Stephanie Budde (35) arbeitet seit 14 Jahren bei Wigo Werkzeugtechnik Wetter in Löhne als Schneidwerkzeugmechanikerin. - © Susanne Barth
Stephanie Budde (35) arbeitet seit 14 Jahren bei Wigo Werkzeugtechnik Wetter in Löhne als Schneidwerkzeugmechanikerin. | © Susanne Barth

Löhne Weltfrauentag: Drei Frauen als Vorbild für junge Mädchen

Rollenbilder sind im Beruf immer noch stark ausgeprägt. Frauen haben im technischen Bereich Seltenheitswert

Susanne Barth

Löhne. Rollenbilder sind im Beruf immer noch stark ausgeprägt. Frauen haben im technischen Bereich Seltenheitswert, Erzieher muss man ebenfalls mit der Lupe suchen. Dass sich das Durchboxen durchaus lohnt, erzählen drei Frauen im Gespräch mit der NW „Unabhängigkeit ist wichtig" Architektin: Isabel Wiehofsky leitet ein Unternehmen und sieht, wie sich in der einstigen Männerdomäne langsam auch immer mehr Frauen behaupten Ein Unternehmen leiten, Mitarbeiter führen, Karriere machen: Isabel Wiehofsky ist überzeugt: „Frauen könnten das alles auch." Doch je höher es auf der Karriereleiter geht, desto männlicher wird es. Die Löhnerin ist eine der Ausnahmen. Sie hat sich in einer Männerdomaine durchgesetzt, ist Geschäftsführerin des Architekturbüros Podufal-Wiehofsky Generalplanung in Gohfeld. Anderen Frauen will sie Mut zusprechen: „Ihnen stehen alle Möglichkeiten offen, sie müssen diese nur nutzen." In ihren Beruf als Architektin ist sie reingewachsen. Als Kind ist sie schon auf Baustellen gewesen, hatte einen Einblick in die Arbeit ihrer Eltern. Die haben ein Architekturbüro in Gohfeld gehabt, im Anbau des Hauses, das sie heute weiterführt. „Frühzeitig war mein Interesse für diesen Beruf geweckt." Nach dem Abitur hat sie sich für ein Architekturstudium in München entschieden. Wie viele Frauen damals mit ihr zusammen im Hörsaal saßen, weiß sie heute nicht mehr. „Es war damals eine Männerdomaine mit deutlichem Herrenüberschuss." Bei den Bauingenieuren sei es noch extremer gewesen. Doch das Bild dreht sich langsam: „In den letzten Jahren sind die beiden Berufe weiblicher geworden", sagt Wiehofsky, die das Unternehmen gemeinsam mit Ehemann Robert Wiehofsky führt. In der ehemaligen Grundschule Wittel sitzt das Architekturbüro seit Herbst des vergangenen Jahres. Die Frauenquote hier: 20 Prozent. Zwei Kinder haben die Wiehofskys. Generell könne man Kind und Karriere hinbekommen, doch Isabel Wiehofsky sagt auch ganz klar: „Bei uns wäre es ohne Oma nicht gegangen." Den Familien werden bei der Kinderbetreuung Steine in den Weg gelegt. „An den Kita-Öffnungszeiten muss dringend gedreht werden." Denn für ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit sollten Frauen unbedingt selber sorgen. Dabei sei auch die Politik gefragt: „Es ist ein schlechter Weg, dass es immer noch viele Berufe gibt, mit dessen Gehalt man sein Leben nicht bestreiten kann, geschweige denn eine Familie ernähren kann." Über eine Frauenquote sei es generell interessant zu diskutieren. Im Mittelstand ist das kein Thema, findet Wiehofsky. Da gebe es zahlreiche Frauen, die Geschäfte führen. Hoch oben sieht das aber immer noch anders aus. „Ich denke, in 50 Jahren hat sich das mit der Frauenquote erledigt und in 80 Jahren schreien wahrscheinlich die Männer nach einer Quote." „Eine Frauenquote ist erforderlich" Ingenieurin: Sandra Striewski trifft als Betriebsleiterin in ihrem Beruf Entscheidungen und übernimmt dafür auch die Verantwortung Auf eine lange Tradition blickt der Internationale Weltfrauentag zurück. Er entstand in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen. Überholt ist der Tag noch lange nicht, findet Sandra Striewski. Sie ist Betriebsleiterin bei Kompotec Kompostierungsanlagen in Nieheim und sagt: „So lange etwas im Ungleichgewicht ist, ist es wichtig, daran erinnert zu werden". In der Nähe von Bremen ist Striewski 1971 geboren. Nach dem Abitur und einem Jahr als Au pair in Irland hat sie Chemietechnik