Gruppenbild mit Baum: Einige der Paten waren vor der Übergabe der Patenbriefe zur Allee gekommen. - © Dirk Windmöller
Gruppenbild mit Baum: Einige der Paten waren vor der Übergabe der Patenbriefe zur Allee gekommen. | © Dirk Windmöller

Löhne Allee des Grundgesetzes eingeweiht

Übergabe der Patenbriefe durch das Bündnis "Gemeinsam für Vielfalt"

Dirk Windmöller

Löhne. Die Allee des Grundgesetzes präsentiert sich am Tag der offiziellen Eröffnung im schönsten Winterlicht. Bevor in einer Feierstunde die Urkunden übergeben wurden, waren einige Paten zu "ihren" Bäumen gekommen. Diese waren bereits im November gepflanzt worden und sind gut angeschlagen. Pfähle, an denen Schilder mit den jeweiligen Artikeln hängen, geben ihnen Stabilität. Ein Baum steht für Artikel 2 des Grundgesetzes. "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich", heißt es dort. Dafür hat sich das Autistenwohnheim Spatzenberg ebenso beworben wie die Frauenvereinigung Soroptimists international. "Noch immer müssen Frauen um ihre Rechte kämpfen, darum haben wir uns für diesen Artikel entschieden", sagt Silke Niermann von den Soroptimists. Sie findet den Standort gut. "Hier kommen viele Menschen vorbei." Und wenn man als Spaziergänger ins Nachdenken über das eine oder andere Grundrecht komme, sei viel erreicht. Von diesem Konzept war auch Landesfamilienministerin Christina Kampmann überzeugt. Sie hat die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen. Ursprünglich wollte sie auch persönlich zur Feierstunde kommen, war jedoch verhindert. So verliest Anne Wehmeier vom Bündnis das Grußwort der SPD-Politikerin. Kampmann betont darin, wie wichtig der Kampf die Grundrechte als Basis für die Demokratie sei. Das sei gerade vor ein paar Tagen wieder deutlich geworden, als der AFD-Politiker Björn Höcke in einer Rede gesagt hatte "Wir Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat." Damit meinte er das Holocaust-Mahnmal in Berlin. Mit diesen rechten Parolen stelle er das Fundament unserer Demokratie infrage. Umso wichtiger sie die Aktion des Bündnisses: "Die Grundrechte müssen lebendig bleiben, weil sie das Wurzelwerk unserer Gesellschaft sind." Auch Bürgermeister Bernd Poggemöller macht sich Sorgen. "Wir erleben einen Wandel in unserer politischen Kultur. Die Rhetorik wird härter und bei Wahlkämpfen wird gelogen, was das Zeug hält." Dass sich die Wutbürger zu Wort melden, sei auszuhalten. "Aber es werden zunehmend rote Linien überschritten. Da müssen wir wachsam sein." Neben verschiedenen Gruppierungen haben auch Privatleute die Patenschaften für die Grundrechte übernommen. Eine von ihnen ist Elisabeth Breder. Für sie ist Artikel 1 "Die Würde des Menschen ist unantastbar" besonders wichtig. Breder hat in Johannesburg und London gelebt. Sie betont die Bedeutung von kultureller Vielfalt und rät im Kurzinterview mit Volker Hegemann vom Bündnis: "Schreiten Sie ein, wenn es zu rassistischen Äußerungen kommt, auch wenn das Freundschaften beendet." Die Schüler des Städtischen Gymnasiums hatten sich für Artikel 7 des Grundgesetzes entschieden. "Das gesamte Schulwesen steht unter Aufsicht des Staates", woraus sich auch das Recht auf Bildung ableitet. Auch wenn Schule gelegentlich nerve, sei dieses Recht sehr wichtig. "Nur wer gebildet ist, kann Fake News von richtigen Nachrichten unterscheiden", bringt es Schülersprecherin Imke Schröder auf den Punkt. Den Artikel 16a "Politisch verfolgte genießen Asyl" hatte die Bertolt-Brecht-Gesamtschule gewählt. "An unserer Schule haben von 1.000 Schülern 483 einen Migrations-Hintergrund, viele von ihnen mit einem laufenden Asylverfahren", sagt Schülerin Jolina Becker. Sie und zwei Mitschüler nennen etliche Projekte, in denen sich die Schule um Integration bemüht. Ein beeindruckendes Zeichen setzten die Vertreter der Löhner Glaubens- und Religionsgemeinschaften. Sie alle, Christen, Moslems, Jesiden, übernahmen die Patenschaft für den Artikel 4: "Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet." Peter Außerwinkler, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Löhne-Ort, freut sich dass man sich schnell einig geworden sei. "Innerhalb von drei Wochen hatten wir von allen positive Rückmeldungen." Auch das sei ein Zeichen dafür, das "wir hier in friedlicher Vielfalt leben", so Außerwinkler. Diese Aussage bringt auch den Einsatz des Bündnisses auf den Punkt. Silke Niermann hofft, dass die Allee nicht nur im übertragenen Sinn Früchte trägt. "Damit wir eines Tages aus den Äpfeln Marmelade kochen können, die wir für einen guten Zweck verkaufen". Kommentar Kampf gegen die Demokratiekiller Von Dirk Windmöller Am Freitag wird in Washington Donald Trump als neuer US-Präsident in sein Amt eingeführt. Am Samstag treffen sich rechte bis rechtsradikale Parteien aus Europa zu einem Gipfel in Koblenz. Was hat das mit Löhne zu tun? Sehr viel. Denn Politiker wie Donald Trump, Frauke Petry von der AFD und die französische Rechtsextreme Marine Le Pen sind Demokratiekiller. Sie sind angetreten, viele der Werte mit Füßen zu treten, für die unserer Grundgesetz steht und für die sich das Bündnis für Vielfalt mit der Allee des Grundgesetzes stark macht. Das Datum für die Einweihung der Allee hätte allein wegen dieser zwei Ereignisse nicht besser gewählt sein können, auch wenn es wohl eher ein Zufall war. Denn in der kleinen Stadt Löhne zeigen Bürger , dass es ihnen nicht egal ist, wenn Menschen unsere Demokratie zerstören wollen. Und dass wir alle dafür kämpfen müssen, dass es ihnen nicht gelingt, die Oberhand zu gewinnen. Schlimm, dass man das überhaupt fürchten muss. Auf weitere Aktionen des Bündnisses darf man gespannt sein. Es wäre schön, wenn daraus eine breite Bewegung entstehen würde. Das wäre ein Segen für die Demokratie.

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