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Standort: Aus den Wirtschaftsbetrieben Löhne (WBL) könnten die Stadtwerke werden. - © Anthea Moschner
Standort: Aus den Wirtschaftsbetrieben Löhne (WBL) könnten die Stadtwerke werden. | © Anthea Moschner

Löhne Stadtwerke Löhne stehen vor ihrer Gründung

Im Betriebsausschuss fallen am Donnerstag weitere wichtige Entscheidungen. Der Reiz liegt nach Überzeugung von Matthias Kreft, dem Leiter der Wirtschaftsbetriebe, nicht nur im Sparen von Steuern

Dirk Windmöller
12.06.2019 | Stand 12.06.2019, 11:27 Uhr

Löhne. Am 1. Januar 2020 sollen die Stadtwerke Löhne gegründet werden. Dort würden sämtliche Aufgaben der Wirtschaftsbetriebe erledigt - und mehr. Dieses Ziel haben sich die Wirtschaftsbetriebe und die Stadtverwaltung gesetzt. Bürgermeister Bernd Poggemöller und auch die Mehrheit der Ratsmitglieder versprechen sich von der Gründung von Stadtwerken viele Vorteile - auch unmittelbar für die Bürger. Die nächsten Entscheidungen in diesem Prozess werden am Donnerstag im Betriebsausschuss gefällt. Dass es um mehr geht, als die Schilder am Gebäude der Wirtschaftsbetriebe auszutauschen und sich einen neuen Briefkopf zu gönnen, das macht Mattias Kreft, Leiter der Wirtschaftsbetriebe und wohl auch künftiger Stadtwerke-Chef in der Vorlage für den Betriebsausschuss deutlich. "Durch die Gründung von Stadtwerken haben wir in Löhne die Möglichkeit, das Themenfeld selbstständiger, bürger- und kundenfreundlicher sowie auch lokaler zu gestalten", so Kreft. Stadtwerke als Energieversorger Er nennt den Klimaschutz vor Ort und die Entwicklung innovativer Energiekonzepte. Die Stadtwerke Löhne könnten neue Felder im Bereich der Energieversorgung erschließen und selber als Anbieter auftreten. Im Gespräch mit der NW nennt Kreft ein Beispiel. So könnten zum Beispiel an vielen Stellen im Stadtgebiet Blockheizkraftwerke nicht nur städtische Gebäude mit Wärme versorgen, sondern auch die angrenzenden Gebäude von Unternehmen oder Privatleuten. "Der Wärmesektor ist in Bewegung. Häuser, die heute gebaut werden, haben zum Beispiel einen wesentlich geringeren Energiebedarf." Potenzial sieht Kreft auch bei der Erzeugung und dem Verkauf von regenerativer Energie. Der städtische Haushalt würde profitieren Wenn die Stadtwerke als Energieversorger auftreten, dann könnten diese eher als fairer Versorger agieren als die klassischen Großunternehmen mit Zentralen irgendwo in Europa. Die würden gegenüber ihren Anteilseignern oft hohe Renditeversprechen abgeben, die auch schnell zu hohen Preisen für die Kunden führen könnten. Das Zauberwort heißt hier "Rekommunalisierung". Löhne ist an Westfalen-Weser-Energie beteiligt, betreibt das Gasnetz und hat es wieder verpachtet. So sei die Einflussnahme auf die örtliche Gas-und Stromversorgung gestiegen. Und von den Einnahmen würde der städtische Haushalt und so die Bürger profitieren. Kreft sieht die Chance auf weitere Geschäftsfelder. "Der Fokus ist dabei immer primär auf den Kunden zu richten, der idealerweise alles, was sein Grundstück, seine Wohnung oder sein Haus betrifft, aus einer Hand bekommt." 100.000 Euro Steuern sparen Für die Stadt hat die Gründung von Stadtwerken einen weiteren finanziellen Anreiz. Es lässt sich ein steuerlicher Querverbund herstellen. So können die Verluste aus dem Bäderbetrieb mit den Gewinnen aus der Wasser- und Energieversorgung verrechnet werden. Mindestens 100.000 Euro kann die Stadt sparen, das haben Experten der Beratungs- und Prüfungsgesellschaft ausgerechnet. Noch kann man einen solchen Querverbund nicht herstellen, weil es noch keine Verbindung zwischen dem Bäderbetrieb auf der einen Seite und dem Versorgungsbetrieb, zurzeit noch unter dem Dach der Wirtschaftsbetriebe, auf der anderen Seite gibt. Das ändert sich. Auf dem Gelände des Frei- und Hallenbads soll bis zum Ende des Jahres ein Blockheizkraftwerk (BHKW) ans Netz gehen. Mit dem BHKW lässt sich der größte Teil des Wärmebedarfs der Bäder abdecken. Sollte es zur Gründung von Stadtwerken kommen, werden auch verschiedene Beteiligungen der Stadt unter deren Dach geführt. Zum Beispiel die Westfalen-Weser-Netz, Gasnetz Löhne oder Nahwärme OWL.

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