Alina Rolland beim Stöbern durch den Kleiderladen des DRK Löhne. Foto: Louis Klingbeil - © Louis Klingbeil
Alina Rolland beim Stöbern durch den Kleiderladen des DRK Löhne. Foto: Louis Klingbeil | © Louis Klingbeil

Löhne Lieblingsstücke aus zweiter Hand

Serie Nachhaltigkeit: Spenden statt wegwerfen – das ausrangierte Stück des einen ist für den anderen ein Schatz. Die Praktikanten der NW, Alina Rolland und Louis Klingbeil, haben sich im DRK-Kleiderladen umgeschaut

Alina Rolland
08.12.2018 | Stand 07.12.2018, 16:36 Uhr |

Löhne. Baumwolltasche statt Plastiktüte, Mehrwegbecher statt Coffee-to-Go und auch die einstige Lieblingsjeans muss nicht im Müll landen, sobald sie nicht mehr passt oder gefällt. Nachhaltigkeit hat viele Gesichter. Die NW-Praktikanten, Alina Rolland und Louis Klingbeil, haben dem Thema eine Serie gewidmet und Organisationen besucht, die auf Abfallvermeidung und Wiederverwertung setzen. Heute im Fokus: Der DRK-Kleiderladen „von mir zu dir“. Mitten in Löhne-Ort liegt der Kleiderladen des Roten Kreuzes. Das Schaufenster ist eher unscheinbar. Als wir den Kleiderladen betraten, hatten wir daher eine zentrale Frage im Kopf, die unser Besuch beantworten sollte: Wird sich unsere Weiterempfehlung eher an Oma und Opa richten, oder entdecken wir einen neuen Geheimtipp, und schicken unseren Freunden direkt den Standort per WhatsApp? 2015 entstand die "Kleiderkirche" Das gemeinnützige Second-Hand Geschäft in Löhne-Ort ist nur eine unter vielen Sozialleistungen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Gestemmt wird das Projekt ehrenamtlich von 24 Helfern zwischen 11 und 75 Jahren. Gegründet wurde der Kleiderladen 2015 in der entwidmeten Johanneskirche in Melbergen. Dort wurde die Aktion wegen der damals aufkommenden Flüchtlingswelle ins Leben gerufen. Die DRK-Ortsgruppe Löhne wollte den Menschen in ihrer neuen Heimat eine günstige Einkleidemöglichkeit bieten. Die „Kleiderkirche“ entstand. Mittlerweile sind die Baptisten in der einst evangelischen Kirche und die Kleiderkammer musste einen neuen Standort suchen. Mit dem Umzug in diesem Jahr veränderte sich auch das Motiv der Aktion drastisch. Denn was man sich unter einer „Kammer“ vorstellt, trifft auf den neu eröffneten Laden Am Obernfeld 2 nicht mehr zu. Der einladende Raum mit den beleuchteten Kleiderständern und hellen Umkleiden lässt eher auf eine Boutique als eine Altkleiderausgabe schließen. "Bei uns gibt es Kleidung für jedermann" Das merke ich sofort, als ich den Laden betrete; viele Kunden schlendern durch die gut sortierten Kleiderständer. Dicke Mäntel hängen dort ebenso wie Jeans in den verschiedensten Größen, Winterboots stehen neben Turnschuhen. Die Atmosphäre ist freundlich. Auch die Mitarbeiterinnen vor Ort, Sabine Brackmann, Karin Brauer und Heike Pörtner, die die Arbeit ehrenamtlich machen, betonen: "Bei uns gibt es Kleidung für jedermann, egal ob Arzt, Mutter oder Nichtsesshafter.“ Es freut sie, wenn sich auch gut situierte Menschen für die Kleidung aus zweiter Hand interessieren: ,,Bei uns gibt es genug Kleidung für alle, da braucht sich niemand schlecht fühlen, wenn er ein Schnäppchen macht.“ Die Preisspanne liegt zwischen 50 Cent und neun Euro – je nach Art der Kleidung. Bei der Preisgestaltung zeigen sich die Mitarbeiter flexibel. So können sie für Bedürftige gerne mal in den Hintergrund rücken, werden aber für niemanden erhöht, merken sie an. Trendy Jeansjacke und coole Melone Ein ganz anderer Grund für die Beliebtheit des Ladens lässt sich nicht an Zahlen festmachen. Als wir einen langjährigen Kunden beim Stöbern ansprechen, sagt er von sich aus: "Kleidung findet man überall, ich komme hier her wegen der Leute.“ Und er ist nicht der einzige, der aus diesem Grund gerne nach Löhne-Ort kommt. Beim Betreten des Kleiderladens ist das erste, das mir auffällt, nicht etwa Kaufhausmusik, sondern die angeregten Gespräche der Anwesenden. Die Mitarbeiterinnen wissen sofort, was ich meine: „Bei uns gibt es eben nicht nur Kleidung, sondern Gesellschaft.“ Von Seiten des Kleiderladens sieht man große Zukunft in der Second-Hand-Branche, weil sich nicht nur die Käufer freuen, sondern auch die Spender. "Viele trennen sich nur von ihren alten Lieblingen, wenn sie wissen, dass jemand anderes einen größeren Nutzen aus ihnen trägt“, erklärtuns die leitende Mitarbeiterin Sabine Brackmann. Als wir aber endlich selbst durch das Kleidungsrepertoire stöbern, leuchtet uns ein, wieso sich der Kleiderladen über den breit gefächerten Kundenkreis freuen darf. Denn direkt neben dem großzügig bestickten Pullover, der das Herz meiner Oma höher schlagen lässt, hängt die trendy Jeansjacke, die im Moment in keinem modebewussten Kleiderschrank fehlen darf. Als Louis sich für ein Foto die schwarze Melone aufsetzte, waren die Mitarbeiterinnen so begeistert, dass er den Hut gleich mit nach Hause nehmen durfte. Ich selbst habe nichts gefunden, werde aber definitiv wieder kommen. Und beim nächsten Mal Bekannte mitbringen. Das liegt nicht nur an der offenherzigen Art der Mitarbeiter, sondern auch daran, dass für jeden was dabei ist.

realisiert durch evolver group