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Nach 3,5 Jahren freuen sich Lehrer und Schüler über den erfolgreichen Abschluss: Joseph Oeding (Lehrer, v.l.), Thomas Tak (Absolvent), Dagmar Schröder (Lehrerin), Michael Dunker (Lehrer), Absolventen Denise Ruschemeier, Moritz Rave, Jochen Mohn und Daniele Birkenhake, Wolfgang Vincent (Lehrer) und Sven Meyering (Schulleiter). - © Gabriele Freimuth
Nach 3,5 Jahren freuen sich Lehrer und Schüler über den erfolgreichen Abschluss: Joseph Oeding (Lehrer, v.l.), Thomas Tak (Absolvent), Dagmar Schröder (Lehrerin), Michael Dunker (Lehrer), Absolventen Denise Ruschemeier, Moritz Rave, Jochen Mohn und Daniele Birkenhake, Wolfgang Vincent (Lehrer) und Sven Meyering (Schulleiter). | © Gabriele Freimuth

Löhne Fünf Löhner Abendschüler erhalten Abiturzeugnis

Nach 3,5 Jahren harter Arbeit haben drei Männer und zwei Frauen ihren Abschluss nachgeholt. Die Absolventin Denise Ruschemeier will mit einem Lehrerstudium weiter lernen

Gabriele Freimuth
21.12.2018 | Stand 20.12.2018, 18:32 Uhr

Löhne. Fünf Abende in der Woche, von 17.45 bis 21.45 Uhr, über dreieinhalb Jahre hinweg. Das macht man nicht einfach so nebenbei. Danjana Schröder, Lehrerin am Abendgymnasium für Deutsch und Geschichte, hat großen Respekt vor der Leistung ihrer Schüler. „Einerseits bringen die Teilnehmer schon viel Erfahrung aus dem Berufsleben mit, andererseits ist die Schulzeit schon lange her, und das Lernen selbst muss wieder erlernt werden", fasst sie es nüchtern zusammen. Dazu kommt noch die Tatsache, dass die Schüler gleichzeitig arbeiten und sich oft auch um ihre Familie kümmern müssen. Da ist es kein Wunder, dass von zwölf Teilnehmern am Anfang es nur fünf bis zum Abitur geschafft haben. Aber gerade die geringe Größe des Kurses hat Vorteile gebracht. Die Dankesreden machen deutlich, wie arbeitsreich die Jahre bis zum Abitur waren. Durch den eher familiären Umgang in der Gruppe wurde das wieder wett gemacht. So fiel beispielsweise der Unterricht am 40. Geburtstag von Teilnehmerin Daniela Birkenhake aus – denn da wurde eben gefeiert. „Ich brauchte einfach Input fürs Gehirn" Joseph Oeding, seit über sechs Jahren Lehrer für Französisch, Soziologie und Geschichte, nahm sichtlich gerührt das Angebot an, die Teilnehmer zu duzen. „Das ist ein Kompliment für mich. Ein Zeichen des gegenseitigen Vertrauens", sagt er und lädt die drei Absolventen und zwei Absolventinnen für den nächsten Sommer zum Grillen ein. Eine von ihnen ist Denise Ruschemeier. Sie arbeitet eigentlich in einem Seniorenheim in der Hauswirtschaft. Als ihre Tochter langsam flügge wird, möchte sie etwas Sinnvolles nur für sich tun. Anstatt sich wie viele andere bei der Volkshochschule für einen Sprachkurs anzumelden oder mehr Sport zu treiben, entscheidet sie sich dafür, das Abitur nachzuholen. "Für meine Tochter bin ich ein Vorbild" „Ich brauchte einfach Input fürs Gehirn", begründet sie ihre Entscheidung. „Und Ruhe vor der Familie", ergänzt ihr Mann Marcus mit einem Augenzwinkern. Zusammen mit Tochter Antonia hat er den ungewöhnlichen Entschluss seiner Frau von Anfang an unterstützt. „Für meine Tochter bin ich jetzt ein Vorbild. Sie lernt nämlich selbst gerade fleißig für den Q-Vermerk in der Schule", ergänzt Ruschemeier. Und jetzt nach über drei Jahren voller Stress wird doch sicher erst einmal Pause gemacht, oder? Mitnichten – die frisch gebackene Abiturientin will jetzt weiter machen und Grundschullehrerin werden. Denn eigentlich ist sie gelernte Erzieherin und möchte wieder mit Kindern arbeiten. Aber das ist natürlich ein Vollzeitstudium. „Ja", lächelt sie, „ein Vollzeitstudium – und nebenbei arbeite ich weiter". Wenn man sie da so glücklich und selbstbewusst mit ihrer Familie stehen sieht, hegt man keinen Zweifel daran, dass sie schaffen wird, was sie sich vorgenommen hat.

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