Bald kommt ein neuer Betreiber: Ein Linienbus lässt am Erich-Maria-Remarque-Platz Fahrgäste einsteigen. Wäre der Öffentliche Nahverkehr im Kreis Herford kostenlos, ständen dort sicher mehr Menschen an, glaubt MHV Geschäftsführer Achim Overath. - © Jemima Wittig
Bald kommt ein neuer Betreiber: Ein Linienbus lässt am Erich-Maria-Remarque-Platz Fahrgäste einsteigen. Wäre der Öffentliche Nahverkehr im Kreis Herford kostenlos, ständen dort sicher mehr Menschen an, glaubt MHV Geschäftsführer Achim Overath. | © Jemima Wittig

Löhne/Bad Oeynhausen Kostenloser ÖPNV ist auch in Löhne ein Thema

Busse: Kreis und Minden-Herforder-Verkehrsgesellschaft loben die Debatte, da damit der Klimaschutz und das Preisleistungsverhältnis angesprochen wird. Ende des Jahres übernimmt ein neuer Betreiber die Strecken in Löhne

Löhne. Endlich Osterferien. Da die Kinder seit gestern nicht mehr zur Schule fahren, ist es in den Bussen leerer geworden. „Zu den Schulzeiten sind sie immer voll", sagt Landrat Jürgen Müller. Wäre die Beförderung kostenlos, wie es die Bundesregierung im Februar vorgeschlagen hat, wären die Fahrzeuge sicher voller. Die Nahverkehrspläne für Löhne macht der Kreis Herford – für Bad Oeynhausen ist der Kreis Minden-Lübbecke zuständig. Die Kommunen müssen diese dann finanzieren. „Darum kann Löhne nur gerade so das notwendige Angebot erfüllen", sagt Müller. Die Idee eines kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs finde er gerade unter dem Aspekt des Klimaschutzes gut, damit weniger Autos in den Städten fahren. „Bund und Land stehen da aber in der Schuld eines klaren Statements. Sie müssen in die Finanzierung mit einsteigen. Das kann nicht an der kommunalen Familie hängen bleiben", so Müller. Er wartet gespannt auf die Ergebnisse in Herford. Dort prüft die Verwaltung derzeit, welche Kosten für die Stadt anfallen würden und wie eine Umstellung durchgeführt werden könnte. „Die dortigen Verhandlungen können eine Grundlage für andere Städte werden", sagt er. Bis Februar lief eine Ausschreibung für einen neuen Betreiber des öffentlichen Personenverkehr in Löhne und Bad Oeynhausen. Die Angebote werden bis Ende April geprüft. Das Vergabeverfahren wird durch die Minden-Herforder-Verkehrsgesellschaft (MHV) durchgeführt. Der neue Betreiber soll die Strecken ab dem 1. Dezember übernehmen bis zum letzten Sonntag nach Beginn der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen 2026. Der Fahrplan in Löhne umfasst eine Strecke von 550.000 Kilometern pro Jahr; der von Oeynhausen 600.000 Kilometer. Derzeit fährt in Löhne die BVO (Busverkehr Ostwestfalen) und in Oeynhausen der Omnisbusbetrieb Karl Köhne. Mit dem neuen Betreiber sollen barrierefreie Busse eingeführt werden und einige der Taxibusse, die viel in Anspruch genommen wurden, werden durch reguläre Busse ersetzt, so MHV-Geschäftsführer Achim Overath. »Eine Monatskarte ist zur Zeit nicht erschwinglich« „Tarife können je nach Gebiet theoretisch geändert werden", sagt er auf Nachfrage der Neuen Westfälischen über die kostenlosen Tickets. „Der Ausgabenträger entscheidet, was gemacht wird. Ohne politischen Auftrag kann ich nicht handeln." Selbst wenn in Löhne kostenlose Fahrten eingeführt würden, könnten andere Tickets weiterhin etwas kosten wie zum Beispiel die des Westfalentarifs nach Bielefeld, wenn das nicht ach geändert werden würde. „Wir müssen natürlich vernünftig mit den Steuergeldern umgehen", betont Overath."Es gibt bislang viel zu wenige Erfahrungswerte für den kostenlosen Nahverkehr." Er vermutet, dass mehr Menschen die Busse nützen würden. Dann bräuchte es mehr und größere Fahrzeuge und neue Fahrpläne und Strecken. Bislang bewältigen die Löhner Busfahrer 2.500 Fahrten täglich. Durch die abgewandelten Fahrpläne je nach Werktag sind es mehr als 700.000 Fahrten im Jahr. Im Belgischen Hasselt habe es von 1997 bis 2013 Fahrten zum Nulltarif gegeben, weiß Overath. Dort stiegen die Fahrgastzahlen innerhalb von 10 Jahren von etwa 1.000 auf mehr als 12.000. Finanziert wurde das Projekt durch Einsparungen an sonst notwendig gewordenen Investitionen für den Bau weiterer Straßen. Da es aber nicht mehr finanziert werden konnte und wegen zunehmendem Vandalismus wurde das Abgebot wieder eingestellt. Kinder bis 18 und Senioren ab 65 Jahren fahren aber noch immer kostenfrei. Auch in Deutschland gibt es ein positives Beispiel: In Templin in Brandenburg waren die Busfahrten für die Gäste von 1998 bis 2002 kostenlos. Da dort immer mehr Menschen aufs Auto umstiegen und die Kosten des Nahverkehrs kaum gedeckt wurde, entschied man sich für den Schritt. Die Fahrgastzahlen stiegen daraufhin innerhalb eines Jahres um das Achtfache auf 350.000 Passagiere. Auch Templin konnte die Kosten dann aber nicht mehr alleine tragen. Dennoch kostet heute zum Beispiel ein Monatsticket nur 3,67 Euro. Achim Overath hofft, dass durch die Diskussion um die kostenlosen Tickets, über das Preis-Leistungsverhältnis der Fahrten in den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke gesprochen wird. „Eine Monatskarte ist zur Zeit nicht erschwinglich."

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