Harald Gülzow (r.) im Gespräch mit einem Brunnennutzer. - © Gerhard Seybert / VSR-Gewässerschutz
Harald Gülzow (r.) im Gespräch mit einem Brunnennutzer. | © Gerhard Seybert / VSR-Gewässerschutz

Löhne 82 Löhner Brunnenbesitzer wollen Klarheit über Wasserqualität

Zum ersten Mal ist der Umweltschutzverband VSR-Gewässerschutz vor Ort und untersucht Proben auf Nitrat, Bakterien, Eisen und Co. Experten geben zudem Tipps zur Nutzung des Wassers

Susanne Barth

Löhne. Blumen gießen, Tiere tränken oder Wäsche waschen: Viele Löhner haben einen Brunnen auf ihrem Grundstück und nutzen das Wasser vielfältig. Doch wie geeignet ist es dafür eigentlich? Wie hoch ist der Nitrat- oder Eisengehalt? Kann man es trinken? „Ich möchte sichergehen, was ich meinen Pflanzen antue", sagt etwa Christine Wegener-Pohlmann. Die Löhnerin hat deswegen die Aktion vom VSR-Gewässerschutz in Anspruch genommen und ihr Brunnenwasser am Mittwoch zur Trinkwasseruntersuchung abgegeben. Wie viel Nitrat, Eisen und Bakterien in ihrem Wasser steckt, wird Wegener-Pohlmann erst in etwa drei Wochen wissen. So lange dauert die ausführliche Untersuchung. Die Löhnerin ist gespannt auf das Ergebnis: „Wir trinken das Wasser zwar nicht, aber ich möchte wissen, ob ich damit meine Pflanzen vergifte." Die Familie baut Obst, Gemüse und Kräuter an: „Das essen wir ja auch." Harald Gülzow und Lina Remme vom Umweltschutzverband sind auf den Findeisenplatz gekommen und haben die Proben entgegen genommen. 82 Flaschen mit Brunnenwasser stapeln sich im gelben Bulli, dem mobilen Labor. Die meisten davon sollen umfassend untersucht werden. Einige wenige haben den Schnellcheck gewählt. Grenzwert liegt bei 50 Milligramm Nitrat je Liter „Vor Ort kann ich auf Nitrat, Salz und Säure testen", sagt Gülzow. Von den acht Proben zeigt eine einen sehr hohen Nitratwert auf. „108 Milligramm pro Liter", sagt der Experte. „Das ist mehr als das Doppelte des Grenzwertes." Der Gesetzgeber hat 50 Milligramm Nitrat je Liter als Grenzwert für Trinkwasser festgelegt. Die Probe stammt aus Mennighüffen. Dass jetzt aber jegliches Brunnenwasser in der Ortschaft einen belastenden Wert aufzeigt, dem ist nicht so. Der Experte beruhigt: „Es ist nicht ortsspezifisch. Andere Proben aus Mennighüffen haben auch niedrigere Nitratwerte." Dennoch findet Gülzow, dass die Politik gefordert ist: „Es müssen Regeln her." Nitrat ist ein Bestandteil von Dünger. „Beim Düngen besteht immer die Gefahr, dass Nitrat ins Grundwasser gelangt", sagt die Vorsitzende des Umweltverbands, Susanne Bareiß-Gülzow. Dadurch kommt es häufig zur Nitratbelastung von Brunnenwasser. Wasser mit erhöhter Konzentration ist aus gesundheitlichen Gründen nicht zum Trinken geeignet. Eine Nitratanreicherung im Gemüse lässt sich verhindern, indem Nährstoffe aus dem Gießwasser bei der Düngung angerechnet werden. Der VSR-Gewässerschutz ist in ganz Deutschland unterwegs und will mit den Analysen Grundwasserbelastungen aufdecken. Die Organisation versucht seit Jahren gegen die Überdüngung vorzugehen. 100 gemeldete Hausbrunnen gibt es in Löhne Edwin Scheer findet diese Art der Analyse „sehr gut". Er bringt allerdings keine eigene Wasserprobe mit: „Meins kommt aus der Leitung", sagt Scheer und lacht. Er hat das Brunnenwasser seines besten Freundes aus Halstern mit. „Er trinkt es und ich natürlich auch, wenn ich dort bin", sagt Scheer, der deswegen eine Untersuchung mit ausführlicher Bewertung wählt. Wer Brunnenwasser zum Trinken nutzt, muss den Hausbrunnen beim Kreis Herford anmelden. Udo Rolfsmeier vom Kreisgesundheitsamt spricht von rund 1.000 gemeldeten Hausbrunnen im Kreis, etwa 100 davon in Löhne. „Die Dunkelziffer ist natürlich höher, es wird einige Brunnenbesitzer geben, die ihre Brunnen nicht gemeldet haben und sie dennoch für die Gewinnung von Trinkwasser nutzen", so Rolfsmeier. Ein Ehepaar aus Bad Oeynhausen nutzt ihr Brunnenwasser nur zum Gießen. „Wir haben vor zehn Jahren schon einmal den Test gemacht. Da war es gut. Jetzt wollen wir es wieder wissen."

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