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Ralf Bröenhorst (v.l.), Gisela Bröenhorst, Zehra Bulut, Aysel Kasap, Pflegesohn Wais. Vorne die Kinder Salar (4) und Samiullah (10). - © Vivien Tharun
Ralf Bröenhorst (v.l.), Gisela Bröenhorst, Zehra Bulut, Aysel Kasap, Pflegesohn Wais. Vorne die Kinder Salar (4) und Samiullah (10). | © Vivien Tharun

Löhne/Bad Oeynhausen Ein Zuhause auf Zeit für kranke Kinder

Hilfe: Gisela Bröenhorst holt mit dem Verein "Kinder brauchen uns" schwer erkrankte Kinder aus Afghanistan. Sie werden in Deutschland operiert und leben für die Dauer ihrer Genesung in Gastfamilien

Vivien Tharun
22.08.2016 | Stand 21.08.2016, 18:46 Uhr

Löhne/Bad Oeynhausen. Seit zwei Monaten wartet die zehn Jahre alte Nooria in Kabul, der Hauptstadt Afghanistans, auf ihr Visum nach Deutschland. Ihre zukünftige Löhner Gastmutter Aysel Kasap ist gespannt wie es mit Nooria wird. Das Mädchen stammt aus armen Verhältnissen, aus einem Dorf am Fuße des Hindukuschs: Dort fiel sie einen Felsvorsprung hinunter. Dabei brach sich die Zehnjährige die Hüfte und Teile der Wirbelsäule, doch das Krankenhaus in Kabul konnte nicht mehr für sie tun, als zu röntgen und zu stabilisieren. Es sind Kinder wie Nooria, denen der Verein "Kinder brauchen uns" hilft. Ein Verbund aus aktiven Mitgliedern, Ärzten und Betreuern holt schwer erkrankte oder verletzte Kinder aus Afghanistan nach Deutschland, damit sie behandelt werden. Manche Krankenhäuser erklären sich auf Anfrage und gegen eine Spendenquittung bereit, kostenlos zu operieren. Bei manchen Behandlungen muss der Verein vorweisen, dass er die Folgekosten einer Rehabehandlung tragen kann. In Löhne ist es Gisela Bröenhorst, die sich für Kinder wie Nooria einsetzt, das Bürokratische regelt und eine Gastfamilie sucht, die bereit ist, einen kranken Schützling im Krankenhaus zu besuchen, zu Hause zu betreuen und das Heimweh zu mildern. "Bei Gastfamilie Kasap hatte ich gleich ein gutes Gefühl", sagt Bröenhorst. Nooria soll ihre Hüftoperation in der Heliosklinik Lengerich erhalten. Der OP-Termin steht fest: Am 29. August ist es soweit. Eigentlich hätte Nooria schon seit zwei Monaten hier betreut werden sollen, doch das Konsulat in Kabul sperrte sich, sie vor der Operation ausreisen zu lassen. Das sei weder gut für den Heilungsprozess, noch für die Nerven der zukünftigen Gasteltern in Bad Oeynhausen, so Bröenhorst. In den Löhner Familien Tuztas und Bulut leben bereits Gastkinder. Samiullah ist wie Nooria zehn Jahre alt und lebt momentan bei Frau Kevser Tuztas. Zwei der drei Gastgeschwister sind bereits erwachsen und kümmern sich ebenfalls um den Jungen, der bei einem schweren Unfall einen großen Teil seines rechten Unterarmknochens verlor. Am 28. Mai hatte die Klinik in Bassum einen Operationstermin für Samiullah. Der Arzt entnahm ein Stück des linken Wadenbeinknochens (welches beim Gehen weniger belastet ist) und verpflanzte es in den verletzten Arm. Während seines Klinikaufenthalts stand Famile Tuztas dem Zehnjährigen bei. Eine Woche lang weinte er vor Heimweh. Inzwischen geht es im gut. Sein Arm heilt und in der physiotherapeutischen Praxis Albsmeier und Kelle bekommt er kostenlose Reha-Behandlungen. Das jüngste afghanische Gastkind ist Salar. Er ist gerade mal vier und hat einen angeborenen Herzfehler, den das Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen in dieser Woche operieren wird. Doch schon jetzt hält der kleine Wirbelwind seine Gastfamilie auf Trab. Die Gastmutter Esmer Bulut fragte sich bis vor Kurzem noch, wie sie sich zum Sport motivieren könne, das macht jetzt Salar für sie. "Jeden Abend fährt meine Mutter eine Stunde lang Fahrrad mit ihm", sagt Gastschwester Zehra Bulut. Dass sie den Jungen aufgenommen haben, war für die Familie selbstverständlich: "Es ist so schön zu helfen. Man bekommt so viel wieder", sagt die Gastschwester.

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