0
Führen die Schülerratssitzung: Landrat Jürgen Müller (v. r.), Bürgermeister Bernd Poggemöller, Cinja Schröder und Annika Többen (beide vom Verein "Politik zum Anfassen"). - © Susanne Barth
Führen die Schülerratssitzung: Landrat Jürgen Müller (v. r.), Bürgermeister Bernd Poggemöller, Cinja Schröder und Annika Többen (beide vom Verein "Politik zum Anfassen"). | © Susanne Barth

Löhne Ratssaal ist fest in Schülerhand

120 Schülerinnen und Schüler aller Schulen machen beim Planspiel „Pimp your Town“ vom Verein „Politik zum Anfassen“ mit

Susanne Barth
05.07.2018 | Stand 05.07.2018, 17:51 Uhr |

Löhne. So voll ist es selten im großen Ratssaal. 120 Neuntklässler aller vier weiterführenden Schulen sind gekommen, um über 18 Anträge abzustimmen. Aufs Tableau kommen ihre eigenen Ideen und Wünsche für die Stadt, in der sie leben. Die diskutieren sie in der Sitzung wie Kommunalpolitiker. Drei Tage lang geht es im Planspiel „Pimp your Town" um Politik zum Anfassen. Realisiert hat das der gleichnamige Verein. Vier neunte Klassen sind bei dem Projekt dabei. Die Bertolt-Brecht-Gesamtschule (BBG), die Goethe-Realschule (GR) und das Gymnasium (SGL) bilden jeweils eine Fraktion. Die Schüler der Städtischen Realschule sind für die Presse zuständig, filmen und fotografieren, führen Interviews und schreiben Artikel. Daraus resultiert im Nachgang ein eigenes Magazin und ein Film. „1.000 Exemplare gehen in den Druck", sagt Marcel Neumann vom Verein. 10.000 Bilder pro Projekt Während Carlotta und Theresa vor dem Rathaus Schulleiterinnen und Politiker zum Videointerview abgreifen, sind Mia, Ahmet und Jan im Ratssaal und fotografieren die Diskussion. „Meist haben wir pro Projekt 10.000 Bilder. Davon wählen wir bis zu 150 aus", sagt Neumann, der die Jugendlichen im Presseteam begleitet. Seit Montag beschäftigen sich die Neuntklässler mit Politik und Demokratie. Schritt für Schritt tauchen sie immer tiefer in die Aufgaben eines Kommunalpolitikers ein. Von den „echten" Fraktionsmitgliedern bekommen sie Informationen, sie haben auch die Ausschusssitzungen in der Werretalhalle geleitet. „Ich war wie gerädert nach der Sitzung", sagt Wolfgang Böhm (SPD). „Es war unglaublich beeindruckend." Silke Glander-Wehmeier (Grünen) ist vom Projekt ebenfalls begeistert: „Ein super Austausch." Der lässt sich auch im Ratssaal erleben. 45 Anträge haben die drei Fraktionen ausgearbeitet, über 18 davon stimmt der Schülerrat ab. Den Vorsitz hat Bürgermeister Bernd Poggemöller. Neben ihm sind Landrat Jürgen Müller und zwei Mitglieder des Vereins „Politik zum Anfassen", Cinja Schröder und Annika Többen. Kaum sitzen die Schulfraktionen, erteilt Poggemöller Emily vom Gymnasium das erste Wort. Doppelte Ratssitzung Sie bringt für die SGL-Fraktion den Antrag ein, die Stadt kreativer zu gestalten. „Brücken oder Tunnel, die mit hässlichen Graffiti besprüht wurden, sollen verschönert werden", führt Emily die anderen Fraktionen zum Thema. Die BBG lehnt den Antrag ab. Eric: „Das wird bestimmt nach kurzer Zeit wieder beschmutzt." Die Fraktion der Goethe-Realschule findet die Idee nicht verkehrt, bringt aber einen Änderungsvorschlag ins Spiel. Es sollen Flächen für Graffitikunst zur Verfügung gestellt werden, als Wettbewerb könne man es gestalten. Poggemöller lässt abstimmen: Mit 54 Ja-Stimmen ist der geänderte Beschluss abgesegnet. Respektvoll und durchweg eloquent argumentieren die Schülerfraktionen jeden aufgestellten Antrag. Der BBG ist es etwa wichtig, dass mehr Busse fahren, auch abends und nachts. Die jungen Politiker vom Gymnasium finden den Vorstoß toll, sind aber für eine „bedarfsgerechte" Einsetzung. Auch die GR-Fraktion findet es „prinzipiell gut". Tom: „Aber funktioniert das wirtschaftlich?" Er schlägt vor, erst den Bedarf zu ermitteln und dann ein Pilotprojekt zu initiieren. Dafür stimmt der Rat einstimmig. So geht es von Antrag zu Antrag. Die Jugendlichen werden nicht müde, ihren Standpunkt zu vertreten. Genau das, soll das Projekt vermitteln. „Wir wollen zeigen, dass es wichtig ist, sich einzusetzen, und dass man damit auch was bewegen kann", sagt Cinja Schröder. Das kann der Bürgermeister nur unterschreiben. Er hat angekündigt, die Schüleranträge auf Umsetzung zu prüfen. Gespannt ist er, wie sich nach den motivierten Schülern am Abend bei der richtigen Ratssitzung die Politiker schlagen. Poggemöller: „Solch eine doppelte Ratssitzung ist eine Premiere."

realisiert durch evolver group