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Friedhelm Schäffer und Oliver Nickel haben über das Leben von Ferdinand Matuszek geschrieben. - © FOTO: DIRK WINDMÖLLER
Friedhelm Schäffer und Oliver Nickel haben über das Leben von Ferdinand Matuszek geschrieben. | © FOTO: DIRK WINDMÖLLER

Löhne Lebensgeschichte eines Zwangsarbeiters

Friedhelm Schäffer und Oliver Nickel haben ein Buch über Ferdinand Matuszek geschrieben

Dirk Windmöller
20.12.2014 | Stand 19.12.2014, 21:07 Uhr

Löhne. Oliver Nickel und Friedhelm Schäffer sind tief bewegt. "Ferdinand Matuszek war ein ganz besonderer Mensch. Das ist uns gerade in den letzten Monaten noch mal besonders deutlich geworden." Sie haben ein Buch über sein Leben geschrieben. Das Erscheinen des Werks hat der ehemalige Zwangsarbeiter nicht mehr erlebt. Er ist am 11. Juli im Alter von 88 Jahren gestorben. Mehr als ein Jahr haben Friedhelm Schäffer und Oliver Nickel an dem Buch gearbeitet. Grundlage für "Ich hatte nichts gegen Deutsche, nur gegen Faschisten.": Die Lebensgeschichte des Ferdinand Matuszek" waren lange Gespräche mit Ferdindand Matuszek. Doch es sollte mehr sein, als die persönlichen Erinnerungen dieses bemerkenswerten Mannes. "Uns ging es nicht nur darum, dass das Buch gut zu lesen ist. Auch der wissenschaftliche Anspruch sollte erfüllt sein", sagt Friedhelm Schäffer, der das erste gedruckte Exemplar des Buches in der Hand hält. Mit dem Buch setzen die Autoren Ferdinand Matuszek ein würdiges Denkmal. Mit seinem Schicksal steht er beispielhaft für das Leben von Millionen Menschen, deren Existenz schon in der Jugend durch die Nazis aus den Angeln gehoben wurde. Geboren wurde Matuszek in Galizien, das heute zur Ukraine gehört. Dort wurde er 1942 im Alter von 16 Jahren von den Nazis verschleppt und landete als Zwangsarbeiter in Bad Oeynhausen. Er arbeitete auf dem Bauernhof der Familie Körtner in Rehme. "Bei Körtner habe ich alle Arbeiten gemacht, die in der Landwirtschaft so anfallen. Das war harte Arbeit, aber die Leute waren korrekt zu mir. Ich gehörte mit zur Familie", schilderte Matuszek im Jahr 2005 seine Erinnerungen gegenüber der NW. Nicht weit entfernt von seinem damaligen Wohnort in Rehme befand sich auch die Weserhütte. Dort wurde er Zeuge, wie ein Angehöriger des Werksschutzes einen sowjetischen Kriegsgefangenen erschoss. Diese und viele andere Situationen, zum Beispiel die Deportation von Juden auf dem Soester Bahnhof, die Matuszek auf der Zugfahrt nach Bad Oeynhausen sah, konnten Schäffer und Nickel verifizieren. Die Recherchen zum Leben von Ferdinand Matuzsek führten Friedhelm Schäffer bis in die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel. Den Text, der dem Buch zugrunde liegt, hielt Matsuzek kurz vor seinem Tod noch in seinen Händen und war mit dem Ergebnis zufrieden. Dass es zu dem Buch kommen würde, daran hat er wohl fest geglaubt: "Er hatte das Bedürfnis, dass es veröffentlicht wird. Nicht aus Geltungssucht, sondern als Appell und Mahnung an die Menschen heute, es nie wieder so weit kommen zu lassen", sagt Oliver Nickel. Das Besondere ist nicht nur die Klarheit seiner Erinnerungen. "Viele Menschen, die Ähnliches erlebt haben, können darüber nicht sprechen", ergänzt Schäffer. Nach Fertigstellung des Buches ging es darum, die Finanzierung sicherzustellen. Nach dem ersten Bericht über das Projekt in der NW haben viele Spender ihre Unterstützung zugesagt. "Das hat uns sehr gefreut. Die Spenden reichen aus. Wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätten wir auch aus eigenen Mitteln Geld dazu gegeben", sagt Schäffer. Das Buch über Ferdinand Matuszek ist beim Stangl Verlag in Paderborn erschienen. Herausgeber ist die Dokumentationsstätte Stalag 326 in Stuckenbrock. Dort ist Oliver Nickel als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Friedhelm Schäffer arbeitet dort ehrenamtlich. "Das ist schon ein ganz spannendes Projekt", sagt Verlegerin Andrea Stangl. Es werde sicherlich im regionalen Bereich seine Leser finden. "Es kommt aber bei solchen Büchern immer wieder zu Kettenreaktionen und dann kann es auch in ganz Deutschland ein Erfolg werden", sagt sie. Gedruckt werden die Bücher im "Books On Demand"-Verfahren. Das bedeutet, immer dann wenn Bestellungen vorliegen, wird gedruckt. Um davon unabhängig flexibel reagieren zu können, lassen die Autoren 300 Bücher drucken, die sie dann direkt an Interessenten verkaufen können. Zu erhalten sind die Bücher auch über den Buchhandel. "Wir wollten die Bücher gerne zu Weihnachten haben, aber das wird nicht mehr ganz klappen", sagt Schäffer. Die Veröffentlichung der Geschichte ist beiden ein persönliches Anliegen. Buch: Friedhelm Schäffer und Oliver Nickel: "Ich hatte nichts gegen Deutsche, nur gegen Faschisten.": Die Lebensgeschichte des Ferdinand Matuszek". Stangl-Verlag, Paderborn. ISBN: 9783738602821

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