Das Amtsgericht Bad Oeynhausen an der Bismarckstraße 12 im Sommer - © Ulf Hanke
Das Amtsgericht Bad Oeynhausen an der Bismarckstraße 12 im Sommer | © Ulf Hanke

Löhne Richter verurteilt gewalttätigen Ehemann

Gericht: Bauchtritt bewiesen, Schwangerschaft nicht. Mann bekommt Geldstrafe von 2.000 Euro

Ulf Hanke
21.07.2018 | Stand 20.07.2018, 17:38 Uhr

Löhne.Die Geschichte von der Schneeballschlacht war offenbar eine dreiste Lüge. Beim ersten Gerichtstermin im Amtsgericht Bad Oeynhausen hat ein 39-Jähriger noch behauptet, dass er seine Frau am 15. Dezember 2017 mit einem Schneeball unglücklich getroffen hatte. Die Frau hatte Prellungen im Gesicht, ihre Unterlippe war aufgeplatzt. Die Staatsanwaltschaft klagte den Mann wegen gefährlicher Körperverletzung an. Laut Anklage soll der 39-Jährige mit seiner Frau auf der Löhner Jahnstraße vor den Augen des gemeinsamen Sohnes lautstark gestritten, sie blutig geschlagen und außerdem in den Bauch getreten haben. Zu diesem Zeitpunkt soll die vollverschleierte Frau schwanger gewesen sein, was sie selbst jedoch vor Gericht bestritt. Beim zweiten Termin am Freitag bestätigte ein Zeuge die Anklage, Tritte und Schläge. Am diesem Tag habe auf der Jahnstraße aber kein Schnee gelegen. Auch ein Polizist schloss das aus: „Ich habe einen deutlichen Schwangerschaftsbauch gesehen." Übergewicht schloss der Beamte aus. Eine Verständigung sei jedoch schwierig gewesen, weil der Mann kein Deutsch und kaum Englisch sprach. Die Frau habe sich nur über einen Somali-Übersetzer am Telefon verständlich machen können. Angeklagte will Strafe abarbeiten In Sachen Schwangerschaft glaubte das Gericht dem Paar. Beide haben wohl vor einem Standesamt geheiratet. Wäre die Ehe nur vor einem Imam geschlossen worden, hätte der Frau möglicherweise kein Zeugnisverweigerungsrecht zugestanden. Sie wollte aber aussagen und bestätigte die mutmaßliche Lüge ihres Mannes. Nun droht ihr ein Verfahren wegen Falschaussage. Der Richter verurteilte den Mann, der keine Vorstrafen hatte, wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 20 Euro (2.000 Euro) wie von der Staatsanwaltschaft beantragt. Die Schwangerschaft der Frau sei unbewiesen, weshalb keine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung infrage kam. Der Angeklagte kündigte an, die Geldstrafe abarbeiten zu wollen und bat um eine Stelle. Das wäre möglich, erläuterte der Richter. Es wären jedoch etwa 600 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

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