Löhne Neues Buch über Missionar Gottlieb Viehe aus Mennighüffen

Über die "Heidenmission": Walter Moritz berichtet über die Arbeit des gebürtigen Mennighüffeners Gottlieb Viehe im ehemaligen Deutsch-Südwest-Afrika

Dirk Windmöller
09.02.2017 | Stand 08.02.2017, 17:58 Uhr

Löhne. Der Autor Walter Moritz hat in vielen Publikationen über die Verbreitung des christlichen Glaubens im südlichen Afrika geschrieben. Jetzt ist eine neue Publikation unter dem Titel „Der Beginn der Mission in Namibia“ erschienen. Dort wird auch ein Beitrag über den Mennighüffener Missionar Gottlieb Viehe veröffentlicht. Der Text wurde 2005 erstmalig veröffentlicht. Im Jahr 2004 hat Moritz auch in Mennighüffen nach den Wurzeln von Gottlieb Viehe gesucht. Viehe wurde am 17. Juli 1839 in Mennighüffen geboren. Viehe war im damaligen Deutsch-Südwest-Afrika Präses der Rheinischen Mission. Viehe wanderte mit seinen Eltern und seinen elf Geschwistern im Jahr 1844 nach Nordamerika aus. Die Familie lebte in Indiana. „Schon lange war in Gottliebs Herzen die Liebe zur Heidenmission immer mehr gewachsen. Wahrscheinlich hatte er schon als kleiner Junge in Mennighüffen die Missionsfeste auf dem Nachbarhof miterlebt, Pastor Weihe und später besonders Pastor Schmalenbach waren besondere Freunde der Mission. Es traf sich nun, dass in Indiana ehemalige Seminaristen der Rheinischen Mission aus Barmen als Prediger nach Indiana kamen. Diese haben sicher auch in den kirchlichen Kreisen über die Mission berichtet“, schreibt Moritz. Viehe ließ sich im Barmener Missionshaus zum Missionar ausbilden. Im Herbst 1861 trat er ins Seminar ein. „Am 17. Oktober 1866 konnte er zum Dienst unter den Heiden ordiniert werden“, so Walter Moritz. Viehe schreibt in seinem Abschiedsgruß: „Dem Herrn mit der mir verliehenen Gabe treu zu dienen, das unverdiente Vertrauen der mich sendenden Gesellschaft zu würdigen und zu rechtfertigen und einst die Krone des ewigen Lebens aus der Hand unseres himmlischen Königs zu erlangen“. Viehe richtet 1870 eine Missionstation in Omaruru ein, das damals Okozondje hieß. Viehe schreibt: „Omaruru heißt „Bitterwasser“ und ist der Name eines großen Flußbettes. Der Platz, wo wir wohnen und wo die Hereró sich um das Wort Gottes sammeln, heißt Okozondye, auf Deutsch Scorpionen-Platz. Es ist ein schöner fruchtbarer Platz am rechten Flußufer. Mit der Anlegung dieser Station ist Kamaharaero gar nicht recht zufrieden, denn er wünscht eigentlich nicht, dass die einzelnen Hereróstämme Missionare bekommen. Dies Vorrecht möchte er viel lieber allein genießen, um dadurch politisch stärker zu werden“. In einem Brief vom 14. Mai 1871 schreibt Viehe an die Kinder in Deutschland: „Meine Studierstube ist freilich nicht eben schön; es ist weder ein hölzener, noch ein steinerner Fußboden darin, und das niedere Strohdach ist unmittelbar über meinem Kopfe, und es regnet so sehr durch, dass bisweilen ziemlich tiefes Wasser darin steht. Es enthält ein Harmonium, eine Bibliothek, einen Tisch und einige Stühle. Außer meinem Studierstübchen hat unser Haus noch fünf andere Räume. Von meinem Studierzimmer führt nach hinten hin eine kleine, mit einem Vorhang versehene Thür in ein Stübchen, welches vornemlich für Besucher bestimmt ist. Wir haben nemlich auf unserm lieben Okozondye oft Besuch von lieben Freunden, z.B, müssen die Finnischen Missionare auf ihrer Reise nach Ovamboland oder zurück immer hierdurch. Kleidungsstücke, Taschenmesser und manches andere dient uns als „Geld“ um Schlachtvieh einzukaufen“. Moritz hat weiter rechechiert: „Nur einmal im Jahr gibt es Nachschub. Sie müssen also gut haushalten. Ist der Vorrat an Tauschmitteln aufgebraucht, muss die Familie dann von dem grünen Mais leben, der im Garten vor dem Hause wächst. Schon 1871 begann Viehe mit dem Bau eines neuen Missionshauses. Das Haus, das später erweitert wurde, ist heute als Museum zu besichtigen. Schon vier Tage nach seiner Ankunft hielt Missionar Viehe den ersten Gottesdienst für die Herero in der alten Kirche, die der Evangelist Cloete erbaut hatte. Sie war gerappelt voll. Anschließend fand der Gottesdienst für die weiße Gemeinde in Holländisch statt, das waren in der Regel eine Anzahl weißer Händler und Elefantenjäger. Viehe hielt auch Schule, sowohl für die 40 Hererokinder, wie auch für die europäischen Kinder, zehn an der Zahl. Viehe beschreibt das Schulhaus, das sich auszeichnet durch schiefe Wände: „Es mangelt an Schreibtischen und Bänken, und die meisten Kinder hocken auf der Erde. Diese besteht aus Lehm, der nie geschruppt, wohl aber von Zeit zu Zeit mit frischem Kuhmist überstrichen wird.“

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