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Im Kehranzug: Selina Schlömp (22) ist Schornsteinfegerin. Im November beginnt sie ihren Meister, aktuell macht sie beim Wettbewerb "Germany's Power People" des Deutschen Handwerksblatt mit und will Miss Handwerk werden. - © Susanne Barth
Im Kehranzug: Selina Schlömp (22) ist Schornsteinfegerin. Im November beginnt sie ihren Meister, aktuell macht sie beim Wettbewerb "Germany's Power People" des Deutschen Handwerksblatt mit und will Miss Handwerk werden. | © Susanne Barth

Löhne Schornsteinfegerin Selina Schlömp will Miss Handwerk werden

Sie ist die erste weibliche Schornsteinfegerin ihrer Stadt und könnte nach Marie-Thérèse Simon, Konditorin, die zweite Miss-Kandidatin aus Löhne werden

Amélie Förster
03.08.2017 | Stand 03.08.2017, 16:04 Uhr
Susanne Barth

Löhne. Wer nicht schwindelfrei ist, ist im Job von Selina Schlömp fehl am Platz. Hoch über die Dächer steigt die 22-jährige Löhnerin. Mit Schultereisen und Kehrbesen geht es für Schlömp Schritt für Schritt hoch zum Arbeitsplatz. 2016 hat sie ihre Ausbildung zur Schornsteinfegerin beendet – als einzige Frau. Jetzt hat sie ihren eigenen Kehrbezirk, einen Lehrling und will die neue Miss Handwerk werden. Selina Schlömp entspringt einer Schornsteinfegerfamilie. Ihr Opa, ihr Vater und auch zwei ihrer Onkel sind Glücksbringer, ein Cousin gerade Lehrling. Doch Selina wollte den Job nie machen. „Ich dachte an Erzieherin oder Krankenschwester", erzählt die junge Frau. Nach ihrem Bundesfreiwilligendienst hatte sie sogar schon ein Praktikum in einem Lübbecker Krankenhaus absolviert. Doch: „Ich bin froh, dass ich diesen Job nicht gemacht habe. Es ist toll, Schornsteinfegerin zu sein." Ihre Ausbildung hat Selina in Löhne gemacht und war die erste weibliche Schornsteinfegerin der Werrestadt. Abgeschlossen hat sie im August 2016, als Gesellin fing sie bei Stefan Busse an. Sofort nach der Ausbildung bekam Selina einen Lehrling zugeteilt, ihm bringt sie das Handwerk bei. In Rehme und Porta Westfalica ziehen sie von Tür zu Tür. Selbst ihre blonden Haare sind nach dem Kehren schwarz Ihr Job ist es, Heizungen zu messen und Kamine zu kehren. Hoch auf dem Dach wird die 22-Jährige dann richtig dreckig. Unter dem schwarzen Kehranzug trägt die Löhnerin lange Unterwäsche: „Damit sich der Ruß nicht so extrem auf der Haut absetzen kann", erklärt sie. Dennoch ist sie nach dem Fegen komplett schwarz. Sowohl die Hände, das Gesicht als auch die blonden Haare. „Da hilft nur zehn Minuten lang duschen und ordentlich schrubben", sagt Selina und lacht. Dass sie bei der Arbeit dreckig wird, macht ihr nichts aus: „Privat würde mich das stören, da achte ich sehr auf Ordnung und Sauberkeit, aber bei der Arbeit ist mir das total egal. Das gehört eben dazu." Im November beginnt die 22-Jährige mit ihrem Meister. Den absolviert sie zum größten Teil vor dem PC. „Ich bin acht Wochen in Erfurt und den Rest mache ich online." Vorab hat sie noch ein weiteres Ziel. Selina will Miss Handwerk werden. Dabei geht es ihr um den sportlichen Wettstreit mit anderen: „Ich will unbedingt gewinnen." Dafür muss sie unter die Top 12 kommen. Dann geht es eine Runde weiter. Abstimmen ist bis zum 24. August möglich Im vergangenen Jahr hat sie es bereits bis auf den dritten Platz geschafft. „Das Fotoshooting konnte ich damals aus familiären Gründen nicht wahrnehmen", erzählt Selina, die es einfach noch einmal probieren möchte. Wer sie unterstützen will, hat noch bis zum 24. August Zeit, für die Löhnerin abzustimmen (Infos siehe Kasten). Sollte sie die nächste Runde erklimmen, könnte Selina Schlömp in die Fußstapfen von Marie-Thérèse Simon steigen. Die Löhner Konditorin von der Bäckerei Simon hat sich vor zwei Jahren bei dem Wettbewerb durchgesetzt und ist 2016 zur Miss Handwerk gekürt worden (kleines Foto). Vielleicht hilft Selina Schlömp auch ihr Beruf weiter. Schornsteinfeger gelten ja bekanntlich als Glücksbringer. Viele schöne Erlebnisse hat sie deshalb in den vergangenen Jahren als Schornsteinfegerin schon gehabt: „Viele Menschen rufen mich noch mal zurück, um an einem meiner goldenen Knöpfe, die an der Arbeitskleidung angebracht sind, zu drehen." Ein Erlebnis ist ihr aber besonders gut in Erinnerung geblieben. Ein Lkw-Fahrer habe mal extra angehalten, um am Knopf zu drehen: „Er hatte einen Lottoschein dabei."

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