Die Kinder der Spielgruppe im Altenwohnheim Mennighüffen haben sich mit Rosen von den bewohnern verabschiedet, im Gegenzug bekamen die Jungen und Mädchen jeder ein Kuscheltier geschenkt. - © Susanne Barth
Die Kinder der Spielgruppe im Altenwohnheim Mennighüffen haben sich mit Rosen von den bewohnern verabschiedet, im Gegenzug bekamen die Jungen und Mädchen jeder ein Kuscheltier geschenkt. | © Susanne Barth

Löhne Der letzte Ritt: Spielgruppe „Mittendrin“ löst sich auf

Ein für ein Jahr angelegtes Projekt im Altenwohnheim Mennighüffen wird nach zwölf Jahren beendet. Seniorinnen verabschieden sich mit Kuscheltieren, Kinder übergeben Rosen

Susanne Barth

Löhne. Kinderlachen schallt über die Flure des Altenheims Mennighüffen. Verwundert ist darüber schon längst keiner mehr. Im Gegenteil. Gespannt warten die Seniorinnen im Aktivraum auf Anna, Justus, Tino und Leve. Denn wenn die Kinder kommen, dann wird gemeinsam gesungen und geklatscht. Zwölf Jahre lang sind im Altenwohnheim Mennighüffen regelmäßig Jung und Alt zusammen gekommen. Die Zeit geht jetzt zu Ende. Die Spielgruppe „Mittendrin" löst sich auf. Emotional war der Abschied der jungen Löhnerinnen und Löhner von den Seniorinnen am Donnerstagvormittag. Ein letztes Mal besuchten die Kleinen die Aktivgruppe, zum Abschied im Beisein der Eltern. Während die Bewohnerinnen reihum auf Stühlen Platz genommen haben, geht es für die Kinder und Erzieherin Liane Heidemann auf den Boden. Flott wird das Schaukelpferd hervorgeholt, Lennja nimmt Platz und schaukelt fröhlich los. Die anderen singen und klatschen im Takt. Im August 2007 begann das ungewöhnliche Projekt im Altenwohnheim Mennighüffen. Mittendrin wurde eine Spielgruppe initiiert. Zehn Kinder zwischen zwei und drei Jahren wurden dreimal in der Woche im Gebäude des Altenheims betreut. Zwischen den Senioren spielten sie mit Bauklötzen, besuchten die Bewohner des Demenzbereichs und sangen gemeinsam mit der Aktivgruppe. "Es waren zwölf tolle Jahre" Erzieherin Liane Heidemann war von Anfang an dabei. „Es ist ein tolles Konzept für Jung und Alt. Ich möchte die Jahre nicht missen, jedes Jahr war anders und für sich besonders. Aber alle hatten eines gemeinsam, die lachenden Kinder- und Seniorenaugen." Die Spielgruppe hat als einjähriges Projekt begonnen. Als Generationsprojekt ist die Idee angelegt worden, die auf allen Seiten auf fruchtbaren Boden gestoßen ist. „Das Konzept ist schön, es hat nie Berührungsängste gegeben", sagt Einrichtungsleiterin Marianne Smidt. Und Heidemann ergänzt: „Daraus sind jetzt zwölf Jahre geworden. Das Beste, was mir passieren konnte." Heidemann lässt die Verabschiedung nicht kalt. Beim Singkreis greift sie immer mal zum Taschentuch. Und auch die Seniorinnen mögen es noch nicht so ganz glauben, dass alles vorbei ist. Die Kinder geben den Älteren Lebensfreude und Energie, die wiederum können mit ihrer Weisheit punkten. „Ein toller Zusammenschluss", sagt Einrichtungsleiterin Smidt, die es bedauert, dass das Altenheim die Spielgruppe nicht mehr weiterführen kann. Verschiedene Gründe haben für das Aus gesorgt, so Smidt. Zehn Jahre war die Spielgruppe nur für Kinder zwischen zwei und drei Jahren angelegt. „Das Konzept habe ich dann auch auf Einjährige übertragen", sagt Heidemann. Auch im Altenheim gehe man mit der Zeit und die Tendenz zu einer Betreuung von jüngeren Kindern nahm zu. Hätte mehr Personal gebraucht Und genau das sei jetzt das Problem. „Wegen der Betreuung von Einjährigen wären wir gezwungen, eine weitere Erzieherin einzustellen", so Smidt. Das sei finanziell für die Perthes-Stiftung, die das Altenheim 2015 übernommen hat, nicht mehr zu machen. „Das steht in keinem Verhältnis. Wir sind jetzt schon auf Elternbeiträge und Spenden angewiesen", so Smidt. Zudem verändern sich die Bedürfnisse der Familien. „Vielen reicht eine Betreuung von drei Stunden am Tag dreimal die Woche nicht mehr aus", so die Leiterin, die merkt, dass gerade Eltern der älteren Kinder dann lieber direkt einen Kindergartenplatz suchen. In den nun frei werdenden Räumen der Spielgruppe soll der Soziale Dienst und die Betreuungsassistenten einziehen. Der Platz wird gebraucht. „Es war vorab sehr beengt. Jetzt steht uns ein Zusatzraum nur für Einzelgespräche zur Verfügung", nennt die Leiterin einen Vorteil. Das Kinderlachen wird aber auch sie vermissen. Im Vorfeld hat das Altenheim schon Gespräch mit dem Evangelischen Kindergarten nebenan geführt. „Wir würden die Zusammenführung von Jung und Alt gerne weiterführen", sagt Smidt. Erzieherin Liane Heidemann spricht sich für eine Zusammenarbeit aus, auch wenn sie sie nicht mehr erleben wird. Die Löhnerin ist seit sechs Jahren hauptberuflich auf dem Wittekindshof tätig. „Es ist einfach ein tolles Projekt, die Kinder lassen kleine Wehwehchen vergessen. Dabei zählt nicht die Zeit, die die Kinder im Altenheim verbringen, sondern der Moment."

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