Um sich zu schützen, hatte der Mann viele Waffen in dem leerstehenden Haus gebunkert. - © Andreas Frücht
Um sich zu schützen, hatte der Mann viele Waffen in dem leerstehenden Haus gebunkert. | © Andreas Frücht

Löhne Obdachloser verbarrikadiert sich mit Waffen in Löhner Abrisshaus

Der 41-jähriger Dachdecker aus Löhne besetzte einen verlassenen Bauernhof, weil er zuhause rausgeflogen war.

Ulf Hanke
15.05.2019 | Stand 15.05.2019, 10:21 Uhr

Löhne. Hinter der Eingangstür und neben den Fenstern hingen griffbereit mehrere Äxte, Speere, Schleudern, Hämmer und Messer. Mit drastischen Worten beschrieb der Einsatzleiter der Polizei am Dienstag vor Gericht, was die Beamten in dem einsamen Bauernhaus am Unteren Hellweg in Gohfeld fanden, als sie die Türen öffneten. Am Eingang pinnte zudem ein Zettel mit einer Drohung: "Beim nächsten Einbruch seid ihr dran!" Außerdem hatte der Hausbesetzer die öffentliche Stromleitung angezapft und dafür die Panzersicherung überbrückt. Der Mann auf der Anklagebank sah allerdings nicht so gefährlich aus, wie die Anklage der Staatsanwaltschaft Bielefeld vermuten ließ. Dort saß am Dienstag ein 41 Jahre alter, obdachloser Dachdecker mit Alkoholproblem aus Löhne. Er wohnte offenbar mehrere Monate lang in dem leerstehenden Bauernhaus am Gewerbegebiet Scheidkamp ohne Wasser, Heizung und nur wenige Tage mit improvisiertem Strom. Der Mann ist eher schmächtig, in seinem Mund fehlen zahlreiche Zähne. Die Stadt Löhne hatte das Bauernhaus gekauft und ließ es am 4. September durch die Polizei räumen. An diesem Tag war der Mann nicht im Haus. Der Hof wurde später abgerissen und der Hausbesetzer wegen Hausfriedensbruchs angezeigt. Vor dem Strafrichter des Amtsgerichts Bad Oeynhausen verteidigte sich der Dachdecker selbst und beteuerte, er habe "niemand wirklich schädigen wollen". Zudem sei er stets "unbewaffnet" gewesen, seine Wohnung habe er jedoch durch "Stangen" und sein Dachdeckerwerkzeug abgesichert, "falls jemand kommt". Angeblich seien Jugendliche immer wieder in das besetzte Haus eingestiegen und hätten Graffiti geschmiert. Die wollte er abschrecken. Nach der Trennung zuhause rausgeflogen In den verlassenen Hof sei er gezogen, weil er keine andere Bleibe fand. Nach der Trennung von seiner Frau sei er zuhause rausgeflogen. Im Obdachlosenasyl habe er es nicht lange ausgehalten. "Die haben sich da gegenseitig die Türen und die Birne eingeschlagen", erzählte er dem Strafrichter. Den verlassenen Bauerhof wollte er sogar kaufen. "Ich hätte bestimmt ein, zwei Mieter genommen", erzählte er. Offenbar suchte er außerdem ein Lager für seinen Hausrat. Teile davon vermisse er noch immer. Polizei und Stadtverwaltung hatten das Haus geräumt und die Einrichtung hängerweise abtransportiert. Ein Mitarbeiter der Stadt Löhne erzählte, wie er das Bauernhaus nach dem Kauf durch die Stadtverwaltung aufgesucht und zu seiner Überraschung den Mann dort angetroffen hatte, der laut Musik hörte. "Ich habe ihm freundlich zu verstehen gegeben, dass er nicht in dem Haus wohnen kann", sagte der Stadt-Mitarbeiter. "Und zwar mehrmals." Das Haus sei unverzüglich zu räumen. Der Mann sei allen Aufforderungen nicht nachgekommen, weshalb die Polizei um Amtshilfe gebeten wurde. Der obdachlose Dachdecker bestritt diese Darstellung. Die Stadt habe ihm eigentlich eine Woche Zeit dafür gegeben, behauptete er vor Gericht, dann hätte er das auch geschafft. Er kenne seine Rechte und behauptete etwas wirr: "Sozialrechtlich habe ich ein Duldungsrecht laut EU." Nicht auszudenken, wenn der Mann die Waffen benutzt hätte Der Richter hörte sich diese Ausführungen an und erklärte dem Angeklagten, dass das Einsteigen in das fremde Eigentum sehr wohl Hausfriedensbruch sei. Ein Schaden sei allerdings nicht entstanden, das Haus auch inzwischen abgerissen. Außerdem habe sich der Angeklagte in einer Notsituation befunden. Das Verbarrikadieren wertete der Richter dagegen als "ziemlich dreist". Nicht auszudenken, wenn tatsächlich Jugendliche auf dem Grundstück erschienen wären und der Angeklagte die Waffen benutzt hätte. Wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, verurteilte der Richter den obdachlosen Dachdecker dann zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 10 Euro (600 Euro). Hartz-IV-Empfänger müssen normalerweise mit einem Tagessatz von 15 Euro rechnen. Die Geldstrafe kann auf Antrag von der Staatsanwaltschaft in gemeinnützige Arbeit umgewandelt werden.

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