Einzigartiger Stil: Klare Linien, ausdrucksstarke Landschaften und vielfältige Textelemente prägen das Werk von Wulf Reinshagen. - © Felix Eisele
Einzigartiger Stil: Klare Linien, ausdrucksstarke Landschaften und vielfältige Textelemente prägen das Werk von Wulf Reinshagen. | © Felix Eisele

Eine Symbiose aus Schrift und Farbe

Ausstellung: Der Bad Oeynhausener Künstler Wulf Reinshagen zeigt in der Galerie an der Christuskirche einen Querschnitt aus 50 Jahren seines Schaffens. Eröffnet wird die Exposition am Freitag

Löhne. Der Horizont hat es ihm angetan. Sei es nun ein konkreter oder nur ein gedachter. Und selbst die sprichwörtliche Erweiterung des selbigen kommt beim Bad Oeynhausener Künstler Wulf Reinshagen nicht zu kurz – die durchgängige Typographie seiner Bilder macht es möglich. In der Galerie der Christuskirche Obernbeck können sich Betrachter jetzt davon überzeugen: Ab kommenden Freitag, 12. Oktober, ist dort ein Querschnitt von Reinshagens Werk zu sehen. „Eine Werkschau aus 50 Jahren“ lautet der Untertitel der Exposition. Und genau so ist sie auch konzipiert: Aus nahezu jeder Periode seines Schaffens, das im Jahr 1968 seinen Anfang nahm, sind Kunstwerke des Bad Oeynhauseners zu sehen. „Es erschien uns einfach sinnvoll, diese 50 Jahre in einer Rückschau passieren zu lassen“, sagt Reinshagen. „Und wir haben schnell gemerkt: Das halbe Jahrhundert kriegen wir locker voll.“ Ein Siebdruck aus dem Jahr 1964 Tatsächlich aber geht die Ausstellung sogar noch einen Schritt weiter. Laut Margret Wefelmeier vom Galerieteam der Christuskirche nämlich ist das älteste Bild der Ausstellung sogar noch älteren Ursprungs. „Es ist ein Siebdruck von 1964 und somit schon entstanden, als der Künstler noch in Berlin lebte.“ In der Hauptstadt hatte der gebürtige Potsdamer Reinshagen bis 1966 an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste studiert, nachdem er zuvor eine Lehre als Schriftsetzer und an der FH Bielefeld ein Studium für Grafik-Design und für Pädagogik absolviert hatte. Und die Region sollte ihn nicht mehr loslassen: Schon bald zog es Reinshagen nach Ostwestfalen zurück, wo er nicht nur seine erste Ausstellung im Bielefelder Bunker Ulmenwall zeigte, sondern an der Realschule Nord in Bad Oeynhausen auch als Kunstlehrer tätig wurde. Sein Schulleiter seinerzeit: Rolf Wefelmeier, der heute mit Ehefrau Margret die Geschicke der Galerie an der Christuskirche leitet. Obwohl Wulf Reinshagen im vergleichsweise jungen Alter von 50 Jahren auf eigenen Wunsch aus dem Schuldienst ausschied („Ich hatte so viele Gedanken und Träume, die Zeit brauchten, um fertig zu werden“), ist die Freundschaft zwischen ihm und dem Ehepaar Wefelmeier bis heute ungebrochen. „Insofern habe ich keine Sekunde gezögert, als sie mich für eine Ausstellung in der Galerie anfragten“, sagt Reinshagen. Und Margret Wefelmeier ergänzt: „Hier stellt nicht nur ein Freund aus, sondern auch ein Top-Künstler.“ Bedeutender Landschaftsmaler Tatsächlich zählt Wulf Reinshagen in Fachkreisen zu den bedeutendsten deutschen Landschaftsmalern der Gegenwart. Schon immer hätten ihn gerade diese Motive fasziniert, sagt der Künstler. Fast schon zwangsläufig rückten dabei auch die verschiedensten Horizonte in seinen Fokus, als Scheidelinie zwischen Himmel und Erde oder – wie etwa bei Strandmotiven – als zusätzliche Grenze zwischen Land und Meer. Zwar wurde diese Form an sich im Laufe der Jahre nach und nach zurück gedrängt und die Farben erhielten mehr Gewicht in seinen Bildern. Dafür aber kam mit der Schrift in allen möglich Ausprägungen eine weitere Leidenschaft des Künstlers mehr zum Tragen. Buchstaben und Satzzeichen, Symbole und Frakturen, ja sogar ganze Schriftstücke längst vergangener Jahrhunderte finden sich so fast durchgängig im Werk Reinshagens. Zwar empfindet der Künstler Schrift in der Regel schon als Kunstwerk an sich. „Aber sie plakativ einzusetzen ist mir zu wenig. Ich möchte ihr einen neuen Duktus verleihen.“ Tatsächlich verschmelzen Horizonte, Landschaften und Textelemente in den fast schon collageartig anmutenden Bildern Reinshagens zu einer völlig neuen Gesamtkomposition. Mal als reliefartige 3D-Objekte, mal wie ein Klebebild wirkend präsentieren sich seine Arbeiten in Acryl und Öl – und zaubern eine fast schon mystische Atmosphäre in die Galerie an der Christuskirche. Die Ausstellung wird am Freitag, 12. Oktober, um 19 Uhr eröffnet. Dazu gibt es einen Vortrag von Rolf Wefelmeier sowie Musik von Elvira und Hildebrand sowie Charlotte Ramadan. Zudem bietet der Künstler an diesem Abend einige kleine Werke als Unikate zum Verkauf an. der Erlös ist für die Kulturarbeit der Kirchengemeinde bestimmt.

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