Harald Guelzow (links) im Gespräch mit einem Brunnennutzer - © (C) VSR-Gew?sserschutz, zur freien Verwendung im Rahmen der redaktionellen Berichterstattung
Harald Guelzow (links) im Gespräch mit einem Brunnennutzer | © (C) VSR-Gew?sserschutz, zur freien Verwendung im Rahmen der redaktionellen Berichterstattung

Löhne Nitrat: Obernbecker Brunnen ist der Spitzenreiter

Der VSR-Gewässerschutz hat 72 Proben aus privat genutzten Brunnen entgegen genommen und auf die Wasserqualität getestet. Die Experten halten eine Reduzierung der Nitratbelastung für dringend notwendig

Susanne Barth

Löhne. Wer einen Brunnen auf seinem Grundstück hat, nutzt das Wasser, um damit Blumen zu gießen, Tiere zu tränken oder auch um seine Wäsche zu waschen. Doch nicht jedes Brunnenwasser ist für jede Nutzung geeignet. Harald Gülzow vom VSR-Gewässerschutz und Lina Remme, Mitarbeiterin im Bundesfreiwilligendienst, waren Anfang Mai auf dem Findeisenplatz und haben dort Wasserproben entgegen genommen und diese auf Nitrat,- Eisen- und Salzgehalt analysiert. Jetzt sind die Ergebnisse da. Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der VSR-Gewässerschutz bei den Proben festgestellt. In jeder zehnten untersuchten Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. 72 Wasserproben aus privat genutzten Brunnen nahmen Lina Remme und Harald Gülzow, Projektleiter, aus dem Raum Löhne und Bad Oeynhausen entgegen. Nitratbelastung ist Stadtteilunabhängig Ein Grund für die hohen Belastungen ist die intensive Landwirtschaft, so der Gewässerschutz. Diese hat sich in den vergangenen zehn Jahren immer weiter ausgebreitet. Gleichzeitig konnte die umweltverträglichere Form der Landwirtschaft, der ökologische Landbau, kaum wachsen, sagen die Experten. Hier müssen vor allem die Verpächter handeln. Der VSR-Gewässerschutz rät Gemeinden, Kreisen und Kirchengemeinden dazu, ihre landwirtschaftlichen Flächen in Zukunft nur noch ökologisch bewirtschaften zu lassen. Wie viel Nitrat, Eisen und Bakterien im Wasser stecken, lässt sich mit einer ausführlichen Untersuchung herausfinden. Den höchsten Nitratwert von 152 Milligramm Nitrat pro Liter fanden die Mitglieder in einem privat genutzten Brunnen in Obernbeck. Weitere mit Nitraten verschmutzten Brunnen stellten die Umweltschützer in Bischofshagen mit 62 Milligramm pro Liter (mg/l), in Gohfeld mit 73 mg/l, in Mennighüffen mit 102 mg/l und in Ostscheidt mit 85 mg/l fest. Das Wasser ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet. Besonders wichtig ist außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird. „Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt", so Gülzow. Abgestorbenen Pflanzen können anschließend zu Fischsterben führen. Proben lassen sich auch einschicken Nitrat ist ein Bestandteil von Dünger. „Beim Düngen besteht immer die Gefahr, dass Nitrat ins Grundwasser gelangt", sagt die Vorsitzende des Umweltverbands, Susanne Bareiß-Gülzow. Dadurch kommt es häufig zur Nitratbelastung von Brunnenwasser. Dieses belastende Grundwasser führt beim Bewässern zu einer zusätzlichen Düngung. Gülzow: „Diese muss in die Berechnung über den Stickstoffbedarf der angebauten Pflanzen miteinbezogen werden." Nur so kann eine Überdüngung und eine Nitratanreicherung in Gemüse verhindert werden. Wer die Aktion verpasst hat, kann sein Brunnenwasser auch einschicken. Am besten eignet sich dafür eine 0,5 Mineralwasserflasche aus Kunststoff. Das Brunnenwasser so lange laufen lassen, bis von der Pumpe frisches Grundwasser gefördert wird. Die Flasche mehrfach mit Brunnenwasser ausspülen und erst dann bis unter den Rand befüllen, den Deckel innen nicht berühren. Die Probe an folgende Adresse verschicken: VSR-Gewässerschutz, Egmondstraße 5, in 47608 Geldern. Je nach Kostenbeteiligung wird das Wasser umfangreich auf Parameter wie Eisen, Phosphat oder Bakterien untersucht. Das Ergebnis wird mit einer Bewertung zugesandt. Die Brunnenbesitzer werden mit ihren Werten nicht allein gelassen. Das Team berät anhand der Ergebnisse, ob das Wasser zum Gießen, zum Befüllen des Planschbeckens, zum Waschen oder zum Trinken geeignet ist. Harald Gülzow, Experte zum Thema Brunnenwasserqualität, ist immer freitags zwischen 9 und 12 Uhr unter Tel.(0 28 31) 9 76 33 42 zu erreichen. Die Ergebnisse des VSR-Gewässerschutzes werden regelmäßig in Karten zusammengefasst, um Belastungsschwerpunkte erkennbar zu machen. So wurde eine Nitratkarte erstellt. Zu sehen ist sie unter www.vsr-gewässerschutz.de

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