steinhaus sind die Bereiche für Jungen und Mädchen getrennt. Auch besuchen sie separat die Schule. Mal vormittags, mal nachmittags: "Das wechselt." Darüber hinaus unterrichtet ein angehender Lehrer die Kinder direkt im Wohnhaus. Das ist einfach gehalten. Jeder hat ein Bett, der Koffer ist der Schrank. "Es ist sehr simpel. Das hat was mit mir gemacht, als ich dort war", sagt die Löhnerin, die 2010 nach Afghanistan geflogen ist. Operation am offenen Herzen Auch für Zainab hat Bröenhorst sehr wahrscheinlich schon Paten gefunden. Die Suche nach einer finanziellen Unterstützung für Bas Bibi geht indes weiter. Monatlich kostet die Patenschaft etwa 100 Euro. Der Verein weist darauf hin, dass die Unterstützung Bestand haben soll. Denn nur so können die Kinder einen Schulabschluss machen und sich eine Zukunft aufbauen. Gemeinsam mit ihrem Mann Ralf hat Gisela Bröenhorst selbst vor Jahren eine Patenschaft übernommen. Ihr Pflegesohn Wais kam 2004 als Achtjähriger für eine lebensrettende Herzoperation nach Löhne. Damit "begann eine unglaublich spannende Geschichte". Am Frankfurter Flughafen haben die Gastfamilien die schwerkranken Kinder damals abgeholt. "Der Anblick der Kinder hat uns allen den Boden unter den Füßen weggerissen", erinnert sich die Löhnerin, die sich seitdem im Verein ehrenamtlich engagiert. "Es hat mich angespornt, zu helfen." Mittlerweile ist ihr Pflegekind erwachsen - 23 Jahre alt und macht in Münster eine Ausbildung zum Restaurantfachmann. Aufhören zu helfen, kommt der Rentnerin aber nicht in den Sinn. "Es ist die schönste Aufgabe meines Lebens für die Kinder da zu sein."

realisiert durch evolver group