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Bei den Hahne Mühlenwerken werden längst nicht mehr nur Haferflocken und Cornflakes produziert. Karlchens Backstube hat das Unternehmen nach der Insolvenz übernommen und stellt sich zusätzlich als Getreideveredler neu auf. - © Susanne Barth
Bei den Hahne Mühlenwerken werden längst nicht mehr nur Haferflocken und Cornflakes produziert. Karlchens Backstube hat das Unternehmen nach der Insolvenz übernommen und stellt sich zusätzlich als Getreideveredler neu auf. | © Susanne Barth

Löhne Ein Bäcker krempelt Hahne um

Zehn Monate nachdem Karlchen’s Backstube die Mühlenwerke übernommen hat, zieht der neue Chef Karsten Krüger eine Bilanz und schaut optimistisch und mit neuen Ideen in die Zukunft

Susanne Barth
15.09.2018 | Stand 20.09.2018, 16:32 Uhr

Löhne. Es duftet nach warmen Flocken, heimelig, lecker. Dimitri Neumann nimmt den Geruch längst nicht mehr wahr. Er arbeitet seit seiner Ausbildung bei den Hahne Mühlenwerken. Mittlerweile leitet er das Werk 2. Er ist der Herr der Flakes in einem der ältesten Unternehmen der Werrestadt. Am 28. September 1848 hat Carl Dietrich Hahne die Mühle ersteigert. 170 Jahre sind vergangen. Seit zehn Monaten sitzt ein Bäcker im Chefsessel der Mühle. Karsten Krüger, der mit seiner Schwester Karlchen’s Backstube führt, will dem Unternehmen wieder neuen Schwung geben.

Das Familienunternehmen Hahne wurde in sechster Generation geführt und hat im Januar 2016 Insolvenzantrag gestellt. Angesichts drastisch zurückgehender Umsätze konnten nur 135 der 221 Mitarbeiter gehalten werden. Das Löhner Unternehmen Karlchen’s Backstube hat die insolventen Hahne-Werke Ende 2017 übernommen. Das Ziel: Mit neuen Innovationen Hahne weltweit zum Spezialisten zu machen.

„Ich musste meine persönliche Komfortzone verlassen"

Hahne Mühlenwerke wurde von Karlchens Backstube übernommen. - © Hahne
Hahne Mühlenwerke wurde von Karlchens Backstube übernommen. | © Hahne

Karsten Krüger blickt optimistisch in die Zukunft. „Die Übernahme ist super gelaufen. Ich wurde von den Mitarbeitern offen und warmherzig empfangen." Das war vor zehn Monaten. Seitdem hat sich einiges getan. Krüger: „Im August hatten wir den höchsten Umsatz seit drei Jahren." Es soll weiter bergauf gehen: „Dafür suchen wir Leute aus Marketing und für die Produktion, die leidenschaftliche Müsli-Esser sind." Die Mitarbeiter merken, dass sich was bewegt, so Krüger: „Auch wenn ich manchmal nicht einfach bin, weil ich anders denke."

Karlchens Backstube hat nach der Insolvenz bei Hahne das Traditionsunternehmen übernommen. Im Hahne Führungsteam sind Karsten Krüger (v. l.), Marcel Staffe und Jörg Wagner. Simone Böhne ist für Karlchen zuständig. - © B. Meinhard/Hahne
Karlchens Backstube hat nach der Insolvenz bei Hahne das Traditionsunternehmen übernommen. Im Hahne Führungsteam sind Karsten Krüger (v. l.), Marcel Staffe und Jörg Wagner. Simone Böhne ist für Karlchen zuständig. | © B. Meinhard/Hahne

Die Geschwister Karsten Krüger und Simone Böhne sind Geschäftsführer sowohl für Karlchen’s Backstube und Hahne. Böhne ist das Gesicht des 450-Köpfe-starken Backunternehmens, Krüger hat sich Hahne verschrieben. Gemeinsam mit Jörg Wagner und Marcel Staffe bildet er das Führungsteam. „Ich musste meine persönliche Komfortzone verlassen. Das war toll. Ich glaube es gibt niemanden, der in den vergangenen Monaten so viel gelernt hat wie ich."

