Stilles Mahnen: Nach dem Tod von Harun Aydurmus legten Bürger vor dem Bahnhof ein Herz aus Kerzen nieder - © Ulf Hanke
Stilles Mahnen: Nach dem Tod von Harun Aydurmus legten Bürger vor dem Bahnhof ein Herz aus Kerzen nieder | © Ulf Hanke

Löhne Haupttäter im Spatenstiel-Prozess muss seine Haft antreten

Urteil: Die Revision der Verteidigung ist vor dem Bundesgerichtshof gescheitert. Damit ist das Urteil des Landgerichts rechtskräftig. Das Gericht hat den Mann aus Bad Salzuflen wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu vier Jahren Gefängnis verurteilt

Susanne Barth

Löhne. Die Familie Aydurmus atmet auf. Sie ist erleichtert, dass das Ringen um das Strafmaß endlich ein Ende hat. Gestern erreichte der erlösende Brief vom Bundesgerichtshof die Nebenkläger-Vertreter der Hinterbliebenen. "Der Bundesgerichtshof hat die Revision verworfen. Damit ist das Urteil des zweiten Prozesses rechtskräftig", sagt Christian Thüner, der die Familie gemeinsam mit vier Kollegen vertreten hat. Der Haupttäter muss demnach seine Haft antreten. Mikhail S. aus Bad Salzuflen ist vor dem Landgericht Bielefeld im Mai dieses Jahres zu vier Jahren Haft wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt worden. Sein Verteidiger hatte Freispruch oder eine einjährige Bewährungsstrafe gefordert und ist nach dem Urteil in Revision gegangen. Damit hatte Detlev Binder keinen Erfolg. Der Bundesgerichtshof stellte keine Verfahrensfehler fest. "Das ist für uns kein überraschendes Ergebnis", sagt Christian Thüner. "Die Revision der Verteidigung war zum Scheitern verurteilt", so der Nebenkläger-Anwalt. Auch er sei nun froh, dass das Verfahren "endlich zum Ende gekommen ist". Nachdem er den Brief vom Bundesgerichtshof in den Händen hielt, hat er umgehend die Familie Aydurmus informiert. "Sie sind erleichtert, können jetzt endlich einen Schlussstrich ziehen." Himmelfahrt 2015 kam es am Löhner Bahnhof zu einer Auseinandersetzung, die für den sechsfachen Familienvater tödlich endete. Der Haupttäter des handfesten Streits ist demnach ein Ende Zwanzigjähriger aus Bad Salzuflen gewesen sein. Nach gegenseitigen Provokationen, weil der Angeklagte mitsamt vier Freunden die Bahnhofsausfahrt versperrten, soll er so heftig auf den Autofahrer Harun Aydurmus eingeprügelt haben, dass dieser später an den Folgen starb. Im ersten Prozess vor dem Landgericht Bielefeld sprach Richterin Jutta Albers den Angeklagten frei. Er soll in Notwehr zugeschlagen haben. Die Staatsanwaltschaft und die Vertreter der Nebenkläger gingen in Revision und bekamen Recht. Die Notwehrsituation sei wegen zu "mangelhafter Begründung" aufgehoben worden. Der Prozess wurde erneut aufgerollt. Diesmal wurde Mikhail S. zu vier Jahren Haft wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. Der Vater von einem Kind muss nun seine Haftstrafe antreten. Dabei wird ihm die Untersuchungshaft vor dem Prozessbeginn angerechnet. Auch muss er die Kosten der Prozesse tragen. Nach dem Urteil des Bundesgerichtshof müssen nun auch die "Zechkumpanen" zeitnah mit einer Anklage rechnen.

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