Via Tablet und Kamera begutachtet der Arzt Hans-Jürgen Beckmann die Wunde von Hildegard Hüffermann. Die elektronische Visite schauen sich Daniel Uhrmacher (v. l.) Heike Strüber und Stefan Budde vom St. Laurentiusheim in Gohfeld an. - © Susanne Barth
Via Tablet und Kamera begutachtet der Arzt Hans-Jürgen Beckmann die Wunde von Hildegard Hüffermann. Die elektronische Visite schauen sich Daniel Uhrmacher (v. l.) Heike Strüber und Stefan Budde vom St. Laurentiusheim in Gohfeld an. | © Susanne Barth

Löhne Im Laurentiusheim gibt es die Visite übers Internet

Die Bewohner können sich viele Arztgänge sparen. Via Tablet und Kamera gibt es, wenn möglich, elektronisch eine Diagnose. Das Modellprojekt ist erfolgreich und wird weitergeführt

Susanne Barth

Löhne. Das Schienbein von Hildegard Hüttermann ist übersät mit blauen Flecken. „Die Wunde heilt aber gut", urteilt ihr behandelnder Arzt Hans-Jürgen Beckmann nach einem prüfenden Blick. Vom Fuß bis zum Knie soll die Stelle wieder verbunden werden. Für diese Diagnose musste die Seniorin nicht in die Praxis nach Bünde fahren. Elektronisch via Tablet und Kamera hat Beckmann die Visite gemacht – im Zimmer von Hüttermann. Sie lebt im Laurentiusheim in Gohfeld. Bei der Untersuchung aus der Ferne ist immer Daniel Uhrmacher dabei. Er ist Bereichsleiter im Seniorenzentrum und für die Umsetzung von „Elvi", der elektronischen Visite, zuständig. Im Zimmer von Hüttermann nimmt er ihr schon mal den Verband ab. Dann ruft er über eine Internetseite den Bünder Chirurgen an, vorab hat er für die elektronische Untersuchung einen Termin gemacht. „Wie wir ihn auch sonst ganz normal beim Arzt machen", sagt Einrichtungsleiterin Heike Strüber. „Es war erst komisch" Mit einer Kamera kann Uhrmacher die betroffene Körperstelle bei der Live-Schaltung nun dem Arzt zeigen, der die Übertragung ebenfalls auf einem Tablet sieht. Das Prinzip funktioniert wie die Videotelefonie „Skype", nur, dass Uhrmacher über eine flexible Handkamera verfügt, damit er jede Stelle des Körpers filmen kann. Für Hüttermann und die Pfleger im Seniorenzentrum ist diese Art der Visite eine Erleichterung. „Es war erst komisch", sagt die Bewohnerin. Schließlich habe sie so etwas noch nie gesehen. Nach einer kurzen Eingewöhnung sei es jetzt aber „sehr bequem". Hüttermann hatte am Schienbein eine offene Wunde. Am Anfang hätte sie zwei bis dreimal pro Woche zum Verbandswechsel zum Arzt gemusst. Und auch zur Begutachtung, wie gut die Stelle verheilt, wäre die Fahrt zum Mediziner normalerweise notwendig. Mit „Elvi" lässt sich das deutlich minimieren. Die Fahrt zum Arzt sei oft eine Zumutung für ältere Menschen, so der Chirurg. Gerade für Gehbeschränkte oder Demenzerkrankte. Beckmann weiß, wovon er spricht. Er führt mittlerweile mit 22 Heimen aus der Region die elektronische Visite durch. „Das Laurentiusheim ist eines von fünf, die es verstanden haben, was für eine Arbeitserleichterung das ist", sagt Beckmann. „Der Rest verwehrt sich", sagt der Bünder Mediziner deutlich, der das nicht verstehen kann. Auswahl aus 50 Haus- und Fachärzten Schließlich sei es nicht nur für die Senioren eine Erleichterung, nicht mehr für jedes Problem zum Arzt fahren zu müssen. „Es gibt den Bewohnern, aber auch den Pflegekräften Sicherheit", sagt Stefan Budde, Pflegedienstleiter im Laurentius, das dem Verein Caritas Wohn- und Werkstätten Paderborn angehört. Gerade bei chronischen Wunden sei die Visite übers Tablet hilfreich. Es geht schnell, der Arzt kann die Wunde genau sehen und das Pflegepersonal passend einweisen. Der Gang zum Arzt fällt durch „Elvi" aber nicht vollständig weg. Budde: „Gerade bei chronischen Erkrankungen gibt es einmal im Quartal die persönliche Visite. Und auch bei absoluten Notfällen kommt Elvi an ihre Grenzen." Die Vorteile überwiegen. „Mit Elvi soll eine bessere ärztliche Versorgung erwirkt werden", sagt Heike Strüber. Die elektronische Visite sei der erste Schritt Richtung digitale Zukunft. Strüber: „Es wird immer wichtiger, schließlich gibt es auf dem Land immer weniger Ärzte." Das Laurentiusheim führt die elektronische Visite seit zwei Jahren durch und bleibt dabei. Eine Auswahl aus über 50 Haus- und Fachärzten, die sich im Netzwerk „MuM" (Medizin und Mehr) zusammengeschlossen haben, stehen zur Verfügung. „Es wäre wünschenswert, wenn noch mehr Ärzte, aber auch Notfallpraxen eintreten würden", sagt Strüber, die sich zu Anfang nicht vorstellen konnte, dass die elektronische Visite funktioniert. Die Skepsis ist im Laurentiusheim vollends verschwunden. Aktuell sind 83 der 154 Bewohner für diese Art der Untersuchung eingeschrieben. Stefan Budde: „Elvi hat sich als Segen herausgestellt."

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