Prüfender Blick: Justin Arndt untersucht seine Sportwaffe - © Maurice Arndt
Prüfender Blick: Justin Arndt untersucht seine Sportwaffe | © Maurice Arndt

Kirchlengern Junger Kirchlengeraner gehört zu den besten Fechtern Deutschlands

Fechten gehört nicht nur bei Olympia zu den Aushängeschildern des deutschen Sports. Justin Arndt vom Quernheimer FC wird zugetraut, hier zukünftig ebenfalls eine gute Klinge zu schlagen.

Maurice Arndt
13.06.2019 | Stand 13.06.2019, 11:58 Uhr

Kirchlengern. Er trainiert vier Mal in der Woche – einmal davon individuell mit seinem Trainer, reist in der Saison fast jedes Wochenende quer durch Deutschland und Europa zu Turnieren und beschäftigt sich praktisch den ganzen Tag nur mit einer Sache: Fechten. Justin Arndt, deutsche Nachwuchshoffnung im Florett und deutscher A-Jugend-Vizemeister, hat großes vor. Doch er bleibt bescheiden – und denkt zunächst an eine gute Ausbildung. In den letzten Monaten ging es für Justin Arndt, der für den Quernheimer FC antritt, von einem Superlativ zum nächsten. Jüngst erreichte er bei der deutschen A-Jugend-Meisterschaft, also dem Wettbewerb für unter 17-Jährige, den zweiten Platz – mit nur 15 Jahren. Dazu den ersten Platz beim wichtigen Münchener-Kindl-Turnier. Zur neuen Saison folgt nun der Wechsel auf das Sportinternat am Olympiastützpunkt in Bonn sowie die Beförderung auf Platz eins in der deutschen U17-Rangliste. Doch der Rödinghauser bleibt auf dem Boden und gibt schon Antworten wie ein Profi. Sein Ziel für das nächste Jahr: „Ich versuche erst einmal, meine schulischen Leistungen ganz gut zu halten und weiterhin auch im Fechten ganz gut zu bleiben." Irgendwann Olympia? „Darauf hofft man natürlich immer, aber noch ist es unvorstellbar. Es wäre schön, wenn man in Zukunft vom Sport leben kann, etwa als Sportsoldat. Wenn man sich richtig reinkniet, kann man es vielleicht schaffen – aber ich plane erst einmal mit einem Maschinenbaustudium nach der Schule." »Er muss mit Fechtern auf seinem Niveau trainieren« Zurückhaltende Worte, wenn man diese Aussagen mit seinem Final-Kontrahenten bei der deutschen Meisterschaft vergleicht. „Ich verzichte auf meine Freizeit, um mein Ziel Olympia 2024 zu erreichen.", schreibt der zwei Jahre ältere Arwen Borowiak, aktuelle Nummer eins der U17-Rangliste, amtierender deutscher und Europameister, auf einer Onlineplattform. Es wäre aber gänzlich falsch, Arndt den Ehrgeiz abzusprechen. „Er lebt diesen Sport", meint sein Vater Mischa Gehr. „Zuhause hat er einen alten Schreibtischstuhl mit Klamotten abgedeckt und ficht in jeder freien Minute damit." Ein Besuch beim Training des Quernheimer FC bestätigt diese Einschätzung. Obwohl sich Arndt zunächst noch Zeit für Fotos nimmt, ist er der erste, der in voller Fechtmontur in der Halle steht. Verschnaufpausen sind meist nicht drin Während er auf seine Vereinskameraden wartet, ficht er unermüdlich gegen eine Weichbodenmatte. Beim anschließenden 60-minütigen Fecht-Training gönnt er sich kaum Verschnaufpausen. Maximal drei Minuten, länger hält er es nicht auf der Bank aus, obwohl es in der stickigen Halle gefühlt 30 Grad hat und seine Fechtmontur wie eine Sauna wirkt. „Ich brauche immer ein Florett in der Hand", gesteht er. Legt er es doch mal aus der Hand, dann tauscht er es gegen Hantel oder Füller. Man merkt, dass Lernen und Fechten den Lebensinhalt bestimmen: Sein Körper ist muskulös, seine Stimme ruhig und besonnen. Nun also der konsequente Schritt auf das Sportinternat. „Er muss mit Fechtern auf seinem Niveau trainieren", meint QFC-Trainer Tiberiu Rapolti. Der gebürtige Rumäne trainiert ihn seit dem Beginn seiner Karriere 2011 und erkannte schnell sein Talent und seine Geschwindigkeit, die für das Florettfechten wichtig ist. Deshalb wird Arndt – zusätzlich zum Internatstraining – weiter mit Rapolti trainieren. Auch dem QFC bleibt er erhalten. „Tibi hat mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin. Bei Turnieren ist er eine große Unterstützung. Und ich fühle mich hier im Verein einfach wohl", sagt Justin Arndt. Eine allzu große Umstellung dürfte der Wechsel nach Bonn nicht werden. Der Großteil seiner Freunde, wie auch seine Freundin, leben ohnehin quer in Deutschland verteilt. Man trifft sich auf Turnieren. Und: Es ist eine große Chance, seinen Weg weiterzugehen. Über Bonn will er es in den Kader für die nächste EM und WM schaffen. Trainer Rapolti traut es ihm zu: „Er zählt ihn zu den besten drei Nachwuchsfechtern in Deutschland."

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