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Löhne Afghanischer Pflegesohn Wais wird Restaurantfachmann

Der 21-jährige Sohn von Familie Bröenhorst macht eine dreijährige Ausbildung in Münster. Sein Arbeitsplatz ist eine Gaststätte mit „westfälischer Küche 2.0“, mitten in der Stadt, gleich hinterm Dom

Ulf Hanke
08.08.2017 | Stand 08.08.2017, 17:41 Uhr

Löhne. Jetzt also Münster, die westfälische Stadt, in der es entweder regnet oder die Glocken läuten. Wais Zakir, der afghanische Pflegesohn von Familie Bröenhorst, hat dort eine Lehrstelle im Restaurant „Großer Kiepenkerl" angetreten. Sein Arbeitsplatz liegt nur eine Minute vom Dom und dem Prinzipalmarkt entfernt. Seine Chefin Wilma von Westphalen war nach wenigen Tagen Probearbeiten vom Können des 21-jährigen Löhners überzeugt und hat ihn eingestellt. Die Restaurantchefin ist voller Lob: „Wais ist sehr motiviert, fleißig und zuverlässig." Er passe gut in das Restaurant im Herzen der Stadt, das laut seiner Inhaberin „westfälische Küche 2.0" anbietet, vor allem Lebensmittel aus der Region verwendet, sich der Slow-Food-Bewegung verschrieben und die westfälischen Vegetarier im Blick hat. Wais komme in dem internationalen Team gut zurecht, erzählt die Restaurantchefin. Etwa die Hälfte der 70-köpfigen Belegschaft habe nichtdeutsche Wurzeln: „Bei uns arbeiten 22 Nationalitäten." Wais ist noch der einzige Afghane im Team, hat aber bereits einen weiteren Mitarbeiter gleicher Herkunft akquiriert, verrät die Chefin. „Ich brauche ein bisschen Action" Nach seinem Schulabschluss hatte sich Wais zunächst als Verfahrensmechaniker versucht. Eigentlich wollte er, auch um dem Wunsch seiner Eltern zu entsprechen, in die Gesundheitsbranche. Doch das war nichts für ihn. „Ich brauche ein bisschen Action", sagt Wais Zakir am Telefon. Seine Pflegemutter Gisela hatte bei einem Besuch in Münster ein Stellengesuch gelesen und für Wais ein Vorstellungsgespräch organisiert. Gestern hatte Wais frei, hat diverse Behördengänge absolviert und seine deutsche Pflegemutter Gisela in seiner neuen Wohnung zum Essen eingeladen. Wais hat gekocht. In seinem neuen Beruf Restaurantfachmann lernt der 21-Jährige nicht bloß Kellnern, sondern den gesamten Service am Gast. Für das Leben in Münster ist Wais gewappnet: Ralf Bröenhorst hat ihm sofort ein Fahrrad besorgt. Das braucht Wais zwar nicht für seinen Weg zur Arbeit, denn die Wohnung liegt nur wenige Fußminuten entfernt. Vergangenes Wochenende war er aber mit Freunden aus Löhne schon am Aasee („ein beruhigender Ort") und in der Stadt („hier ist immer was los"). Dieses Wochenende wird er in Löhne verbringen. Wais kam 2004 als Achtjähriger für eine lebensrettende Herzoperation mit dem Verein „Kinder brauchen uns" nach Deutschland und wurde von Ralf und Gisela Bröenhorst aufgenommen.

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