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Von außen: das Freizeitbad Aqua Fun in Kirchlengern. - © Niklas Krämer
Von außen: das Freizeitbad Aqua Fun in Kirchlengern. | © Niklas Krämer

Kirchlengern Ein neues Aqua Fun entsteht

Kleine Lösung: Der Rat entscheidet, dass das Bad saniert und teilweise neu gebaut werden soll - aber ohne Sauna. Die von der Verwaltung vorgeschlagene Variante wird abgelehnt

Niklas Krämer
20.02.2019 | Stand 19.02.2019, 17:48 Uhr

Kirchlengern. Vorsorglich holten sich schon manche Ratsmitglieder und Zuschauer Nachschub an Mineralwasser und Erfrischungsgetränken. Nach längeren Diskussionen und einer Unterbrechung stand am späten Montagabend dann die Entscheidung, wie es mit dem Freizeitbad Aqua Fun weitergeht. Das Aqua Fun wird saniert und teilweise neu errichtet - jedoch ohne eine Sauna. Dafür sprach sich die Mehrheit des Gemeinderats aus. 20 Ratsmitglieder votierten für diese Option, neun waren dagegen und drei enthielten sich. Diese sogenannte "kleine Lösung" hatten zuvor die Beteiligten der interfraktionellen Vorgespräche erarbeitet. Das bedeutet: Es gibt unter anderem ein Sportbecken, ein Warmschwimmbecken mit Hubboden und einen großen Kinderspielbereich. Die Kosten für das neue Aqua Fun belaufen sich auf mehr als zehn Millionen Euro - knapp 900.000 Euro werden durch den Wegfall der Sauna eingespart. Sauna wäre gewinnbringend - kostet aber rund 900.000 Euro "Es ist eine der größten Entscheidungen, was die finanzpolitische Tragweite betrifft", sagte Bürgermeister Rüdiger Meier zu Beginn der Ratssitzung. Und er stellte gleich eine der entscheidenden Fragen der Sitzung: Wird das Bad mit Sauna oder ohne gebaut? "Erst dachte ich, die Sauna kostet nur viel Geld - die brauchen wir nicht", gab Meier zu. Doch Fachleute erzählten ihm, dass gerade die Sauna ein Gewinnbringer sei und Überschüsse erziele. Das habe ihn ins Grübeln gebracht. "Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist es sinnvoll, das Bad mit Sauna zu bauen", sagte Meier. Diese Auffassung untermauerte Kim Adam, die für das neue Aqua Fun die Grundlage für die Betriebskosten ermittelt hatte, noch einmal. Ohne die Sauna als Profitcenter würde die Marktposition geschwächt. "Und die Sauna sorgt dafür, dass der Gesamtzuschuss nicht ganz so hoch ausfällt." Die CDU-Fraktion war sich uneinig, in welcher Größenordnung ein neues Bad entstehen soll. "Die Mehrheit befürwortet die Lösung mit allen Modulen", sagte Detlef Kaase, CDU-Fraktionsvorsitzender. Er bedankte sich bei allen Beteiligten für die zahlreichen interfraktionellen Gespräche zum Bad. "Dass sich alle so intensiv, ehrlich, offen und vertrauensvoll ausgetauscht haben, ist schon bemerkenswert." Auch Oliver Lüking (SPD) bestätigte, dass die Meinungen in seiner Partei von keinem neuen Aqua Fun bis zu einem Neubau mit allen Modulen auseinandergingen. Geheime Abstimmung Burkhard Scheiding, Fraktionssprecher der Grünen, erklärte, dass er den Vorlagen nicht zustimmen werde. Die Überlegungen, die Sauna zu streichen, um Baukosten zu senken, sei "Augenwischerei". "Am Zuschussbedarf wird sich dadurch nichts ändern." Und dieser Bedarf stehe auf Jahrzehnte. "Was passiert, wenn die Einnahmen sinken?", fragte sich Scheiding. Michael Blöbaum (FDP) favorisierte die große Lösung, regte zeitgleich an, die Augen nach Sponsoring und weiteren Fördermöglichkeiten offen zu halten. "Es heißt immer, das Aqua Fun sei ein weicher Standortfaktor. Aber in Kirchlengern mangelt es sogar an harten Standortfaktoren", sagte Michael Schmale (UWG). Es gebe wichtigere Dinge. Die Zuschüsse würden sich jährlich auf mindestens eine Million Euro belaufen - und das für die nächsten 20 bis 30 Jahre. Schmale forderte eine namentliche Abstimmung, damit "die Nachwelt weiß, wer wie abgestimmt hat". Doch daraus wurde nichts: Nach einem Antrag von acht Ratsmitgliedern wurde geheim votiert. Im ersten Wahlgang wurde die Variante, die alle Module umfasst und von der Gemeindeverwaltung favorisiert wurde, mit 19 Nein-Stimmen abgelehnt. Eine Mehrheit bekam dann die "kleine Lösung". Darin wird die Verwaltung auch beauftragt, einen Förderantrag für das ISEK zu stellen. Doch was passiert mit dem Solebecken? Hans-Joachim Kramers hatte eine Anregung mit mehr als 100 Unterschriften gestellt, dass das Becken erhalten bleiben soll. "Diese Anregung braucht keinen gesonderten Beschluss, aber muss in die Entscheidungsfindung miteinfließen", erklärte Rüdiger Meier. Fakt ist: Im neuen Aqua Fun wird es kein Solebecken mehr geben.

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