Verkauft: Das älteste Gebäude der Stadt Löhne wird ein Zentrum der jesidischen Glaubensgemeinschaft. NW-Praktikantin Ann-Kathrin Wiesinger hat sich auf dem Gelände im Schnee umgesehen. - © FOTO: DIRK WINDMÖLLER
Verkauft: Das älteste Gebäude der Stadt Löhne wird ein Zentrum der jesidischen Glaubensgemeinschaft. NW-Praktikantin Ann-Kathrin Wiesinger hat sich auf dem Gelände im Schnee umgesehen. | © FOTO: DIRK WINDMÖLLER

Löhne Ulenburg: Kritik von der Politik

Ratsfraktionen hätten sich frühere Informationen über Verkauf gewünscht

Löhne. Der Verkauf der Ulenburg an die jesidische Glaubensgemeinschaft sorgt für Diskussionen in Löhne. Kritik gibt es an der Informationspolitik des Wittekindshofes. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Böhm ist auch Mitglied im Freundeskreis Ulenburg. Er freut sich, dass das Schloss einen neuen Besitzer hat. "Dass das Schloss an die Jesiden verkauft worden ist, müssen wir respektieren", sagt Böhm im Gespräch mit der NW. Er und seine Parteifreunde hätten keine Befürchtungen, dass es mit den neuen Besitzern Probleme geben könne. "Ich sage aber auch ganz offen, dass wir den Löhner Unternehmer Axel Oberschelp gerne als Besitzer des Schlosses gesehen hätten. Sein Konzept, dort ein Gesundheitszentrum zu errichten, hätte gut zum Standort und zur Stadt gepasst." Man müsse aber respektieren, dass das Angebot von Oberschelp viel später gekommen sei. Jetzt zähle jedoch der Blick nach vorne. Böhm: "Ich finde es sehr gut, dass es Zusicherungen gibt, dass die neuen Besitzer offen sind für Kulturveranstaltungen und Gottesdienste im Park." Optimistisch ist Böhm auch, wenn er an den künftigen Zustand des Parks denkt. "Ein Besitzer wird nicht nur das Schloss, sondern auch den Park pflegen." Ob es möglich sei, den Park auch öffentlich zu nutzen, werde sich zeigen. Problematisch findet Böhm die Informationspolitik des Wittekindshofes. "Es wäre gut gewesen, früher über den Plan zu informieren und den Freundeskreis Ulenburg frühzeitig mit einzubeziehen." Das sieht auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Florian Dowe so. "Eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit wäre besser gewesen. Das Gebäude ist von herausragender Bedeutung für Löhne." Jetzt müsse sich der Wittekindshof einer Diskussion stellen, die bei größerer Offenheit im Vorfeld vielleicht vermeidbar gewesen sei. Auch die CDU begrüßt den Verkauf des Schlosses. "Wir hätten Herrn Oberschelp den Vorzug gegeben. Das wäre auch für die Gewerbesteuerentwicklung besser gewesen." Dowe betont, dass auch er nichts gegen Jesiden habe. "Wichtig ist, das die Ulenburg kein Anziehungspunkt für Radikale wird." Die Politik habe in den nächsten Wochen und Monaten eine wichtige Aufgabe: "Wir müssen dafür eintreten, dass keine Vorurteile geschürt werden." Auch FDP-Ratsherr Uwe Neuhaus tut sich mit der für die Öffentlichkeit überraschenden Entscheidung schwer. "So wie das gelaufen ist, entsteht der Eindruck, man hätte etwas zu verbergen. Stadt und Freundeskreis hätte man einbinden müssen." Kritik kommt ebenfalls vom LBA-Fraktionschef Hermann Ottensmeier. "Natürlich müssen wir religiöse Toleranz üben. Ich sehe aber große Schwierigkeiten in der sozialen Akzeptanz", so Ottensmeier. Es sei unverständlich, dass der Wittekindshof nicht an Axel Oberschelp verkauft habe, der nach seinen Informationen das bessere Angebot vorgelegt habe. "Das ist umso unverständlicher, weil sich der Wittekindshof als diakonische Einrichtung durch Spenden finanziert." Ulrich Adler, Linken-Fraktionschef, kann die Bedenken von Ottensmeier nicht teilen. "Ich freue mich. Jetzt wird das Schloss renoviert und es gibt Chancen, dass der Park wieder öffentlich zugänglich wird." Dass es zu Problemen kommt, glaubt er nicht. "Wir sollten diesen Menschen, die seit Jahrhunderten verfolgt werden, keine Steine in den Weg legen." Die Grünen waren gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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