Diesem Hund geht’s gut: Unser Foto zeigt eine Englische Bulldogge auf einer Rassehundeausstellung. Dienstag hat der Amtstierarzt einer Löhnerin sechs Hunde und drei Katzen weggenommen, um die Tiere zu schützen. Die Löhnerin durfte eigentlich keine Säugetiere mehr halten. Dagegen klagt die Löhnerin. - © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Diesem Hund geht’s gut: Unser Foto zeigt eine Englische Bulldogge auf einer Rassehundeausstellung. Dienstag hat der Amtstierarzt einer Löhnerin sechs Hunde und drei Katzen weggenommen, um die Tiere zu schützen. Die Löhnerin durfte eigentlich keine Säugetiere mehr halten. Dagegen klagt die Löhnerin. | © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Löhne Amtstierarzt nimmt Löhnerin Hunde und Katzen weg

Eine 63-Jährige wehrt sich vorm Verwaltungsgericht Minden gegen ein Tierhaltungsverbot. Dienstag nahm der Veterinär sechs Hunde und drei Katzen in Gewahrsam

Ulf Hanke

Löhne. Der 15-jährige Dackel-Mischling kroch unter den Tisch, als die Amtstierärzte kamen. Irgendwie hatte er wohl eine Ahnung, was passiert. „Er ist ein alter Hund mit treuen Augen und gepflegtem Fell", sagt Rechtsanwalt Peter Hufendiek, der die Szene mitangesehen hat. Seine Mandantin hatte den Dackel-Mischling als Welpen bekommen und Angst, ihn nie wieder zu sehen. Als die Amtsleute den Hund an die Leine legten, legte der den Rückwärtsgang ein: Mit gespreizten Pfoten wehrte er sich gegen die Trennung vom Frauchen – und wurde trotzdem mitgenommen. Das Kreisveterinäramt setzte am Dienstag bei der Löhnerin ein Tierhaltungsverbot durch und nahm sechs Hunde und drei Katzen in Gewahrsam. Eigentlich darf die Löhnerin keine Säugetiere halten und hatte doch vier fremde Hunde, darunter drei Bulldoggen-Mischlinge, in Obhut. Die Behörden-Aktion im Beisein von Polizei und Ordnungsamt fand zwei Wochen vor einer möglicherweise richtungsweisenden Gerichtsentscheidung in der Sache statt. Die 63-jährige Löhnerin hat beim Verwaltungsgericht Minden gegen das Tierhaltungsverbot geklagt. „Die Behörden haben vorher Fakten geschaffen", sagt Rechtsanwalt Hufendiek. Vögel darf sie noch halten Bereits im August 2017 hatte der Amtsarzt drei Hunde und eine Katze mitgenommen, weitere Tiere sollte die Löhnerin eigenverantwortlich weitervermitteln. Das klappte offenbar nicht, worüber sie selbst das Veterinäramt informierte. Die Löhnerin durfte seit längerem keine Reptilien halten und bekam so scharfe Auflagen für die Pferdehaltung, dass sie ihre Ponys bereits in andere Hände vermitteln musste. „Mein Leben ist zu Ende, wenn ich keine Tiere mehr halten darf", sagte sie. Derzeit leben noch zwei Papageien und mehrere Wellensittiche bei der Löhnerin. Ein Tierhaltungsverbot ist oft die letzte Möglichkeit von Amtstierärzten, um eine falsche oder gar strafbare Haltung von Tieren zu beenden. Hundehalterin stellt Strafanzeige wegen Verleumdung gegen den Hinweisgeber Im Schatten ihres gemieteten Fachwerkhauses legt die 63-jährige Löhnerin Rechnungen ihrer Tierärztin für Behandlungen von Hunden und Katzen vor. Darunter sind auch zwei Belege für offenbar notwendige Tiereuthanasie. Einer der sechs Hunde war so schwer am Unterkiefer verletzt worden, dass er bei der Operation eingeschläfert werden musste. Ein Hinweisgeber des Veterinäramts behauptete dagegen, dass sie gegenüber einer Tierärztin angegeben habe, dem Hund durch Schläge den Unterkiefer gebrochen zu haben. Das weist die Löhnerin jedoch weit von sich. Ein fremder Hund habe sich in ihren verbissen, sie habe beide nur mühsam trennen können. Die traurige Geschichte ist aus ihrer Sicht ein Beleg dafür, dass ihr übel mitgespielt werde. Außerdem habe ein Hinweisgeber behauptet, dass sie mehrere Hunde und Welpen im Keller ohne Fenster halte. Das sei leicht zu widerlegen, sagt die 63-Jährige: „Mein Haus hat gar keinen Keller." Anwalt Hufendiek hat Strafanzeige wegen Verleumdung erstattet. Die Aktion des Veterinäramts hält er für „deutlich übertrieben". Die herzergreifenden Szenen vom Dienstag hätte er sich und seiner Mandantin gern erspart. Die Löhnerin formuliert ihrerseits nun einen Verdacht: Angeblich verhindere das Veterinäramt des Kreises Herford systematisch seit 20 Jahren, dass sie eine Prüfung zum Sachkundenachweis über artgerechte Tierhaltung machen konnte: „Die haben mich auf dem Kieker." „Die Tiere hatten es wirklich gut" Rechtsanwalt Peter Hufendiek sieht bei seiner Mandatin keine Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. „Ein Anruf bei der Tierärztin hätte doch genügt", sagt Hufendiek. „Die Tiere hatten es wirklich gut." Hufendiek befürchtet, dass die Tiere noch vor dem Prozess in neue Hände vermittelt werden. Darunter seien auch die vier Hunde, die seine Mandantin in Kurzzeitpflege hatte. Das Veterinäramt des Kreises Herford wollte sich vor dem Gerichtstermin nicht zu den Details äußern, bestätigte aber die erneute Durchsuchung. Grundlage für das Behördenhandeln seien die Haltungsbedingungen vor Ort und damit das Wohl der Tiere. Die Frage, ob das Haus einen Keller hat, spielte für den Amtstierarzt keine Rolle. Das Verwaltungsgericht Minden beschäftigt sich am 27. August mit dem Tierhaltungsverbot. Die Löhnerin legt bereits zum sechsten Mal Widerspruch gegen Auflagen der Veterinäre ein. Der Prozess beginnt um 11 Uhr.

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