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Im Warenlager: Die Kärntnerin Diana Weidacher macht ein Praktikum bei Hermes Fulfilment. - © Vivien Tharun
Im Warenlager: Die Kärntnerin Diana Weidacher macht ein Praktikum bei Hermes Fulfilment. | © Vivien Tharun

Löhne Drei Schüler aus der Partnerstadt Spittal sammeln Berufserfahrung in Löhne

Die Vorzüge würden sie gerne noch länger genießen

Vivien Tharun
27.07.2016 | Stand 26.07.2016, 19:06 Uhr

Löhne. Seit zwei Wochen teilen sich drei junge Menschen aus der Partnerstadt Spittal in Österreich eine Ferienwohnung in Löhne. Für einen Sommerurlaub sind Paul Renner-Martin, Diana Weidacher und Merima Rovcanin aber nicht in der Werrestadt. Die drei Schüler machen während ihrer Sommerferien ein dreiwöchiges Praktikum. Dieses ist Teil des Austauschprogramms zwischen den Partnerstädten. Im Gegenzug hospitieren drei Löhnerinnen in der Kärntener Stadt. Mit Wohnung, Auto, Fahrrädern und Wäscheservice versucht die Stadt Löhne den Aufenthalt der österreichischen Praktikanten so angenehm wie möglich zu gestalten. Paul Renner-Martin ist mit 18 Jahren der älteste der Spittaler. In einem Jahr macht er seine Matura - das österreichische Pendant zum Abitur. Da das Schulsystem des südlichen Nachbarlands anders aufgebaut ist als das deutsche, konnte er nach acht Schuljahren entscheiden, auf eine weiterführende Schule zu gehen, die Holztechnik und Innenarchitektur auf dem Lehrplan hat. Paul lernte dort bereits viel über Holzeigenschaften und ist einmal in der Woche in der schuleigenen Tischlerei tätig. Aufgrund seiner Vorerfahrung kann er in der Tischlerei Rullkötter im Stift Quernheim hospitieren. Inhaber Ingo Ellermeyer ist angetan: "Paul hat bereits sehr viel Wissen mitgebracht. Auch Maschinenlehrgänge hat er absolviert, so dass er an vielen Stellen selbstständig arbeiten kann." Dem 18-Jährigen würden seine abwechslungsreiche Arbeit und die Herzlichkeit, mit der er in Löhne aufgenommen wurde, gefallen, sagt er. "Ich war von der Freundlichkeit hier beeindruckt. Außerdem stellt mir die Stadt Löhne ein Auto zur Verfügung, weil mein Arbeitsweg der längste bei den Praktikanten ist. Und weil wir keine Waschmaschine in der Ferienwohnung haben, gibt es sogar einen Waschservice." Dafür hole jemand die schmutzige Wäsche der Spittaler ab und bringe sie gewaschen und gebügelt zurück. Paul teilt die Wohnung mit zwei jungen Frauen, die er erst bei seiner Anreise kennengelernt hat. Die beiden 17-Jährigen hingegen kannten sich schon vorher: Diana Weidacher und Merima Rovcanin besuchen nicht nur die gleiche Klasse der kaufmännischen Schule der Bundeshandelsakademie, sondern waren in Kindertagen direkte Nachbarn. Genau wie Paul müssen Diana und Merima für ihre Matura 300 Stunden Praktikum nachweisen. Kaufmännische Praktika sind im Bundesland Kärnten rar. Während ihres Aufenthalts in Löhne bekommen sie 120 Stunden davon zusammen. Merima wollte ursprünglich in der Spittaler Stadtverwaltung arbeiten, doch Bürgermeister Gerhard Pirih fragte beim Vorstellungsgespräch gleich, ob sie Löhne kenne und noch eine Freundin habe, die ebenfalls für drei Wochen nach Deutschland möchte. Da dachte Merima an Diana, die auch Lust darauf hatte. Diana ist nun bei Hermes Fulfilment, Merima bei SMV Sitz- und Objektmöbel eingesetzt. Beide durchlaufen in den Betrieben verschiedene Stationen, um einen Gesamteindruck zu bekommen. Diana mag ihre Arbeit bei Hermes Fulfilment: "Es sind alle so herzlich und nett und alles ist gut organisiert. Ich konnte im Wareneingang und der Warenprüfung arbeiten. Lagerverwaltung, Retourenbetrieb und Schadensfallbearbeitung waren auch dabei." In dieser Woche darf sie ins Controlling und Rechnungswesen. Das hatte sie bereits in der Schule. Ihre Vorgesetzte bei Hermes Fulfilment, Carolin Krämer, sagt: "Diana ist interessiert und aufgeschlossen und eine echte Bereicherung für uns." Merima sagt, bei SMV wäre ihr erster Eindruck "Wow!" gewesen. "Alles ist hier so harmonisch und die Firma ist nicht zu groß." Sie fährt jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit, bei Regen holt ein Azubi sie ab. "Merima durchläuft bei uns alle Stationen, die auch ein Auszubildender bei uns hat - nur eben nicht in drei Jahren, sondern in drei Wochen", sagt Birgit Sundermeier, Assistentin der Geschäftsführerin Inge Brünger-Mylius. Auch Merima bringt schon Vorkenntnisse aus dem Rechnungswesen und Controlling mit. Sie sagt:"Ich fühle mich hier wohl. Es ist schön, mal von zu Hause weg zu sein und nicht immer an der gleichen Stelle." Für alle Firmen war es das erste Mal, dass sie Praktikanten aus Spittal bei sich hatten und alle würde es noch einmal machen, so die Zuständigen. Die Spittaler sind sich einig: "Das Praktikum dürfte gerne länger sein."

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