Kisten packen: Vater Thomas Kunze mit Sohn Stian und der Frühstücks-Kiste. - © Ulf Hanke
Kisten packen: Vater Thomas Kunze mit Sohn Stian und der Frühstücks-Kiste. | © Ulf Hanke

Löhne Waldkindergarten zieht um

Pädagogik: Der Kindergarten Waldwichtel verabschiedet sich Ende Mai aus den Gohfelder Tannen. Das Naturhaus steht dann einsam im Wald

Ulf Hanke

Löhne. Hinter der Wichtelstube staubt es gewaltig. Laub wirbelt durch die Luft. "Hör auf", ruft Antje Poier und wedelt mit der Hand vor dem Gesicht. Doch der kleine Junge mit dem Besen will nicht gleich auf seine Erzieherin hören. Das Kind möchte unbedingt noch ein letztes Mal hinterm Waldkindergarten saubermachen und offenbar den Wald besenrein hinterlassen. Dabei muss der Wald natürlich nicht gefegt werden. Es ist okay, wenn das Laub da liegt, wo es hingefallen ist. Aber wie in jedem Kindergarten gibt es Stellen, die mal gefegt werden. Die Wichtelstube gehört dazu. Es ist ein überdachter Platz auf dem Gelände des ehemaligen Naturfreundehauses direkt am Waldesrand. Außerdem macht es Spaß, so viel Staub aufzuwirbeln. Und das gehört zu einem Umzug auch irgendwie dazu. 16 Jahre nach der Gründung zieht der Waldkindergarten von seinem Stammplatz in den Gohfelder Tannen fort. Am 23. Mai werden die Eltern ihre 20 Kinder in den Katzenbusch fahren, dem neuen Zuhause des Waldkindergartens. Der Wohncontainer fürs Schlechtwetter ist schon umgezogen, der Zirkuswagen wird noch hinter einen Trecker gespannt und rollt in den nächsten Tagen hinterher. Noch brütet eine Amsel auf der Deichsel, aber Ende Mai werden die Jungen wohl längst flügge sein. Blumenkübel, Gemüsebeete und 46 Umzugskartons ziehen dann von Gohfeld nach Gohfeld. "Wir haben vergleichsweise wenig Material", sagt Antje Poier. "Aber ein bisschen was hat man dann doch." Die Erzieherin leitet seit 2005 den Kindergarten und ist mit den Kindern und ihren Kolleginnen Birgit Zickel, Nicole Hartner, Ricarda Kirchner und Alina Rosengarten die meiste Zeit überall in den Gohfelder Tannen unterwegs. Die Büro-Akten sind längst aus dem Büro im Pavillon am ehemaligen Naturfreundehaus zu ihr und dem Vereinsvorstand nach Hause umgezogen. In einer gemeinsamen Aktion am Wochenende werden die 40 Mamas und Papas, die den Kindergarten als Elterninitiative betreiben, den Umzug selbst in die Hand nehmen. Die Lage am ehemaligen Naturfreundehaus mit dem riesigen Grundstück und dem angrenzenden Wald, der unterschiedlichen Eigentümern gehört, war eigentlich ideal. Doch die ungewisse Zukunft des Gebäudes, das einem Geschäftsmann aus Kirchlengern gehört, hat womöglich zu den Umzugsplänen des Kindergartens beigetragen. Antje Poier sagt auf die Frage, warum die Kinder jetzt in den Katzenbusch ziehen: "Manchmal ist es Zeit für Veränderungen." Und Tina Rauer-Nolting, die Vorsitzende des Trägervereins, bekräftigt diesen Satz. Seit dem Verkauf des Naturfreundehauses an das Bildungswerk Phoenix und dem späteren Weiterverkauf an einen Geschäftsmann aus Kirchlengern ist an der ehemaligen Herberge nichts Wesentliches besser geworden. Zuletzt hatten litauische Wanderarbeiter für die Fahrradfertigung in Löhne hier Quartier bezogen. Nach dem Besitzerwechsel wurde es still - bis der Vorschlag auftauchte, hier eine Herberge für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einzurichten, was die Stadtverwaltung jedoch unter anderem wegen der engen und einzigen Zufahrt ausschlug. Schließlich hieß es, der Eigentümer plane den Umbau des Carl-Schreck-Hauses in Eigentumswohnungen. Auf Nachfrage der NW zum Stand der Dinge erklärte der Geschäftsmann, der namentlich nicht genannt werden wollte, er habe Bauvoranfrage gestellt. Zum Weggang sagte er: "Es ist echt schade, dass es so gekommen ist." Der Kindergarten hätte jedoch von sich aus gekündigt. Die Waldwichtel jedenfalls haben im Katzenbusch einen vergleichbaren Wald und damit eine neue Heimat gefunden. Mit den Eigentümern und dem Umweltamt haben sie erfolgreich über die Nutzung verhandelt. Tina Rauer-Nolting: "Wir freuen uns jetzt auf den Katzenbusch."

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