in Dortmund studiert. An der Uni sollte ein neuer Studiengang ins Leben gerufen werden, der Umweltschutz in den Fokus rückt. „Das war meine Motivation mit dem Studium anzufangen", sagt Striewski. Gekommen ist der Studiengang erst Jahre später: „Da sind viele drauf reingefallen", sagt die Löhnerin und lacht. Ihr habe das klassische Ingenieursstudium allerdings gefallen. Zwar gab es in der Chemietechnik einen höheren Frauenanteil als bei Mathe, aber unterrepräsentiert war das weibliche Geschlecht auch dort. Zum Promovieren ging Striewski dann zur RWTH Aachen. Den ersten Job hat sie dann bei einem Unternehmen in Bad Oeynhausen bekommen. Seitdem lebt sie in Löhne. Heute arbeitet sie als Betriebsleiterin bei Kompotec, einem Unternehmen, das zur Eggersmann Gruppe gehört. Nach dem Studium hat sich die Geschlechterungleichheit bei vielen Studentinnen bemerkbar gemacht. „Es gab viele Ingenieure auf dem Markt und für Frauen war es schwieriger einen Job zu bekommen", beschreibt sie die damalige Zeit. Oft habe die Jobsuche länger gedauert als bei den Männern, trotz Know How und qualifiziertem Wissen der Frauen. „Das war ein strukturelles Phänomen." Geändert habe sich das mittlerweile, bemerkt Striewski: „Wenn der Weg jetzt mal steiniger ist, dann ist das unabhängig vom Geschlecht." Dennoch ist die Ingenieurin für eine Frauenquote: „Eine Quote ist erforderlich, um Frauen in Führungspositionen zu bringen." So lange, bis es selbstverständlich ist. Profitieren würden davon alle. Striewski: „Studien zeigen, dass gemischte Teams besser und effizienter arbeiten sowie anders kommunizieren."  "Gleichstellung muss sein" Schneidwerkzeugmechanikerin: Stephanie Budde ist im technischen Bereich bei Wigo Werkzeugdienst Wetter die einzige Frau Mit ihren Kumpels hat Stephanie Budde schon in der Garage ihrer Eltern an Mopeds rumgeschraubt. Mathe lag ihr schon in der Schule, sie besitzt technisches Verständnis, doch eigentlich wollte die heute 35-Jährige zur Polizei. Dort machte sie auch ihr erstes Praktikum. Ein zweites scheiterte, da es keine freie Stelle mehr gab, so rutsche Budde eher durch Zufall in eine typische Männerbranche hinein, den Schritt hat sie nicht bereut. Seit 14 Jahren arbeitet sie bei Wigo Werkzeugdienst Wetter in Löhne. Als einzige Frau steht sie an der CNC-Maschine, arbeitet Prototypen aus, stellt Profilfräser her. Die Arbeit macht ihr Spaß. „Es ist vielseitig und flexibel." Von Anfang an ist Budde von ihren männlichen Kollegen akzeptiert worden. „Es wurde keine Rücksicht darauf genommen, das ich eine Frau bin", sagt Budde, die den Ausspruch durchaus positiv meint. Gleichberechtigung und Gleichstellung in allen Bereichen ist der jungen Frau wichtig. Ihr Chef, Rüdiger Wetter, ist das Geschlecht seiner Angestellten egal, solange sie gute Arbeit machen. „Es dürfen sich ruhig mehr Frauen trauen", sagt der Inhaber von Wigo Werkzeugdienst Wetter. Allerdings weiß auch Wetter, dass nicht jede Frau für den Job geeignet ist. „Technisches Verständnis ist wichtig." Reinschnuppern helfe dabei, sagt auch Stephanie Budde: „Ich kann die Arbeit jedem Mädchen nur empfehlen." Dass es als Frau nicht immer einfach in der Männerdomaine ist, hat Budde selbst erlebt. „In meiner Ausbildung habe ich andere Seiten kennengelernt." Da habe sie sich schon mal ausgegrenzt, nicht akzeptiert gefühlt. „Ich habe nicht viel gezeigt bekommen, stand häufig einfach nur daneben." Das sei jetzt ganz anders. Von Anfang an hat sie sich hier wohlgefühlt. Problematisch findet die junge Frau die in Bad Oeynhausen lebt, dass Frauen im Job häufig noch benachteiligt sind und nennt das Stichwort Bezahlung. Auch ärgert sie die Kinderunfreundlichkeit Deutschlands. „Es wird Familien schwer gemacht", sagt Budde. Sie wünsche sich mehr Firmen, die eigene Kitaplätze vorhalten und flexiblere Arbeitszeiten. „Da muss noch viel getan werden."

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