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Löhne Bike Building ist insolvent

Firma hat Fahrräder in alten Pantherwerken gebaut

01.04.2015 | Stand 31.03.2015, 21:47 Uhr

Löhne (ulf). Der Fahrradhersteller Bike Building ist zahlungsunfähig. Das Amtsgericht Bielefeld hat am Freitag das Insolvenzverfahren über das junge Unternehmen angeordnet. Bike Building fertigte unter anderem mit litauischen Arbeitern in den ehemaligen Pantherwerken am Alten Postweg.

Die Firma war im Dezember 2013 gegründet worden, nachdem die Pantherwerke AG die Fahrradproduktion endgültig eingestellt hatte. Geschäftsführender Gesellschafter war zunächst Oliver Runde, der jedoch bereits nach wenigen Monaten wieder ausschied. Der stille Gesellschafter Andreas Schminke, damals noch leitender Angestellter der Firma Panther Transport, übernahm die Geschäftsführung. Andreas Schminke ist ein Neffe des Panther-Chefs Michael Schminke.

Das Geschäftsmodell der Firma Bike Buildung war von Anfang an umstritten. Die Industriegewerkschaft Metall sah die Firmengründung im Zusammenhang mit der Insolvenz der Pantherwerke AG und kritisierte das Vorgehen scharf ("Panther zahlt in Löhne litauische Löhne"), weil deutsche Tarifverträge ausgehebelt würden.

Die Gründung der Bike Building war offenbar eine Reaktion auf den Streit mit dem ehemaligen Schwesterunternehmen der Pantherwerke in Litauen, Baltik Vairas, das vor der Insolvenz von Panther verkauft worden war. Baltik Vairas hatte eigene Vertriebsstrukturen in Deutschland aufgebaut. Die ehemaligen Geschäftspartner schoben sich in öffentlichen Erklärungen gegenseitig die Schuld an der Insolvenz der Pantherwerke zu.

Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen in der Löhner Fahrradfabrik nahmen dann litauische Arbeiter die Arbeitsplätze der letzten verbliebenen Pantherwerke-Beschäftigen ein. Das war nicht nur für die Panther-Belegschaft eine Überraschung ("kalter Arbeitsplatzentzug"), sondern auch für den Panther-Insolvenzverwalter Thorsten Fuest.

Nach 16 Monaten ist nun auch die Firma Bike Building zahlungsunfähig. Geschäftsführer Andreas Schminke war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Insolvenzverwalter der jungen Firma ist der Bad Oeynhausener Rechtsanwalt Stephan Niemann.

Die IG Metall sieht sich in ihrem Urteil über das Geschäftsmodell bestätigt, das "langfristig nicht tragfähig" gewesen sei. Gewerkschaftssekretär Frank Branka kommentierte die Insolvenz mit einem Satz: "Besser statt billiger."

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