Nach dem Abbau: Die Turnhalle der Hauptschule Löhne-West war ein halbes Jahr lang als Notunterkunft eingerichtet. Inzwischen sind die Feldbetten, Bauzäune und vor allem die Bewohner ausgezogen. - © Alexander Hermelink
Nach dem Abbau: Die Turnhalle der Hauptschule Löhne-West war ein halbes Jahr lang als Notunterkunft eingerichtet. Inzwischen sind die Feldbetten, Bauzäune und vor allem die Bewohner ausgezogen. | © Alexander Hermelink

Löhne Notunterkunft: Rotes Kreuz zieht Bilanz

Flüchtlingshilfe: Die letzten Betten sind abgebaut, die Turnhalle der Hauptschule Löhne-West ist wieder frei. Alexander Hermelink hat die Zeit aktiv begleitet und berichtet von vielen positiven Erfahrungen

Arian Amedie
07.05.2016 | Stand 06.05.2016, 20:29 Uhr

Löhne. Einerseits Wehmut, andererseits Erleichterung. Das ist das Fazit von Alexander Hermelink, Leiter des Ortsverein Löhne vom Deutschen Roten Kreuz. Sechs Monate lang hatte er gemeinsam mit Rotkreuzlern und weiteren 90 ehrenamtlichen Helfern die Notunterkunft in der Turnhalle der Hauptschule Löhne-West unterhalten. Am 30. April war dann alles vorbei, die Turnhalle, in der zuvor bis zu 150 Menschen gleichzeitig ihr Leben verbracht hatten, ist wieder eine Sportstätte. „Als ich mittags durch die Halle gelaufen bin, waren nur noch die nackten Bauzäune zu sehen, die die Wohnbereiche abgetrennt hatten", erzählt Hermelink. Es seien sechs beeindruckende Monate und eine besonders lehrreiche, spannende Zeit gewesen. „Natürlich war das sehr viel Arbeit, die wir aber sehr, sehr gerne gemacht haben", so der Rotkreuzler. Etwa acht bis zehn Stunden in der Woche hatte Alexander Hermelink neben seinem Beruf für die Notunterkunft gearbeitet, sein Stellvertreter Armin Schäffer investierte noch mehr Zeit. Eine logistische Herausforderung für die Helfer. „Vieles wurde dann in der Mittagspause oder telefonisch geregelt, auch mein Arbeitgeber hat viel Verständnis gezeigt." Unterstützt wurde das DRK aber auch von der Löhner Bevölkerung. Über 2.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit der Löhner Bürger haben die Verantwortlichen des Roten Kreuz gezählt. „Diese Menschen haben Deutschkurse gegeben, Essen verteilt, Fahrdienste übernommen. Bis Weihnachten gab es keinen einzigen Tag, an dem nicht mindestens ein Freiwilliger mitgeholfen hat." Auch danach sei der Wille zu helfen ungebrochen gewesen. Ganz besonders kann sich Hermelink an den Tag der ersten Ankunft der Flüchtlinge erinnern. „Als wir zwei oder drei Stunden vor Eintreffen der Busse mit der Einrichtung der Notunterkunft fertig waren, stieg natürlich die Anspannung. Bürgermeister Held war gekommen sowie einige andere Ratsmitglieder, die eigentlich nur einmal kurz schauen wollten. Letztlich sind die meisten bis zum Ende des Abends dageblieben und haben mit angepackt." Die Vertreter der Stadt hätten sich berührt gezeigt. Das sei einer der bedeutendsten Momente in den sechs Monaten gewesen. Zum Rathaus sei die Verbindung intensiver geworden. Vor einem Jahr sei man zwar wahrgenommen worden, das wechselseitige Bewusstsein, was der andere könne, sei jedoch durch die Arbeit in der Flüchtlingskrise deutlich größer geworden. „Man kennt sich nun persönlich, wir werden in vielen Themenbereichen um Rat gefragt, das ist auch so eine Folge aus der Zeit während der Notunterkunft." Über zu wenig Arbeit können sich Hermelink und sein Team dennoch nicht beschweren. Eher das Gegenteil ist der Fall. „Es ist schön, sich jetzt wieder auf die vielen anderen Aufgaben des Roten Kreuz zu konzentrieren, die in der Zwischenzeit in den Hintergrund gerückt sind." Die Schüler der Hauptschule und der Städtischen Realschule nutzen die Sportfläche vor den Ferien nicht mehr. Mit den Vereinen habe die Stadt gesprochen: „Wenn sie mögen, können sie dort wieder Sport treiben", sagt Stadtsprecherin Ursula Nolting. „Das ist ja nur mit blankem Unwissen zu erklären", entgegnet Hermelink, als er auf Kritik an der Hilfe für Flüchtlinge angesprochen wird. „Menschen, die 5.000 Kilometer mit Kindern reisen, tun das nicht zum Spaß." Die Wortwahl rechter Bündnisse und Gruppierungen verurteilt er dabei scharf und macht deutlich, nur Unverständnis für diese Einstellung zu haben.

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