Altar der Simeonkirche Gohfeld: In den Ecken sind Kreuze eingemeißelt. Ein Hinweis auf die vorreformatorische Entstehungsgeschichte? Hausmeister Horst Apke hebt das Altartuch. Das Kirchenschiff wurde 1735 eingeweiht, der Turm ist vermutlich deutlich älter. Laut Denkmalliste der Stadt Löhne sind die Grundmauern ein mittelalterlicher Wehrturm aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. - © Foto: Ulf Hanke
Altar der Simeonkirche Gohfeld: In den Ecken sind Kreuze eingemeißelt. Ein Hinweis auf die vorreformatorische Entstehungsgeschichte? Hausmeister Horst Apke hebt das Altartuch. Das Kirchenschiff wurde 1735 eingeweiht, der Turm ist vermutlich deutlich älter. Laut Denkmalliste der Stadt Löhne sind die Grundmauern ein mittelalterlicher Wehrturm aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. | © Foto: Ulf Hanke

Löhne Das älteste Löhner Haus

Die Löhne-Liste (7): Gemäuer mit Geschichte

Ulf Hanke

Löhne. Die Suche nach dem ältesten Gebäude der Stadt beginnt im Keller des Löhner Rathauses. Beteiligt sind: Der Stadtarchivar, die untere Denkmalbehörde, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe und das Landeskirchenamt Bielefeld. Das Ergebnis ist eine Enttäuschung, jedenfalls für alle Löhner, die nördlich der Werre wohnen: Nicht die Ulenburg ist das älteste Bauwerk in der Stadt, sondern ein Turm aus Gohfeld. Es ist der Glockenturm der Simeonkirche. Zugegeben, dieser Turm ist nicht sehr wohnlich, aber das ist die Ulenburg derzeit auch nicht. Beide Bauten sind Kunstdenkmäler. Die Ulenburg immerhin wird sogar im Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler von Georg Dehio genannt. Das ist so etwas wie der Duden für Deutschlehrer, aber auch der ist nicht unfehlbar. Der Eintrag im Dehio beginnt nämlich mit einem Fehler. Dort steht: "1299 erstmals erwähnt." Dazu sagt Stadtarchivar Joachim Kuschke: "Das ist definitiv falsch." Die Zahl beziehe sich auf die erste schriftliche Erwähnung "einer Ulenburg". Und das sei vermutlich eine andere, als die Löhner Ulenburg. Die Jahreszahl prangt dennoch überm Haupteingang und auf der Wetterfahne und wurde offenbar nachträglich an das Gemäuer angebracht. Der Fehler findet sich auch in der Denkmalliste der Stadtverwaltung. Zu jedem Bau gehört aber auch eine Akte und demnach ist das Wasserschloss, so wie wir es heute kennen, 1568 bis 1570 entstanden. Das kann nach Angaben von Michael Kellermeier, der die Denkmalliste bei der Stadt betreut, als gesichertes Baudatum gelten. Davor war die Ulenburg keine Burg, sondern ein Meierhof. Wenn das Datum 1299 irgendeine Gültigkeit für die Ulenburg hätte, müsste also von einem "Ulenhof" die Rede sein, nicht von einer Burg.Das Kirchenschiff ist tatsächlich deutlich jünger als die Ulenburg Im Vergleich zur bewegten Adelsvergangenheit der Ulenburg macht sich die Geschichte der Gohfelder Simeonkirche geradezu mickrig aus. Nur wenige Daten sind belegt: Das Kirchenschiff ist tatsächlich deutlich jünger als die Ulenburg. Laut Denkmalliste der Stadt Löhne stammt der Bau an der Weihestraße von 1735. Allerdings geht aus den Denkmalakten auch hervor, dass bereits im Jahr 1035 eine erste Kapelle in Gohfeld erwähnt worden sein soll. Davon ist heute nicht mehr viel zu sehen. Der Turm jedoch ist nicht zu übersehen. Und der stammt laut westfälischem Amt für Denkmalpflege beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe aus dem 12. bis 13. Jahrhundert. Es handele sich dabei um einen "mittelalterlichen Wehrturm". Den Turm der Simeonkirche gab?s also mal ohne Glocken und er diente ganz weltlich als Festung vor Feinden. Die etwas ungenaue Zeitangabe der Denkmalpfleger hat einen Grund: von dem ganz alten Gemäuer ist nur noch ein Bruchteil übrig. Die Glocken und das Gestühl des Turms sind definitiv jünger. Für Kunsthistoriker Ulrich Althöfer vom Landeskirchenamt der Evanglischen Kirche von Westfalen in Bielefeld ist das keine Überraschung. "Ein solches Ensemble ist nicht unüblich", sagt Althöfer. Und er gibt einen Tipp: Die Altarplatte kann weitere Hinweise zum Alter der Kirchestätte geben. In vorreformatorischer Zeit seien Kirchen nämlich durch eine Art Feuerzauber eingeweiht worden: Auf dem steinernen Altar müssten sich dann an den vier Ecken gemeißelte Kreuze finden, in die Öl vergossen und angesteckt wurde. Als er das hört, lupft Hausmeister Horst Apke genauso neugierig wie der Reporter das Altartuch in der Kirche beseite. Tatsächlich: Da sind Kreuze an den Ecken. Womöglich ist die Altarplatte also älter als vermutet. Der Turm der Simeonkirche steht auf mindestens auf 800 Jahren Geschichte. Auch wenn der Bau nach einem Blitzschlag bis auf die Grundmauern abgebrannt ist - die mittelalterlichen Steine sind noch zu sehen.

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