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Löhne Zwölfjähriges Mädchen aus Afghanistan bekommt in Deutschland Hilfe

Nooria wird bei einem Bombenanschlag stark verletzt. Durch den Verein "Kinder brauchen uns" bekommt sie die Chance auf ein neues Leben.

Lena Kley
12.06.2019 | Stand 13.06.2019, 09:18 Uhr

Löhne. Nach Deutschland kam sie im Juli 2018 mit dem Rollstuhl, mittlerweile kann sie schon wieder selbst laufen: Die Zwölfjährige Nooria Hayatulla ist eine Kämpfernatur. Bei einem Bombenangriff im Mai 2016 wurde sie unter den Trümmern ihres Elternhauses in einem kleinen Dorf am Fuße des Hindukuschs in Afghanistan begraben. Sie erlitt schwere Verletzungen an der Hüfte und der Wirbelsäule, konnte zu dem Zeitpunkt nicht mehr richtig gehen. Ein zweiter Bombenangriff nahm ihr Tage später noch ihre Mutter, Schwestern und Brüder. Drei Jahre nach dem Unglück sieht es für Nooria ganz anders aus: Jeden Tag macht sie Übungen, um ihre Beine zu stärken. "Ich schaue sie auf Youtube", sagt das kleine Mädchen, und ihre braunen Augen strahlen. Ihr Deutsch wird immer besser, Lesen und Schreiben lernt sie jeden Tag ein bisschen mehr. Gisela Bröenhorst, die sich in Löhne als Mitglied bei dem Verein "Kinder brauchen uns " einsetzt, ist begeistert von der 12-Jährigen: "Zu den Hausaufgaben motiviert sie sich ganz alleine – dieser Ehrgeiz fasziniert mich." "Kinder brauchen uns" setzt sich für Nooria ein Nooria hatte Glück im Unglück: In Kabul kam sie ins Indira-Ghandi-Kinderkrankenhaus. Die Einrichtung arbeitet eng mit dem Verein "Kinder brauchen uns (KBU) " zusammenarbeitet und wandte sich auch wegen Nooria an ihn. Der Verein setzt sich für schwer verletzte Kinder aus Afghanistan ein. Sofort wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, doch ein Selbstmordanschlag auf die Deutsche Botschaft in Kabul machte ihnen zunächst einen Strich durch die Rechnung. "Wir bekamen keins unserer Notfallkinder nach Deutschland – auch Nooria nicht", sagt Gisela Bröenhorst. Nach mehreren Gesprächen mit dem Auswärtigen Amt in Berlin erreichte der Verein, dass die Kinder über ein Visa des Deutschen Generalkonsulat der Türkei einreisen konnten. Nooria wird in der Helios-Klinik operiert So hatte Nooria noch ein zweites Mal Glück: Im November 2018 bekam sie in der Helios-Klinik in Lengerich im Münsterland eine komplett neue Hüfte. Die Operation verlief ohne Komplikationen. "Sie war der Sonnenschein in der Klinik", erinnert sich Bröenhorst. Der Unterschied von sieben Zentimetern zwischen beiden Beinen verkürzte sich auf drei Zentimeter. Mit eigens angefertigten Orthopädischen Schuhen konnten Nooria bald sogar ohne Krücken gehen. Sowohl die Löhner Orthopädiewerkstatt, als auch die Therapeuten und Ärzte haben für Nooria ohne Bezahlung gearbeitet. "Das hat mich sehr berührt", sagt Bröenhorst. 12-Jährige ist auf sich selbst gestellt Die 12-Jährige muss am 25. Juni nach Afghanistan zurück. Dort wartet allerdings niemand auf sie. Ihr Vater ist zwar am Leben, zieht aber durch das Land, um Beschäftigung zu finden. Ihre ältere Schwester muss sich um ihren pflegebedürftigen Verlobten kümmern. Doch im Steinhaus von KBU, eine Art Internat für die Kinder in Kabul, kann Nooria leben. Sie hat dann die Möglichkeit, zu der Durani Mädchenschule zu gehen. Die Voraussetzung dafür ist allerdings eine Patenschaft über den Verein in Deutschland. "Dafür suchen wir noch jemanden", sagt Bröenhoff. Monatlich kostet die Patenschaft zwischen 70 und 100 Euro. Der Verein weist daraufhin, dass es auch eine längere Investition sein sollte. Sie sollte Bestand haben, bis Nooria die Schule verlässt. Wer gerne dazu beraten werden möchte, kann sich bei Gisela Bröenhorst melden unter der Telefonnummer: (05732) 30 00.

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