Bei den Hahne Mühlenwerken werden längst nicht mehr nur Haferflocken und Cornflakes produziert. Karlchens Backstube hat das Unternehmen nach der Insolvenz übernommen und stellt sich zusätzlich als Getreideveredler neu auf. Bernd Stemme kontrolliert die Produktion. - © Susanne Barth
Bei den Hahne Mühlenwerken werden längst nicht mehr nur Haferflocken und Cornflakes produziert. Karlchens Backstube hat das Unternehmen nach der Insolvenz übernommen und stellt sich zusätzlich als Getreideveredler neu auf. Bernd Stemme kontrolliert die Produktion. | © Susanne Barth

Krüger und sein Team krempeln Hahne um. Getreideveredlung und nicht nur reine Produktion haben sie sich auf die Fahne geschrieben. Hier ist die Verknüpfung von Backhandwerk und Getreidemühle erkennbar. „Wir stellen für Bäcker wertvolle Grundstoffe her", sagt Krüger. Produktentwickler Peter Heibrock kommt ebenfalls vom Fach, ist Bäckermeister. „Wir verstehen uns von Bäcker zu Bäcker. Und es ist toll, dass er wieder Produkte für sein Handwerk macht", sagt Krüger. Zudem setzt Hahne auf Innovationen, will nicht stehen bleiben: „Wir wollen aus der traditionellen Haferflocke was Neues herausholen."

Hahne exportiert in 67 Länder

Die natürlichen Rohstoffe werden durch Koch- und Röstverfahren veredelt. Ganz neu sind Granulate, die dem Brot eine „bessere Knusprigkeit und Frischhaltung" geben. „Die Backwaren werden kross wie Chips." Neben Getreideflocken gibt es nun auch Malz- und Roggenflocken, es wird nicht nur Mais gepoppt, sondern auch Quinoa und Dinkel, Mais wird ersetzt, um Kohlenhydrate zu sparen, auch baut Hahne auf zucker- und salzreduzierte Ware und vergrößert das Müsli- und Porridgeangebot. „Wir entwickeln spannende neue Geschmacksrichtungen", sagt Krüger, der seinen Kunden das beste aus beiden Unternehmen bieten möchte.

Export steht weiter hoch im Kurs. Im riesigen Lager gibt es Kartons mit arabischen, afrikanischen und chinesischen Schriftzeichen. In 67 Länder der Welt gibt es die Produkte aus Gohfeld. „Der Export ist Hahnes Stärke." 800 Container pro Jahr verschifft das Unternehmen. Um sich auf dem asiatischen Markt stärker zu positionieren, will Krüger in China ein Büro gründen. „Das ist in Vorbereitung."

Für die Region hat sich Hahne auch was Neues ausgedacht. In der Vorweihnachtszeit soll es in allen Karlchen-Filialen das Bäckermüsli geben. „Granola frisch vom Blech", sagt Krüger, der hofft, dass es bei den Kunden genauso einschlägt wie beim Team. „Das ist wie beim Croissant, wenn man einmal ein warmes gegessen hat, will man niemals mehr ein kaltes. Diesen Effekt will ich mit Müsli umsetzen."

Information

Hitze erzeugt Hafer-Engpass

  • 150 Tonnen Hafer verarbeitet Hahne Mühlenwerke pro Tag.
  • Durch die Dürreperiode gibt es einen Engpass.
  • Hafer etwa bezieht das Unternehmen aus Schweden. Da das Getreide wegen der Hitze nicht die normale Größe und Menge abgeworfen hat, ist auch nicht die volle Menge zu bekommen.
  • Auch gibt es eine Preissteigerung von 50 Prozent für Rohhafer.
  • Karsten Krüger schaut sich daher weltweit um und blickt vor allem nach Kanada.
  • Seit der Übernahme im Dezember 2017 wurde in eine neue Vermahlungstechnik investiert, auch wird die Mühlentechnik neu aufgestellt. „In Kürze können wir bestimmte Produkte zu Ballaststoffen vermahlen", gibt Chef Karsten Krüger einen Ausblick.
Ein Abnehmer der Grundstoffe ist das Schwesterunternehmen Karlchen’s Backstube. Hier werden 3.000 Tonnen Getreideerzeugnisse pro Jahr verarbeitet. ⋌(sba)