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Mit Unterstützung des LWL, des Integrationsfachdienst, der Agentur für Arbeit, der LWL-Förderschule am Weserbogen, der Handwerkskammer, Bäcker Gerd-Arno Simon und seiner Familie war es möglich, dass Wolf-Hagen Rösler eine Ausbildung zum Bäcker macht. Foto: Susanne Barth - © FOTO: SUSANNE BARTH
Mit Unterstützung des LWL, des Integrationsfachdienst, der Agentur für Arbeit, der LWL-Förderschule am Weserbogen, der Handwerkskammer, Bäcker Gerd-Arno Simon und seiner Familie war es möglich, dass Wolf-Hagen Rösler eine Ausbildung zum Bäcker macht. Foto: Susanne Barth | © FOTO: SUSANNE BARTH

Löhne Von der Förderschule in die Backstube

Wolf-Hagen Rösler ist schwerbehindert, macht bei Bäcker Simon aber eine ganz normale Ausbildung

VON SUSANNE BARTH
30.09.2014 | Stand 29.09.2014, 18:13 Uhr
Wolf-Hagen Rösler hat seine Backleidenschaft zum Beruf gemacht. Der 19-Jährige ist im 2. Lehrjahr bei Gerd-Arno Simon. - © FOTO: SUSANNE BARTH
Wolf-Hagen Rösler hat seine Backleidenschaft zum Beruf gemacht. Der 19-Jährige ist im 2. Lehrjahr bei Gerd-Arno Simon. | © FOTO: SUSANNE BARTH

Löhne. Mit einer Backmischung fing alles an. Da war Wolf-Hagen Rösler zwölf Jahre alt und besuchte die LWL-Förderschule am Weserbogen, weil er unter einer Lernschwäche leidet. "Mit vier Jahren konnte Wolf-Hagen weder Worte bilden noch sprechen", erzählt Mutter Birgit. Jetzt macht der heute 19-Jährige eine Ausbildung zum Bäcker - trotz seiner Behinderung. "Es ist mein Traumberuf", sagt Wolf-Hagen, der im zweiten Lehrjahr bei Bäcker Simon arbeitet, erfolgreich.

Um seinen Berufswunsch zu verwirklichen, hat Wolf-Hagen Engagement gezeigt. "Er hat bereits drei Praktika in unserer Backstube gemacht", sagt Gerd-Arno Simon, Inhaber der Bäckerei Simon. "Ich habe jedes Mal eine Steigerung bei ihm gesehen."

Das war vor über einem Jahr. Am 1. August 2013 hat Wolf-Hagen seine Ausbildung zum Bäcker begonnen. Es ist eine so genannte Vollausbildung, die laut Kristina Steffen, vom LWL-Integrationsamt Westfalen, für einen Menschen mit Behinderung "etwas ganz Besonderes ist". Denn die meisten Jugendlichen mit Behinderung machen eine Werkerausbildung: "Die ist einfacher, da sie theoriereduziert ist", erklärt Klaus Gebert, Teamleiter für Schwerbehinderte bei der Agentur für Arbeit Herford.

Zuschuss von 14.000 Euro

Eigentlich sollte der Förderschüler genau so eine theoriereduzierte Ausbildung beginnen. Doch das scheiterte daran, dass es kein passendes, regionales Berufsschulangebot gibt. Das Problem entwickelte sich zum Glücksfall. Denn Bäcker Simon bot Wolf-Hagen nach Absprache eine Vollausbildung an. Dafür erhält der Betrieb von der Arbeitsagentur Herford für die Dauer der Ausbildung einen Zuschuss von 14.000 Euro.

Den Sprung von der Förderschule auf den Arbeitsmarkt hat Wolf-Hagen mit Hilfe von "Star" - Schule trifft Arbeitswelt geschafft. Das Projekt hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gemeinsam mit dem NRW-Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales ins Leben gerufen (siehe Kasten). Mit Unterstützung des LWL, des Integrationsfachdiensts, der Agentur für Arbeit, der LWL-Förderschule und der Handwerkskammer war es möglich, dass Wolf-Hagen den Ausbildungsplatz bekommen hat. "An diesem Beispiel sieht man, wenn viele Personen an einem Strang ziehen, kommt was Gutes raus", so Steffen.

Wolf-Hagen hat als kleines Kind nicht gesprochen: "Mit vier Jahren konnte er keine Worte bilden", sagt Mutter Birgit Rösler. Mit Hilfe einer Logopädin schaffte er es, Laute zu entwickeln. "Da er sehr gut visuell lernt, schaffte er es bald Worte zu schreiben", so Rösler. Aufgrund seiner Lernschwäche besuchte Wolf-Hagen die Förderschule in Bad Oeynhausen. "Auch das Lesen und Schreiben geht weiter nach vorne", erzählt Rösler beim Pressetermin. "Das habe ich schon wesentlich schlechter gesehen", sagt Ausbilder Simon und lacht.

"Ich fange um 0:30 Uhr an"

Besonders sein Ehrgeiz imponiert Simon. "Wolf-Hagen wird hier nicht in Watte gepackt, wir behandeln ihn wie alle anderen auch", macht Simon deutlich. Dabei hält das Team zusammen. "Nicht nur ich stehe dahinter, sondern alle hier." Und Wolf-Hagen ist Teil des Teams. Der Löhner knetet Sauerteig für das Steinmetzbrot, holt die fertigen Brote aus dem Ofen und packt überall mit an. Das macht er, wenn andere schlafen: "Ich fange um 0.30 Uhr an", sagt Wolf-Hagen. Wie er denn nachts von Löhne-Bahnhof zu seiner Arbeitsstelle komme? "Mit dem eigenen Auto", sagt er stolz. Und Simon fügt hinzu: "Auch den Führerschein hat er sich erkämpft."

Es ist ein langer Weg den Wolf-Hagen beschritten hat, aber in seinem Fall "optimal" gelaufen. Wichtig ist: "Behinderung ist nicht gleich Behinderung", sagt Klaus Gebert. Denn es gebe nicht "die" eine passende Lösung. "Es ist immer eine individuelle."

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