Maximilian Reeck und Maike Schröder beim Planspiel Jugendparlament. Maike besetzte den Platz von Angela Lück, Maximilian den von Christian Dahm.
Dahm. - © Maximilian Reeck
Maximilian Reeck und Maike Schröder beim Planspiel Jugendparlament. Maike besetzte den Platz von Angela Lück, Maximilian den von Christian Dahm.
Dahm. | © Maximilian Reeck

Löhne Eine Studentin als Politikerin

Die Löhnerin Maike Schröder bekam in Düsseldorf einen Einblick in die Arbeit der Landespolitik. Sie übernahm beim Jugendlandtag drei Tage lang die Rolle von Angela Lück

Susanne Barth

Löhne. Fünf Fraktionen, 199 Jugendliche, zwei Themen: Nachdem der Jugendlandtag 2017 wegen der Neuwahl ausgefallen ist, kamen in diesem Jahr wieder junge Erwachsene zusammen, um hautnah einen Einblick in die Landtags-Politik zu bekommen. Im zehnten Jahr, aber erst zum neunten Mal schlüpften die Teilnehmer in die Rolle eines Abgeordneten. Maike Schröder aus der Werrestadt war mit dabei. Die Schülerin saß anstelle der Löhner Landtagsabgeordneten Angela Lück drei Tage lang in der SPD-Fraktion im Jugendlandtag. Im Jugendlandtag übernehmen die Jugendlichen den echten Landtag in Düsseldorf. „So wird das Planspiel richtig realistisch", sagt die Löhnerin Maike Schröder. Es wird also im Plenarsaal und in den Fraktionssälen getagt, es finden echte Ausschusssitzungen statt und die Jugendlichen arbeiten zu ausgewählten Themen Anträge aus. Mit Parteiarbeit hatte Maike Schröder vorab eigentlich nicht viel am Hut: „Ich engagiere mich eher in der Jugendarbeit", schreibt die 20-Jährige, die in Bielefeld Grundschullehramt mit integrierter Sonderpädagogik studiert, in ihrem abschließenden Erfahrungsbericht. „Jeder bekam seine Rolle zugeteilt und es wurde hitzig diskutiert" Vor dem Studium an der Universität Bielefeld absolvierte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr im Schwimm-Club Aquarius Löhne. In dieser Zeit baute Maike den Jugendvorstand neu auf und half mit, ein Trainingscamp auf die Beine zu stellen. Heute arbeitet sie noch immer im Vorstand und als Schwimmtrainerin beim SC Aquarius. Politische Erfahrung hin oder her: Als Maike Schröder die Chance bekommen hat, ergriff sie diese auch und zögerte nicht nach Düsseldorf zu fahren. „Man fragt sich ja schließlich öfter, wie das alles funktioniert und noch öfter fragt man sich wahrscheinlich, warum manche Sachen nicht so schnell funktionieren, wie man es gerne hätte." 199 Jugendliche im Alter von 16 bis 20 Jahre sitzen auf ihre Fraktionen verteilt im Plenarsaal, jeder auf einem eigenen Platz. Maike Schröder hat die Nummer 66. Das ist eigentlich der Platz der heimischen Politikerin Angela Lück. Wenn man sich die Fotos des Jugendlandtags so anschaut, fällt auf, dass die meisten Männer Anzüge mit Krawatte tragen, die jungen Frauen Hosenanzug und Bluse und alle einen seriösen Eindruck machen. „Da fühlt man sich als eher unerfahrene Teilnehmerin schon etwas eingeschüchtert", beschreibt die Löhnerin ihre Erfahrungen. Sitzung via Livestream übertragen Sorgen hat sie sich allerdings umsonst gemacht. In der Fraktionssitzung wurde schnell klar, dass Jugendliche mit politischer Vorerfahrung, aber auch Neulinge mit dabei sind. „Ab der ersten Fraktionssitzung fühlte ich mich auf einmal wie eine richtige Abgeordnete", so die 20-Jährige. Jeder bekam seine Rolle zugeteilt, es wurden Fraktionsvorsitzende gewählt und über den Zeitplan gesprochen. Was dabei fehlte war Zeit. „Zwei Anträge, eine aktuelle Stunde und ein Eilantrag schreiben sich nicht von selbst und irgendwie muss man davor erst einmal auf einen Konsens kommen. Das alles innerhalb von wenigen Stunden zu organisieren ist gar nicht so einfach. Vor allem in den Ausschusssitzungen, in denen Vertreter von allen Parteien saßen, wurde hitzig diskutiert", sagt Maike. Am Ende haben sie es geschafft. Innerhalb der SPD-Fraktion stellten die Teilnehmer die Anträge und wählten Redner für die finale Plenarsitzung. Die große Sitzung wurde via Livestream übertragen. Hier präsentierten die Jugendlichen, was sie in den Fraktionen in den letzten zwei Tagen ausgearbeitet hatten. Zu allen Anträgen wurde abgestimmt. „Es war ganz schön spannend. Es wurde heftig debattiert und das eine oder andere Mal mussten die Redner auch mit Zwischenrufen und starker Kritik klarkommen", fasst Maike zusammen. "Tolle Chance, der eigenen Stimme Gewicht zu verleihen" Freude und Enttäuschung gab es gleichermaßen. „Aber es war eine schöne Erfahrung, mal in diesen Stühlen zu sitzen und selbst Politik zu machen und gleichzeitig eine tolle Zeit mit vielen anderen engagierten Jugendlichen zu verbringen", resümiert die Löhnerin, die anderen rät, unbedingt am Jugendlandtag teilzunehmen. Denn egal, ob mit Vorerfahrung oder ohne: es lohnt sich, findet sie. „Man lernt mit anderen Meinungen umzugehen und bekommt Lust, sich selbst mehr in der Politik zu engagieren." Außerdem lerne man viele neue Leute kennen und das auf eine Art und Weise, die einem erst fremd erscheint. „Denn man trifft sich nicht, um an einem sportlichen Wettkampf teilzunehmen oder zusammen ein Konzert auf die Beine zu stellen. Man trifft sich aufgrund seiner eigenen politischen Meinung und allein das ist schon etwas Besonderes", findet die 20-Jährige. Doch nicht nur das. Die Teilnehmer bekommen auch einen ganz neuen Eindruck davon, wie Politik funktioniert. „Es geht nämlich nicht so einfach, wie man sich das vorstellt. Und zuletzt hat man die Chance, seiner eigenen Stimme ein Gewicht zu verleihen. Man hat die Möglichkeit ’denen da oben’ zu zeigen, wie man als Jugendlicher über die politische Lage denkt. Und wer weiß, vielleicht hat man sogar die Möglichkeit, etwas zu verändern." Schließlich wird alles, was die Jugendlichen in den drei Tagen erarbeitet haben, an den richtigen NRW-Landtag weitergetragen. Was daraus wird, muss sich noch zeigen. Positive Umsetzungsbeispiele gibt es bereits.

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