Großer Andrang: Pilotin Katharina sitzt vorne in dem Kunststoffdoppelsitzer. Auf dem hinteren Sitz nehmen der Reihe nach die Gäste aus der Löhner Hauptschule Platz. - © Privat
Großer Andrang: Pilotin Katharina sitzt vorne in dem Kunststoffdoppelsitzer. Auf dem hinteren Sitz nehmen der Reihe nach die Gäste aus der Löhner Hauptschule Platz. | © Privat

Löhne/Bad Oeynhausen Das fliegende Klassenzimmer

Segelfliegen: Die Abschlussklasse der Hauptschule Löhne-West probiert die Theorie aus dem Physikunterricht ganz praktisch über den Wolken auf dem Flugplatz Porta-Westfalica aus

Löhne/Bad Oeynhausen. Schwerkraft, Auftrieb und Widerstand? Kennt Mike Pescatore alles aus dem Physikunterricht. Aber wie fühlt sich das an? Am Wochenende erlebte der Hauptschüler aus Löhne die Kräfte, die die Hauptrolle spielen, wenn ein Segelflugzeug lautlos am Himmel gleitet, einmal am eigenen Leib. Der Aero-Club Bad Oeynhausen-Löhne (ACBO-L) hatte gleich eine ganze Schulklasse zu Rundflügen auf den Flugplatz in Porta Westfalica eingeladen. Die Resonanz war großartig. Als der Kunststoffdoppelsitzer mit einem jungen Piloten und ihrem Mitschüler mit Schmackes anrollt und abhebt, fährt Michelle Krüger ein Schrecken durch die Glieder. Einen Moment lang zögert die 17-Jährige, ob sie wirklich als nächste in die Kabine einsteigen soll. Dann gibt sich Michelle einen Ruck, lässt sich von Pilotin Katharina Brinkmann den Fallschirm umschnallen, die Instrumentierung und Steuerung erklären und dann wird die Haube auch schon geschlossen. Sekunden später hebt Michelle ab. Als sie wieder festen Boden unter den Füßen hat, kommt sie aus dem Schwärmen nicht mehr heraus: "Das war wie Achterbahnfahren. Ich würde sofort wieder einsteigen." Ihr Mitschüler Mike Pescatore geht sogar noch einen Schritt weiter: "Das war einfach unbeschreiblich. Dieses Gefühl im Magen, wenn man eine Kurve fliegt und die Kräfte spürt. Und dass man sich so frei und unabhängig fühlt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, eine Ausbildung zum Piloten zu machen", schwärmt der 17-Jährige. Die hat sein Physiklehrer Wilfried Wegener von der Löhner Hauptschule West bereits vor Jahrzehnten absolviert. Kein Wunder also, dass der Pädagoge den 17 Schülerinnen und Schülern der Abschlussklasse zum Ausklang der Büffeleien praktischen Physikunterricht auf dem Segelflugplatz in Porta Westfalica vorschlug. "Mit den theoretischen Grundlagen wurden sie ja bereits in der Schule konfrontiert", argumentiert Wegener. Ein Angebot, dass in der Klasse hervorragend ankam. Kräftig anpacken mussten die Vereinsmitglieder aus dem ACBO-L, damit an einem Nachmittag alle 17 Schüler einen Rundflug bekamen und der Flugbetrieb reibungslos funktionierte. "Luftsport und ganz speziell der Segelflug leben vom Miteinander und davon, dass alle mit anpacken. Nur so kann man die vielbesungene 'grenzenlose Freiheit' genießen", weiß Volker Brinkmann, der erste Vorsitzende im ACBO-L, dem es besonders wichtig ist, "interessierten Mitmenschen die Schönheit und die Besonderheiten unseres Hobbys zu zeigen". Eine Schönheit, die nicht nur bei Michelle und Mike gezündet hat, sondern auch bei ihren 15 Mitschülern und Mitschülerinnen.

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