Zwei von Dreien: In ganz Löhne sind Windräder eine Seltenheit. Alle stehen in Mennighüffen. Für ein geplantes Windrad muss erst geprüft werden, ob es an der ausgewiesenen Fläche genügend Wind gibt. Foto: Felix Eisele - © Felix Eisele
Zwei von Dreien: In ganz Löhne sind Windräder eine Seltenheit. Alle stehen in Mennighüffen. Für ein geplantes Windrad muss erst geprüft werden, ob es an der ausgewiesenen Fläche genügend Wind gibt. Foto: Felix Eisele | © Felix Eisele

Löhne Flaute für die Windkraft in Löhne

Energiequelle: In der Werrestadt fehlt es nicht an Luftströmungen. Es gibt aber verschiedene Gründe, warum es die Windkraft so schwer hat. Und zwar nicht nur die großen Anlagen, sondern auch die für den Garten

Dirk Windmöller
04.05.2019 | Stand 03.05.2019, 18:28 Uhr

Löhne. Öl und Gas spielen noch immer eine entscheidende Rolle in der Energieversorgung. Doch alternative Energieträger wie Solarenergie und Windkraft werden immer wichtiger. Die Landesregierung diskutiert zurzeit, welche Entwicklungsmöglichkeiten die Windkraft in NRW in Zukunft haben soll. Das Thema ist umstritten. Es geht um Mindestabstände zu Wohngebieten, Höhen von Anlagen und die immer wieder ins Gespräch gebrachte „Verspargelung der Landschaft“. Baudezernent Ulrich Niemeyer kennt die Situation in Löhne, wenn es um die großen Anlagen geht. Um Kleinwindkraftanlagen (KWA) für den heimischen Garten weiß die Klimamanagerin Julia Stakelbeck Bescheid. Von Verspargelung kann keine Rede sein Von Verspargelung kann in Löhne keine Rede sein. Nur drei Windkraftanlagen stehen zurzeit im Stadtgebiet. Eine an der Straße Ledebrink in Besebruch, zwei in Mennighüffen, kurz vor der Grenze nach Hüllhorst. „Dass es in Löhne so wenige Anlagen gibt, liegt an der Zersiedelung der Landschaft“, sagt der Baudezernent. Die Stadt hat Vorrangzonen für die Entwicklung von Windkraftanlagen ausgewiesen. Die Auflagen sind hoch und so sind es entsprechend wenig Orte, die infrage kommen. „Entscheidend ist, dass Mindestabstände zur Wohnbebauung eingehalten werden müssen“, sagt Niemeyer. So gibt es nur wenige Orte, wo Windkraftanlagen mit einer maximalen Höhe von 100 Meter genehmigt würden. „Da haben wir im gesamten Stadtgebiet noch Platz für vier Anlagen.“ Dass diese gebaut werden, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Die technische Entwicklung ist längst in ganz anderen Dimensionen unterwegs. „Mittlerweile sind 200 Meter der Standard.“ Das wiederum führt dazu, dass sich die Abstände entsprechend erhöhen. „Je höher die Anlage, desto größer der Schutzradius“, sagt Niemeyer. Und das bedeutet, dass bei einer Höhe von 200 Metern mindestens 450 Meter Abstand bis zur nächsten Wohnbebauung sein müssen. "Da spricht man von Discoeffekt" Und weil da schon ein Wohnhaus diesen Mindestabstand definiert, hat sich dieses Thema für Löhne quasi erledigt. Es gibt nur eine Fläche, die diese Voraussetzungen erfüllt – am Hillpark. Dort ist eine Fläche für eine mögliche Windkraftanlage ausgewiesen. „Hier könnte eines stehen, Planungen dazu gibt es aber noch nicht“, sagt Stadtsprecherin Ursula Nolting. Die Mindestabstände sind unerlässlich, allein wegen der Geräuschentwicklung. Und auch wegen des Schlagschattens, der durch die Drehung des Rotors im Sonnenlicht entsteht. „Da spricht man vom Discoeffekt“, sagt Niemeyer. Löhne ist zu zersiedelt. „Man kann schon sagen, dass sich das nur dort lohnt, wo sich kompakte Siedlungsstrukturen entwickelt haben. Das trifft für den Kreis Herford an vielen Stellen nicht zu.“ Weil die Höhenvorgabe von 100 Metern für Investoren nicht mehr wirtschaftlich sind, kommen auch keine Anfragen, sagt Ulrich Niemeyer. Wenn sich an diesen Voraussetzungen nichts ändert, werden neue große Windkraftanlagen in Löhne in den nächsten Jahren wahrscheinlich nicht gebaut werden. Windmühlen auf Dächern Bei den sogenannten Kleinwindkraftanlagen mit einer Leistung von eher unter fünf Kilowatt sieht es auch nicht viel besser aus. Diese Anlagen kann man im Garten aufstellen. Chancen könnten sich auch für Unternehmen bieten. „Sie haben den Vorteil, dass das Genehmigungsverfahren sehr einfach ist“, sagt die städtische Klimamanagerin Juli Stakelbeck. Bis zu einer Höhe von zehn Metern sei keine Baugenehmigung erforderlich. Ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren reiche bei einer Höhe von bis zu 30 Metern aus. Diese Windmühlen können auch auf Dächern montiert werden. „Da muss man aber sehr genau untersuchen, ob die statischen Voraussetzungen erfüllt werden.“ Darüber hinaus müsse sehr genau geprüft werden, ob es am gewünschten Standort windig genug sei. „Experten raten, dass über ein Jahr der Wind gemessen werden sollte“, sagt Stakelbeck. In den meisten Fällen sei die Wirtschaftlichkeit noch nicht gegeben. Das könne sich aber natürlich mit Blick auf die technische Entwicklung ändern. Aus ihrer Sicht haben Photovoltaikanlagen in Löhne den höchsten Kosten-Nutzen-Effekt. Da gebe es hier noch viele Dächer mit einer guten Ausrichtung zur Sonne. Sowohl auf Privathäusern als auch auf Unternehmen.

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