Auf zwei Rädern: DJ Quik bringt seinen Buggy in Schräglage. - © SANDRA C. SIEGEMUND
Auf zwei Rädern: DJ Quik bringt seinen Buggy in Schräglage. | © SANDRA C. SIEGEMUND

Löhne Schausteller-Familie kampiert am Löhner Kaiser-Center

Die Familie Lagrin unterhält ihr Publikum mit einer waghalsigen Stunt-Show. Ein leichtes Leben haben die Artisten nicht

Löhne. Es gibt nicht viele Menschen, die sich ein eigenes Auto bauen. Dominik Lagrin junior ist einer von ihnen. Stolz steht er vor dem Einzelstück. Dem Monstertruck „Lagrin Tsunami". „Bei dem habe ich jedes Rohr mit der Hand gebogen", sagt er. Monatelang hat er an seinem neuen Auto gearbeitet, unterstützt von seinem Vater Dominik. Das Familienunternehmen „Lagrins Action Sport Team" hat zum zweiten Mal den Winter auf einer Freifläche am Kaiser-Center verbracht. Die Winterpause wird dafür genutzt, den großen Fuhrpark für die nächste Saison fit zu machen. Die Lagrins sind mit ihrer Monster-Truck-Show seit Jahrzehnten in ganz Deutschland unterwegs. „Zu unserer Show gehören 25 Fahrzeuge. Vom Quad und Motorrad bis zu den Monstertrucks", sagt Dominik Lagrin. Insgesamt ist unser Fuhrpark rund 200.000 Euro wert." Monster-Truck selbstgebaut Bestes Stück ist der neue Monstertruck, den Dominik Lagrin junior gebaut hat. „Da stecken rund 60.000 Euro drin", sagt Lagrin. Nicht nur der rund 300-PS-starke Motor, auch andere Teile stammen aus den USA, dem Mutterland der Monster-Truck-Shows. Nicht nur den neuen Truck habe die Lagrins selbst gebaut. „Die Reparaturen an unseren Fahrzeugen machen wir zum größten Teil selbst. Die für jede Reparatur in die Werkstatt zu bringen wäre nicht zu bezahlen", sagt Lagrin senior. Mit ihren Autos und Motorrädern zeigen die Fahrer waghalsige Stunts, springen über Autos, durch eine Feuerwand oder drehen in einem Todesrad ihre Runden. Der Preis ist hoch. „Ich habe mir schon ziemlich viel gebrochen, aber wo ist es schon sicher", sagt Lagrin junior. Tauschen möchte er mit niemanden. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht." Und in diesem Beruf hat er schon Jahrzehnte Erfahrung. Sein erstes Quad bekam er im Alter von zweieinhalb Jahren. Seit Generationen Artisten Die Lagrins sind ein reiner Familienbetrieb. Mit neun Personen reisen sie von Stadt zu Stadt. Dazu kommen bei den Auftritten noch drei bis vier Helfer. Seit Generationen sind die Lagrins als Artisten unterwegs. „Ich stamme aus einer Familie von Hochseilartisten. Ich war mit meinen Eltern noch auf den Marktplätzen unterwegs. Dort haben wir unsere Kunst gezeigt", erinnert sich Dominik Lagrin senior. Doch die Zeit sei über diese alte Tradition hinweggegangen. Und so wechselten die Lagrins vom Hochseil ins Fahrerlager. Einfach ist das Leben nicht für die Familie. Probleme gebe es schon, wenn man auf der Suche nach geeigneten Flächen für die Auftritte in den Städten sei. Dazu komme, dass viele Städte die Werbung auf öffentlichen Flächen untersagen. Das ist auch in Löhne so. Da beneidet er die ganz großen aus der fahrenden Unterhaltungsbranche. „Roncalli und Flic Flac werden von den Städten gefragt, ob sie nicht kommen möchten. Das würde ich gerne mal erleben." Kinder bekommen Unterricht von der Zirkusschule Zu einem Leben auf der Durchreise reicht es. Und für ein gemütliches Winterquartier auf dem Gelände des Kaiser-Centers. Aber nicht für ein Haus, in das sich die Familie in der schlechten Jahreszeit zurückziehen kann. „Hier im Kaiser-Center übernehme ich auch kleine Hausmeister-Dienste", sagt Lagrin senior. Von den Kindern der Lagrins sind zwei schulpflichtig. „Die werden dreimal in der Woche von einem Lehrer der Zirkusschule NRW hier bei uns privat unterrichtet. Dazu kommen dann Unterrichtseinheiten über Skype und Online", sagt Melanie Lagrin, Ehefrau von Dominik senior. Das sei ein großer Fortschritt im Vergleich zu ihrer Schulzeit. „Wenn man von Schule zu Schule gereicht wird, ist man entweder ein Exot oder wird gehänselt", beschreibt sie ihre Erfahrung. Führerschein ist die nächste Etappe Tochter Celine hat vor einiger Zeit ihren Realschulabschluss gemacht. „Eine gute Schulbildung für die Kinder ist uns wichtig", sagt Melanie Lagrin. Auch Celine Lagrin ist Teil des Familienbetriebes. Gerade hat sie die theoretische Führerscheinprüfung bestanden. Nach bestandener praktischer Prüfung geht es weiter. „Als nächstes macht sie einen Anhängerschein. Nur mit einem Pkw-Führerschein kommt man bei uns nicht weit", sagt Lagrin senior. Auch wenn das Leben für Lagrins immer wieder auch Existenzkampf bedeutet, ein anderes möchten sie nicht führen. „In dem Moment, wo ich die begeisterten Gesichter der Zuschauer sehe, da fällt der ganze Stress von mir ab", sagt der Chef. Und die Familie nickt zustimmend.

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