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Für den internationalen Markt: Dieses Foto zeigt koschere Cornflakes für einen Kunden aus Israel. - © Hahne
Für den internationalen Markt: Dieses Foto zeigt koschere Cornflakes für einen Kunden aus Israel. | © Hahne

Löhne Löhner Hahne-Werke stellen Insolvenzantrag

Produktion läuft weiter: Sanierungskonzept soll Fortbestand des Unternehmens sichern. Personalbestand muss reduziert werden. Mit Betriebsrat wird ein Sozialplan verhandelt

Heidi Froreich
05.01.2016 | Stand 05.01.2016, 08:37 Uhr

Löhne. Noch im November sind die Hahne Mühlenwerke vom nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsminister Johannes Remmel mit dem Landesehrenpreis für Lebensmittel ausgezeichnet worden. Jetzt hat das 1848 gegründete Unternehmen Insolvenzantrag gestellt. Am Montag hat Geschäftsführer Nikolaus Hahne die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung informiert. "Wir haben kein Qualitäts-, sondern ein Kostenproblem", fasst er gegenüber nw.de zusammen.

In den letzten drei Jahren ist der Umsatz des in sechster Generation geführten Familienunternehmens kontinuierlich von 60 Millionen Euro um 20 Millionen Euro gesunken. Einen Grund dafür sieht er im zunehmenden Preiskampf, der im Lebensmitteleinzelhandel geführt wird. Hahne: "Die Discounter sind wie Drogendealer". Auch sein Unternehmen habe der Versuchung vor Jahren nicht widerstehen können, sie zu beliefern, dafür auch erhebliche Investitionen in die Produktion getätigt, doch dann, so, Hahne, wurden wir "bei den Preisen zunehmend unter Druck gesetzt".

Als zweiten Grund für die wirtschaftliche Krise führt er den "Wegfall eines Vier-Millionen-Großauftrages" für einen russischen Großkunden im vergangenen Jahr ins Feld.

Produkte im Ausland geschätzt

Der große Bestand vieler ausländischer Kunden ist es aber auch, der Hahne zuversichtlich stimmt: "Wir können das Unternehmen retten, weil im Ausland unsere Produkte geschätzt werden".

Unterstützung dabei erhält er von Insolvenzberater Joachim Walterscheid. Der hat ihm nicht nur dazu geraten, jetzt den Insolvenzantrag zu stellen, sondern auch die sogenannte Eigenverwaltung zu beantragen. Unter der Aufsicht des Sachwalters Hans-Peter Burghardt bleibt Hahne Geschäftsführer, kann selbst maßgeblich an einem Sanierungskonzept arbeiten.

"Diese strategische Insolvenz bietet die besten Möglichkeiten für einen Neuanfang", betont der Fachanwalt. "Wir können Sonderkündigungsrechte wahrnehmen und mit unseren Partnern über neue Konditionen verhandeln", zeigt Walterscheid Möglichkeiten zur Sanierung auf. Bis Ende Mai soll das Sanierungskonzept vorliegen, muss dann noch von den Gläubigern genehmigt werden.

Konzentration auf Spezialprodukte

"Wir müssen nur noch Feinarbeiten leisten", kündigt Hahne an. Geplant ist neben dem stärkeren Ausbau des Exportmarktes (Hahne: "Made in Germany wird besonders in Afrika und Asien geschätzt.") auch die Konzentration auf hochwertige Spezialprodukte wie etwa glutenfreie Müslis oder die "Heilwasser-Flakes". Die unter anderem mit heimischer Sole produzierten Flocken seien bereits ein richtiger Schritt in eine gute Zukunft. "Hahne: "Wir müssen unsere eigene Marke besser vermarkten". Veränderungen soll es auch in einigen Produktionsabläufen geben, um die Effektivität zu steigern und Kosten zu reduzieren.

Und natürlich ist auch der Personalbestand Teil des Sanierungskonzepts. Walterscheid: "Für den Erhalt des Unternehmens sind Personalanpassungen unverzichtbar".

Wie viele der derzeit 218 Mitarbeiter Nikolaus Hahne beim Neuanfang unterstützen werden, soll erst in einigen Wochen feststehen - wenn die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan zu einem erfolgreichen Abschluss geführt haben.

Information

Eigenverwaltung

  • Mit der Eigenverwaltung wird einem drohend zahlungsunfähigen Unternehmen im Insolvenzverfahren die Möglichkeit geboten, sich in eigener Regie zu sanieren.
  • Während der Eigenverwaltung ist der Unternehmer berechtigt verpflichtet, den Betrieb aufrechtzuerhalten, er ist quasi Insolvenzverwalter in eigener Sache.
  • Die Verwaltungs- und Vertretungsbefugnis bleibt bei der Geschäftsleitung und geht nicht auf den Insolvenzverwalter über.
  • Das Gericht bestellt anstelle eines Insolvenzberaters einen Sachwalter, der die wirtschaftliche Lage des Unternehmens prüft und den Geschäftsführer überwacht.
  • Voraussetzung dafür sind das Einverständnis des Gerichts und der Gläubiger.