120 Kräfte probten bei CT Formpolster den Ernstfall. - © Susanne Barth
120 Kräfte probten bei CT Formpolster den Ernstfall. | © Susanne Barth

Löhne Feuerwehreinsätze haben sich fast verdoppelt

Besonders häufig mussten die Kräfte Feuer löschen. Der größte Einsatz war im März 2018. Dabei verletzten sich fünf Kameraden

Löhne. Bei jedem Einsatz setzen die Löhner Feuerwehrleute ihr Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel. Sie sind da, wenn ein Feuer ausgebrochen ist, Unfälle passiert sind oder Stürme Bäume entwurzelt haben. 254 Feuerwehrleute gibt es in der Stadt, 209 davon machen diese Arbeit ehrenamtlich. Es ist ihr Hobby, ihre Leidenschaft, die mitunter äußerst gefährlich werden kann. 2018 war nicht nur in dieser Hinsicht ein Rekordjahr. Die Einsatzzahlen sind explodiert. Fast doppelt so häufig wie im Vorjahr sind die Feuerwehrleute rausgefahren. 380 Mal waren sie unterwegs (2017: 210). Besonders drastisch hat sich die Zahl der Brandeinsätze erhöht. „Hier gab es eine Steigerung von 130 Prozent", sagt der stellvertretende Leiter, Christian Ehlert, bei der Vorstellung des Jahresberichts. „Und das lag nicht nur an der Trockenheit", ergänzt Chef Ralf Krause. „Auch haben wir markante Feuer gehabt, bei denen es um Menschenleben ging." "Leider konnten wir die Tischlerei nicht retten" Im Gedächtnis wird den Kameraden wohl noch lange Zeit der 3. März 2018 bleiben. Durch eine Verpuffung ist bei der Tischlerei Schormann an der Oeynhausener Straße ein Feuer entstanden. Es entpuppte sich als das größte Brandereignis im vergangenen Jahr. Die Tischlerei brannte bereits lichterloh, als die ersten Kräfte eintrafen und das Feuer drohte auf die Hallen anderer Unternehmen überzugreifen. Feuerwehrleute aus dem ganzen Kreis Herford und Bad Oeynhausen waren involviert. „Wir haben hier sehr gute Arbeit geleistet. Leider konnten wir die Tischlerei nicht retten, aber die anderen Hallen haben wir gehalten", sagt Ehlert, der in seiner Geschichte als Feuerwehrmann zum ersten Mal erlebt hat, das vier Drehleitern auf einmal genutzt wurden. Hier bei diesem Großbrand habe sich gezeigt, dass die Technik und die Ausbildung passt. „Leider haben sich bei dieser Arbeit fünf Kameraden verletzt", sagt Krause. Die Glätte wurde ihnen zum Verhängnis. Häufig musste die Feuerwehr auch zu Wohnungsbränden ausrücken. „Dabei mussten wir leider oft feststellen, dass nicht in allen Wohnungen Rauchmelder installiert sind", sagt Ralf Krause. Das kann im Ernstfall tödlich enden. Denn in den seltensten Fällen ist das Feuer die Todesursache. Krause: „Von Brandrauch wird man nicht geweckt. Bis zu 90 Prozent aller Brandtoten sterben an einer Rauchvergiftung." Er appelliert, Rauchmelder in Schlafzimmern, Kinderzimmern und in Fluren, die als Fluchtwege dienen, anzubringen. "Zwei Menschen sind vom Balkon gesprungen" 82 Menschen (2017: 60) und 16 Tiere (4) haben die Blauröcke aus einer Notlage befreit. So wie beim schwersten Wohnungsbrand des Jahres am 21. September. Hier kam es zu einem Feuer in einem Mehrfamilienhaus. Vier Menschen waren noch im Gebäude. „Zwei sind vom Balkon gesprungen und zwei Personen wurden von der Feuerwehr gerettet", sagt Ehlert. Der Brand zerstörte das Wohnzimmer komplett, nur noch die nackten Steinwände blieben stehen. „Das war ein Totalschaden." Im selben Atemzug geben Krause und Ehlert Tipps, wie man sich bei Bränden verhalten sollte. Kann man sich aus der Wohnung in den Flur retten, unbedingt die Tür schließen, aber nicht abschließen. Bleibt sie offen, kann sich der Rauch schnell verteilen und anderen den Fluchtweg abschneiden. „Kann man nicht mehr fliehen, am Fenster bemerkbar machen." Ehlert: „Auch wenn man nur zum Einkaufen geht, alle Türen schließen." Wenn es zu einem Brand kommt, kann sich das Feuer so nicht so schnell ausbreiten. Während der Arbeit von Schaulustigen angegriffen zu werden, ist für Rettungskräfte in Deutschland keine Seltenheit mehr. „Bei uns hält sich das glücklicherweise noch im Rahmen", sagt Krause. Die Feuerwehr Löhne legt ihr Hauptaugenmerk daher auf die Psychosoziale Unterstützung (PSU) der eigenen Mitglieder. »Wenn wir alles machen würden, was nötig ist, bräuchten wir Millionen« Denn nicht nur Betroffene und Angehörige müssen bei einem Einsatz betreut werden. Bei der PSU-Einheit geht es um die Notfallseelsorge von Kamerad zu Kamerad. „Die Helfer sollen durch Gespräche erkennen, ob jemand Hilfe benötigt." Diese Unterstützung sei enorm wichtig, so der Feuerwehrchef. Gerade bei Einsätzen im Bereich der Bahn gehe die Arbeit nicht spurlos an den Helfenden vorbei. Technisch sei die Feuerwehr hingegen gut ausgerüstet. Es gibt eine Drohne mitsamt Wärmebildkamera und alle Funkmelder sind neu. Mit der neusten Technik lässt sich viel spezialisierter und zielorientierter alarmieren. Die größte Anschaffung war ein neues Löschfahrzeug für die Wache. Um für die Zukunft weiter gerüstet zu sein, muss auch der bauliche Rahmen stimmen. Krause: „Wir fahren in allen Bereichen am Limit." Um- oder Neubau des Feuerwehrhauses Mennighüffen steht an, Obernbeck ist platzmäßig am Ende und auch die Wache platzt aus allen Nähten. „Hier kriegen wir kaum noch einen Ordner unter", sagt Krause. „Wenn wir alles machen würden, was nötig ist, bräuchten wir einen zweistelligen Millionenbetrag."

realisiert durch evolver group