Symbolbild - Im eigenen Badezimmer hat ein 35-jähriger Mann aus Löhne Frauen beim Gang auf die Toilette gefilmt. - © Greßhöner
Symbolbild - Im eigenen Badezimmer hat ein 35-jähriger Mann aus Löhne Frauen beim Gang auf die Toilette gefilmt. | © Greßhöner

Löhne 35-jähriger Löhner filmt Frauen heimlich auf der Toilette

Ein Mann soll im eigenen Bad eine Kamera installiert haben. Die Polizei fand bei ihm auch Kinderpornografie. Die Wohnung wurde nur durchsucht, weil es vorab einen ähnlichen Vorfall gab

Susanne Barth
15.04.2019 | Stand 16.04.2019, 08:13 Uhr

Löhne. Es ist ein extremer Vertrauensbruch, den der Angeklagte bei seinen Freunden und Bekannten begangen hat. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 35-jährigen Löhner vor, dass er Frauen in seinem eigenen Badezimmer beim Gang auf die Toilette gefilmt hat. Damit noch nicht genug. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei mehr als 320 kinderpornografische Fotos und Filme auf seinem Laptop und seinem Handy. Eine Tat gibt der Löhner vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen zu. Die Anklage der Staatsanwaltschaft ist ungeheuerlich. Heimlich soll er Film- und Tonaufnahmen von seinen weiblichen Gästen im Bad gemacht haben – beim Gang auf die Toilette. Das „entblößte Gesäß beim Hinsetzen und Aufstehen" soll er gefilmt und die Aufnahmen gespeichert haben. Damit hat der Vater einer vierjährigen Tochter den „höchstpersönlichen Lebensbereich" der Frauen verletzt. Fünf Mal hat er die Kamera betätigt, das gibt der Angeklagte zu. Er hat dafür sein eigenes Smartphone benutzt. Via einer App hat er die Kamera darauf aktiviert. „Es gibt für alles eine App", sagt der 35-Jährige. „Es hat mich nicht so sehr befriedigt, wie ich es gedacht hatte" „Ich habe aus Interesse heraus angefangen und es aber selbst wieder beendet." Der Zeitraum erstreckt sich laut dem Löhner auf sechs bis acht Wochen. Es waren seine eigenen Gäste, die er gefilmt hat. Ein, zwei, drei Mal will er sich die Videos anschließend angeschaut, sie sortiert und auf dem PC archiviert haben. „Aber dann war es das." Warum er damit aufgehört hat, will Richter Cornelius wissen. „Es hat mich nicht so sehr befriedigt, wie ich es mir gedacht hatte", antwortet der Angeklagte. Außerdem habe er ein „schlechtes Gewissen" gegenüber den Frauen bekommen. Auf die Idee, so heimlich Videos aufzunehmen, kam er durch Filme, die er sich im Internet angeschaut hat. „Ich war zu der Zeit viel im Netz unterwegs, habe so was gesehen und gedacht, was andere können, kann ich auch." In einschlägigen Chatrooms sei er nahezu „täglich" unterwegs gewesen. Auf diesen Seiten, so erklärt es der Löhner, gebe es einen regen Austausch von Fotos, Videos, Musik. Da er sich nicht durch alle Dateien durchklicken wollte, hat er wieder eine App genutzt, die ihm alles auf seinem Computer runterlädt und speichert. „Es lag nicht in meiner Kontrolle was runtergeladen wird", sagt der 35-Jährige erst, später erwähnt er allerdings, dass die Betreiber der Seiten ihm gesagt hätten, alle Mädchen seien über 18 Jahre alt. Nur „einen Teil der Bilder", auf denen „einschlägige sexuelle Posen und Handlungen" zu sehen sind, habe er sich angesehen. Denn: „Es war zu viel Schwachsinn dabei." Die Geräte bekommt er nicht zurück 321 kinderpornografische und 18 jugendpornografische Fotos und Filme hat die Polizei letztlich auf seinem Laptop sichergestellt. Die Fotos wurden dem Richter, der Staatsanwältin, dem Verteidiger und seinem Mandanten als Beweismittel vorgelegt. Verteidiger Oelgeklaus stellt einen Beweisantrag, dass ein „anthropologisches Gutachten" klären soll, ob die abgebildeten Mädchen über 18 oder zumindest über 15 Jahre alt sind. Den Antrag weist Richter Cornelius zurück: „Die Einordnung kann das Gericht selbst machen." In seiner Urteilsbegründung spricht er von „sehr jungen Darstellerinnen". Das sei am Körperbau, dem Brustwachstum, aber auch anhand der Gesichtszüge zu erkennen. Einzelne kinderpornografische Fotos seien so deutlich zu identifizieren, die Mehrzahl seien jugendpornografisch. Zu Gute hält der Richter dem Angeklagten, dass er die Vorwürfe zu den eigenen Filmen „immerhin eingeräumt" hat und die Taten schon lange zurückliegen (März 2016 bis Juli 2017). Sieben Monate auf Bewährung und damit dem Antrag der Staatsanwältin folgend, spricht der Richter als Strafe aus. Seinen Laptop und sein Handy, die der Angeklagte gerne wieder haben wollte, werden verwahrt. „Es gibt keinen Grund, warum Sie die Geräte wiederbekommen sollten", urteilt der Richter. Auslöser für den Prozess vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen war ein Vorfall, der in Paderborn spielte. Auf einer Toilette in einer Volksbank soll der 35-Jährige ebenfalls heimlich Videos gemacht haben. Da daraufhin die Wohnung des Löhners durchsucht wurde, fanden die Polizisten die heimlich aufgenommenen Toiletten-Videos sowie die kinder- und jugendpornografischen Schriften. Die Staatsanwaltschaft Paderborn hat den Fall im vergangenen Jahr eingestellt. Deswegen ist der Mann nicht vorbestraft gewesen.

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