0

Löhne Tätowierer kämpft sich nach Unfall zurück ins Leben

Dennis Matthäus hat vor zwei Jahren einen Motorradunfall nur knapp überlebt. Mit einem Tattoostudio in Mennighüffen erfüllt er sich seinen Traum. Der Laden heißt wie sein Mantra „Never give up“

Susanne Barth
30.04.2019 | Stand 30.04.2019, 12:07 Uhr

Löhne. Den 1. April 2017 wird Dennis Matthäus nie mehr vergessen. Ein 79-jähriger Mann hat ihm damals auf einer Landstraße die Vorfahrt genommen. Matthäus konnte auf seinem Motorrad nicht mehr reagieren, prallte gegen das Auto, flog von der Maschine und verletzte sich schwer. Nur knapp hat er den Unfall überlebt, sitzt seitdem im Rollstuhl. Unterkriegen lässt sich Matthäus aber nicht. Er kämpft sich zurück ins Leben, lernt wieder laufen und eröffnet im Sommer einen Tattooshop in Löhne. Der Name ist sein Motto „Never give up". Neben einem Spielplatz an der Lübbecker Straße 187 liegt sein Traum. Dort, wo einst Fotokopierer standen, will Matthäus bald Erinnerungen auf die Haut bringen. Die Geschäftsräume stehen etwas versetzt zur Hauptstraße. „Praktisch, so kann ich hier Parkplätze anbieten", sagt Matthäus. Sein Mofa mit drei Rädern, Dach und einer Halterung für seinen Rollstuhl steht hier schon. In Schwarz, mit zwei Totenköpfen auf der Haube und dem Logo des Tattoostudios auf der Tür. „Auf ein Motorrad setze ich mich nicht mehr." "Ich laufe denen schon zu viel" Außen sieht bisher nur der Schriftzug nach einem Tattoostudio aus, innen herrscht noch Chaos. „Ich mache viel in Eigenregie", sagt er mit ruhiger Stimme. Ruhe ist sein zweites Motto. „Ich werde langsam zu alt für mein hektisches Leben", sagt der heute 34-Jährige ernst. Auch seine Ärzte empfehlen ihm, dass er alles ruhiger angehen soll. „Ich laufe denen schon zu viel." Seit dem Unfall ist er auf den Rollstuhl angewiesen, „ab der Hüfte abwärts ist es schlimm". Zwei Monate lag er im künstlichen Koma, dann folgte die Reha. Es hieß, dass er nie wieder laufen könne. „Doch ich habe es durchgezogen." Mit Krücken geht er langsam, aber er geht. Lange kann er das aber nicht machen. „Ich habe dauerhaft Schmerzen, die vom Level her variieren. Wird es zu extrem, muss ich den Rollstuhl nehmen." In ihm sitzt er auch beim Tätowieren: „Dabei brauche ich fast keine Schmerzmittel, da bin ich im Flow." "Die härteste Lehre, die ich kriegen konnte" Den extremen Schlag in seinem Leben bezeichnet der 34-Jährige als seine zweite Chance. „Es war die härteste Lehre, die ich kriegen konnte." In seinen 34 Lebensjahren hat er schon einiges erlebt, all diese Momente, Erinnerungen, Geschichten trägt er auf seinem Körper. Zählen kann er seine Tattoos schon lange nicht mehr. Auch die Zeit des Unfalls verarbeitet er auf diese Weise: „Auf dem Rücken." Das Tätowieren ist seine Leidenschaft. „Es ist das einzige, was mir geblieben ist." Ohne Tattoos kann er sich ein Leben nicht mehr vorstellen. Auch auf seinem Gesicht sind künstlerische Bedeutungen geprägt. „Ich bin nicht so böse, wie ich aussehen", sagt er und grinst. Vielmehr ist sein Mantra: „Die Welt kann gar nicht bunt genug sein." Der Laden wurde nie eröffnet In seinem neuen Studio in Mennighüffen möchte er seine Kunden glücklich machen. Um das passende Motiv zu finden, will er sich viel Zeit nehmen. „Die gemeinsam Planung ist wichtig", sagt er. Massenabfertigungen seien nicht sein Ding. „Ich will den Leuten etwas eigenes bieten, etwas kreieren und nicht 0815 machen." Das Studio in Löhne ist nicht das erste für Matthäus. 15 Tage vor der Eröffnung von „Dennis Tattoos" ist der fast tödliche Unfall passiert. Der Laden war fertig, aber wurde nie eröffnet. Im Juni vergangenen Jahres hat er das „Never give up" in Bad Oeynhausen eröffnet, mit dem Studio zieht er nun nach Löhne. „Ich sitze zwar im Rollstuhl und kann nur bedingt laufen, aber arbeiten ist kein Ding. Da gebe ich Vollgas und beiße mich durch", schreibt er in einem Facebook-Post, bei dem er auf die Eröffnung am 1. Juli hinweist. "Ich muss an meine Kinder denken" Dafür ackert er richtig. „Das hier soll meine Arche werden", sagt Matthäus und lässt die Augen über den Raum schweifen. Er kann sich schon gut vorstellen, wie es aussehen soll. „Dort", sagt er und zeigt auf eine Ecke, „könnte ein Arbeitsplatz für Gasttätowierer entstehen." Wichtig ist, dass er immer wieder Pausen macht, viel sitzt. „Ich muss an mich, meine Gesundheit und meine Kinder denken." Eine Tochter und einen Sohn hat er. „Für sie will ich es jetzt richtig machen." Ins Detail geht Matthäus dabei nicht, nur so viel: Auffallen will er in Zukunft nur noch mit seinen Arbeiten. Die trägt er stolz auch auf seiner Haut. Mit einem kleinen Drachen hat seine Tattoosucht mit 15 Jahren angefangen. „Davon ist nur noch die Farbe Lila übrig." Es werde einfach noch zu viel unprofessionell gestochen. „Ich will es anders machen und bilde mich daher regelmäßig weiter." Sowohl zur Farbe, als auch zur Technik. „Man lernt schließlich nie aus." Sein Ziel: Von Tattoo zu Tattoo besser zu werden.

realisiert durch evolver group