Während der Sanierung: Günter Willig vom Verein "Löhne umsteigen" im ehemaligen Wartesaal 1. Klasse. - © Dirk Windmöller
Während der Sanierung: Günter Willig vom Verein "Löhne umsteigen" im ehemaligen Wartesaal 1. Klasse. | © Dirk Windmöller

Löhne Konzept für den Bahnhof präsentiert

Ratssitzung: Im ehemaligen Wartesaal der 1. Klasse kam es zu einer Sondersitzung. Der Verein „Löhne umsteigen“ hat dort seine Pläne für eine Bahnhofsumgestaltung präsentiert. Einiges ist schon passiert

Dirk Windmöller

Löhne. Tausende von Fahrgästen nutzen täglich den Bahnhof. Ob auch im Bahnhofsgebäude nach Jahrzehnten des Stillstands endlich etwas in Bewegung kommt, wird sich bald zeigen. In einer Sondersitzung des Rates im ehemaligen Wartesaal der 1. Klasse hat der Verein „Löhne umsteigen" seine Projektidee vorgestellt. In vier Bausteinen soll der Bahnhof umgestaltet werden. Um jedoch an öffentliche Fördermittel zu kommen, muss das Gebäude im Besitz der öffentlichen Hand sein. Mit der Bitte an die Stadt, das Gebäude zu kaufen, schloss der Vereinsvorsitzende Günter Willig seinen Vortrag. Das Konzept präsentierten auch Irene Esser und Hans-Wilhelm Bökamp vom Verein. Dass der Verein in den letzten Jahren nicht nur diskutiert und geplant hat, zeigt sich am Versammlungsort. Der ehemalige Wartesaal 1. Klasse dient als Referenz für das, was aus dem Bahnhof werden könnte. Viele Schuttmulden haben die Ehrenamtlichen hier rausgeholt, die alte Stuckdecke wieder frei gelegt. Und auch wenn hier noch viel Geld investiert werden könnte, ist der Saal schon soweit saniert, dass der Charme der Gründerzeit sichtbar ist. „Der Raum kann bereits für private Feiern genutzt werden", freute sich Günter Willig. Der Wartesaal ist einer von vier Bausteinen des ambitionierten Projekts, die wir hier kurz vorstellen. UMBAU DER WARTESÄLE ZU EINEM KULTUR- UND INITIATIVZENTRUM Der Wartesaal soll, ausgestattet mit moderner Veranstaltungstechnik, für Betriebsfeiern und private Feiern genutzt werden. Der Raum biete einen schönen Rahmen für besondere Kulturveranstaltungen. Auch Filme könnten dort gezeigt werden. Der angrenzende ehemalige Wartesaal 2. Klasse wäre für kleinere Veranstaltungen. Er soll eine gut ausgestattete Küche erhalten. Dort könnten besondere Kochkurse organisiert werden. Beide Säle sollen ,,als gute Stube für Kulturprogramme dienen und ein offener Ort für Begegnung und Integration sein", steht im Konzept. Es solle darauf geachtet werden, sich von dem Angebot in der Werretalhalle abzugrenzen und sich entsprechend abzustimmen. „Für den späteren Betrieb wird eine fest angestellte Kraft für das Management in Zusammenarbeit mit einem Kreis Ehrenamtlicher zuständig sein." DIE BAHNHOFSHALLE ALS MARKTPLATZ Das Konzept für die Halle wird mit den Schlagworten „fair, regional, bio" eingeführt. Im südlichen Teil ist ein Bio-Bistro mit einem Bioladensortiment geplant. Integriert werden soll dort ein Fahrkartenverkauf durch Mitarbeiter. Im nördlichen Teil soll ein Weltladen mit Kaffeestube und Kiosk entstehen. „In Kooperation mit dem Welthaus Minden wird ein Sortiment entwickelt, zu dem auch ein Angebot von Fair-Fashion-Kleidung gehört", sagte Irene Esser vom Bioladen Ulenburg. Der Bioladen engagiert sich in diesem Bereich federführend. „Für die Markthalle ist die Gründung einer gemeinnützigen GmbH geplant. Diese darf keine Gewinne erwirtschaften", Esser. Mögliche Gewinne könne man mit Verlusten aus anderen Bereichen des Projekts verrechnen. DER OSTFLÜGEL Der Bahnhof soll auch zu einem Ort werden, an dem verschiedene Mobilitätskonzepte unter einem Dach vereint sind. „Basisbaustein soll eine Radstation für 200 Räder sein", sagte Architekt Hans-Wilhelm Bökamp. Dazu können der Verleih von E-Bikes und Carsharing-Angebote und eine Ladestation für E-Autos kommen. Im Obergeschoss wäre Platz für Büro-, Schulungs-, und Gruppenräume. Diese könnten von der Stadt, von Wohlfahrtsverbänden oder Unternehmen genutzt werden. „Seitens des Vereins besteht eine Präferenz für die Nutzung als Coworking Spaces, als ein Ort für Startups, Freelancer und Macher." DER WESTFLÜGEL Dort könnte sich die Polizeiwache ansiedeln. „Da sind die Signale nach verschiedenen Gesprächen mit den Verantwortlichen positiv", so Bökamp. Möglicherweise müsse dafür ein Neubau oder ein Anbau entstehen. Dass würden weitere Gespräche zeigen. DIE FINANZIERUNG Dazu gab es keine Angaben. Es gebe einen vorläufigen Finanzplan, der aber nicht vorgestellt wurde. „Dieser Finanzplan kann nur eine Hypothese sein, denn wir können noch keine verbindlichen Verträge vorlegen. Wir würden gerne unsere Projektidee weiter entwickeln, dafür brauchen wir aber Rechtssicherheit, wir benötigen einen Grundsatzbeschluss, dass der Rat diesen „unseren" Bahnhof kauft und unsere Projektidee unterstützt", so Willig abschließend LOB VOM BÜRGERMEISTER Viel Applaus gab es von den Ratsmitgliedern. „Der Verein hat beachtliche Arbeit geleistet. Es ist ein beeindruckendes Konzept entstanden", so Bürgermeister Bernd Poggemöller. „Wir als Verwaltung sind dazu da, das Konzept und den Wirtschaftsplan zu überprüfen." Mit verschiedenen Stellen würden jetzt Gespräche geführt. Auch mit der Bezirksregierung mit Blick auf die Fördermittel. „Es ist die Frage, ob es gelingt, ein Konzept vorzulegen, das eine breite Mehrheit findet", so der Bürgermeister. Diskutiert wird darüber voraussichtlich in der nächsten Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses nach der Sommerpause.

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