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Grünfinken bei der Balz. - © Siegfried Harre
Grünfinken bei der Balz. | © Siegfried Harre

Löhne Löhner Fotograf schießt mit seiner "Fotofalle" spektakuläre Bilder

Siegfried Harre (85) tüftelt an Gerätschaften, bei dem die Tiere selbst die Kamera auslösen. So entstehen detailreiche Momentaufnahmen.

Susanne Barth
13.06.2019 | Stand 13.06.2019, 13:18 Uhr

Löhne. Der Flügelschlag der Grünfinken ist kräftig. Beim Liebesspiel flattert das Pärchen umher, jede einzelne Feder ist zu erkennen. Detailreich ist das auf den Aufnahmen von Siegfried Harre zu sehen. Um die Balz der Vögel festzuhalten, benutzt der Löhner keine Videokamera, sondern seine Fotofalle. Über die eigens gebaute Vorrichtung lösen die Vögel bei ihren Bewegungen selbst die Fotokamera aus. So entstehen sagenhaft intensive Bilder, die einen tollen Einblick in das Verhalten der Tiere geben. 85 Jahre alt ist Siegfried Harre heute. Die Lust am Experimentieren hat er nicht verloren. Extreme Makroaufnahmen, fotografieren gegen das Licht, das Spiel mit Filtern beim Bearbeiten: „Ich probiere gerne aus", sagt er. So sind auch seine Fotofallen entstanden. „Es ist ein Lernprozess." Simpel konstruiert Ein Ast, der wie eine Wippe funktioniert, zwei Kontakte, die den Auslöser an der Kamera betätigen: Die Fotofalle ist simpel konstruiert, hält aber was sie verspricht. Wenn der Vogel auf den Ast fliegt, löst sein Gewicht die Wippfunktion aus, die Kontakte treffen aufeinander und es blitzt. Das Foto entsteht. Dabei hat Harre die Fotofalle auf einem Stativ festgeklemmt, über ein langes Kabel ist seine Spiegelreflex damit verbunden, die ebenfalls auf einem Stativ ruht. „Meine Rekordzahl war in zwei Stunden mehr als 200 Fotos." Die Leidenschaft fürs Fotografieren entwickelte Harre schon als Schüler. Dort entspringt auch seine Faszination für Vögel. „Ich bin als Schüler gerne auf vogelkundliche Wanderungen mitgegangen, das hat mich schon immer interessiert." Anfang der 1950er Jahre konnte er sich von seinem Lehr-Geld das erste Mal eine Kamera leisten. „Die war im 6 x 6 Format." Über seinen Bruder knüpfte er Kontakt mit dem damaligen Leiter der Schule Eidinghausen, der ein leidenschaftlicher Fotograf war. „In der Schule hatten sie eine Dunkelkammer. Da bin ich weiter ins Thema reingerutscht." Mit Schnitzarbeiten Geld für die Kameraausrüstung verdient Seine erste Spiegelreflex war „für mich ein extremer Fortschritt". Wieder konnte Harre experimentieren, diesmal mit verschiedenen Objektiven. Doch die waren teuer. „Ich hatte eine Familie zu ernähren, da konnte ich nicht alles in die Kameraausrüstung stecken." Harre hat zwar Maler gelernt, wusste aber auch mit Holz umzugehen. Er schnitzte aus Eichenwurzeln Gesichter. Auch hier zeigt er ein Gespür fürs Detail. „Das lief sehr gut und so konnte ich mit meinem einen Hobby mein anderes finanzieren." Nah wollte er mit seiner Kamera schon immer an Tiere heran. Sie in ihrem Umfeld erleben, sehen, wie sie sich bewegen, untereinander kommunizieren. „Man lernt viel, wenn man auf der Lauer liegt." Die ersten Experimente machte er mit einem Fernauslösesystem, das noch mit Luftdruck funktionierte. „Ohne Motor", sagt Harre und lacht. Nachteil ist dabei nämlich, dass man immer nur ein Foto schießen kann. „Die Szene werde ich nie vergessen, wie ich immer wieder zum Nest hochklettern musste, um die Kamera nachzuziehen." Fotofalle mit Futtervorrichtung Heute genießt er die Sonne im Liegestuhl, während die Vögel via Fotofalle für die Bilder sorgen. Seine erste Digitalkamera hat sich der heute 85-Jährige 2009 gekauft. Ein Fortschritt: „So lassen sich die Einstellungen sofort korrigieren." Unter einer Hütte im Garten hat er eine Nestvorrichtung aufgebaut, die immer wieder rege von Vögeln genutzt wird. Passend dazu hat er seine Fotofalle und seine Kamera positioniert. Auch baut er Fotofallen, die eine Futtervorrichtung eingebaut haben. „Nur wollte da die Elster nie drauf", sagt Harre. Drei Wochen lang sei sie um die Konstruktion herumgeflogen. „Dann habe ich ihr eine weitere Sitzstange gebaut und sie hat sie genutzt." Sobald die Elster mit ihrem Schnabel das Futter stibitzen will, löst sich auch hier die Kippbewegung – und das nächste Foto ist im Kasten.

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