In der Heide: Rechts soll die Allee des Grundgesetzes entstehen. Die kleine Straße führt zur Ellerbuscher Straße. - © Dirk Windmöller
In der Heide: Rechts soll die Allee des Grundgesetzes entstehen. Die kleine Straße führt zur Ellerbuscher Straße. | © Dirk Windmöller

Löhne Die Allee des Grundgesetzes

Pflanzaktion: Für zehn Apfelbäume werden Paten für je ein Grundrecht gesucht

Dirk Windmöller

Löhne. Die Bürgerinitiative „Gemeinsam für Vielfalt" hat der Justizopferhilfe und den Germaniten in Löhne das Leben schwer gemacht. Die rechtsextreme Gruppierung hatte an der Lübbecker Straße ein Büro, das sie Botschaft nannte. Die Botschaft existiert nicht mehr. Wohl aber ein nach außen eher unscheinbares Büro an der Koblenzer Straße, das vor einigen Monaten bezogen wurde. Auch dem Bündnis ist zu verdanken, dass die Germaniten in Löhne keine öffentliche Rolle mehr spielen. Für seinen Einsatz gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus wurde die Bürgerinitiative im Jahr 2015 vom bundesweiten „Bündnis für Demokratie und Toleranz" ausgezeichnet. Als Preisgeld gab es 2.000 Euro. „Es gab viele Ideen, wie wir das Geld einsetzen", sagt Ramona Kämper von der Bürgerinitiative. Man sei sich schnell einig gewesen, dass alle Löhner vom Preis profitieren sollten, weil viele Menschen an unterschiedlichen Aktionen der Initiative mitgemacht hätten. „Demokratie und Toleranz müssen wir uns immer wieder verdienen, deshalb möchten wir ein sichtbares Zeichen in der Stadt setzen und möglichst viele Menschen daran beteiligen", sagt Kämper. Entstehen soll die Allee des Grundgesetzes. In der Verlängerung der Straße in der Heide sollen im November zehn hochstämmige Apfelbäume vom Preisgeld gepflanzt werden. Jeder Baum soll auf der künftigen Allee des Grundgesetzes einem Grundrecht gewidmet sein. Auf Tafeln soll auf den jeweiligen Verfassungsartikel hingewiesen werden. „Für jeden Baum und je ein Grundrecht suchen wir Paten", sagt Jürgen Birtsch von der Bürgerinitiative. Paten könnten Vereine, Schulen, Kirchengemeinden, Glaubensgemeinschaften, Parteien, Firmen aber auch Einzelpersonen sein. „Das Grundgesetz bildet den Wertekanon unserer Gesellschaft. Es ist allen ein Begriff, kann aber noch mit mehr Leben gefüllt werden. Darüber müssten sich viel mehr Leute Gedanken machen. Mit der Allee zeigen wir, dass wir für das Grundgesetz einstehen, weil es eine tolle Sache ist", sagt Birtsch. Einen besseren Ort hätten die Initiatoren in Löhne für die Allee nicht wählen können. Die Fläche, auf der die Bäume gepflanzt werden, gehört der Familie Blomeyer. Der CDU-Politiker Adolf Blomeyer war einer der Väter des Grundgesetzes und Mitglied des parlamentarischen Rates. „Diese Idee finde ich sehr gut und wir unterstützen das natürlich sehr gerne", sagen Adolf Blomeyers Sohn Henning und Enkel Joachim. Der Grünstreifen, auf dem früher Pappeln standen, wird vonder Familie kostenlos zur Verfügung gestellt. Ab sofort können sich Interessenten um eine Patenschaft bewerben. „In der Bewerbung sollte stehen, warum man sich für einen bestimmten Artikel entschieden hat. Interessant könnte auch sein, wenn jemand Erfahrungen mit einem bestimmten Artikel gesammelt hat", sagt Ramona Kämper. Ausgewertet werden die Bewerbungen von den Mitgliedern der Initiative. „Die Frist läuft bis zum 10. Oktober, wir wählen dann aus", sagt Anne Wehmeier von der Initiative. Gepflanzt werden die Bäume im November. Ausgewählt wurde als Sorte der „Rote Bellefleur". „Diese Sorte blüht in unserer Gegend am spätesten. So entsteht noch mehr Aufmerksamkeit für die Allee. Die Äpfel des Bellefleur sind strahlend Rot. Auch das passt, weil die Grundrechte Ausstrahlung auf unsere Gesetzgebung haben", sagt Ramona Kämper. Dass gerade mit Blick auf die aktuelle Stimmung in der Gesellschaft ein Nachdenken über die Grundrechte besonders wichtig ist, findet Sigrid Henselmeyer von der Initiative. „Viele Dinge, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren, sind salonfähig geworden. Zum Beispiel, wenn es 
um die Ausgrenzung von Minderheiten geht. Die Politik reagiert da leider viel zu 
selten." Kommentar Tolle Idee Sie hätten von dem Geld eine Party machen können. Sie hätten sicherlich auch eine Einrichtung gefunden, an die sie die 2.000 Euro sinnvoll hätten spenden können. Entschieden hat sich die Initiative für ein eigenes Projekt. Und dieses kann man nur unterstützen. In Zeiten wachsender Unsicherheit an das Grundgesetz als Fundament für unsere Gesellschaft zu erinnern ist eine tolle Idee. Demokratie ist nicht selbstverständlich. Wir haben uns zu sehr daran gewöhnt, dass es läuft, ohne für sie einzutreten. Das wird auf Dauer nicht funktionieren. Kontakt zum Autor

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